Im Schloss Gleina spukt es gewaltig

  Gleina: Schloss Gleina | Gleina, eine kleine Gemeinde zwischen Freyburg und Querfurt, hat ein Schloss? Ja, auch wenn es nach außen nicht so aussieht. Seinen Charme macht das Innere aus und die Aktivitäten des Ortschronisten Thomas Lampe, der sich für den Erhalt des Schlosses engagiert.
Aber wusstet ihr, dass es in diesem Schloss, welches um 1739 erbaut worden ist, wirklich spukt?

Am 31. Oktober 2016 konnte ich mich selbst davon überzeugen. Gemeinsam mit Freunden und einer Gruppe von Mädchen, die hier eine Führung durch das Schloss an Halloween machen wollten, mussten wir diesem schaurigen Spektakel beiwohnen.

Thomas Lampe empfing die kleinen Feen, Monster und Hexen an der Pforte des Schlosses. Schon auf den Stufen im Eingangsbereich fand man einen mysteriösen Zettel mit einer Botschaft, die uns durch die Hallen des Schlosses führte.
In der Bibliothek angekommen, war ich ja total fasziniert von der imposanten Holzbalkendecke und den vertäfelten Wänden. Dafür hatten die Mädchen überhaupt keinen Blick. Völlig aufgeregt waren sie auf der Suche nach dem Geist, von dem sie gehört hatten.

Aber sollte er sich hinter der Holztäfelung versteckt haben? Ängstlichen Schrittes folgten sie Thomas Lampe, um zu sehen, was sich dahinter verbarg. Aber es war nur ein Fenster. Kein Geist weit und breit. Und dann fand man eine neue Botschaft, die uns in einen anderen Flügel des Schlosses lotste.


Während ich mit den Rokoko – Stuckornamenten beschäftigt war, verlor ich irgendwie den Anschluss an die Gruppe. Also nichts wie hinterher.

Als ich so an den einzelnen Zimmern vorbei huschte, sah ich Sanitärbereiche mit Fließen, die noch richtigen DDR – Charme versprühten. Ein anderer Raum war zum Teil mit alten Zeitungen, der „Freiheit“, ausgeschmückt. Ein ehemaliges Kunstprojekt, so erzählte es uns der Ortschronist Thomas Lampe.
In diesem Bereich des Schlosses, welches nach 1945 als Seniorenheim umfunktioniert worden war, soll sich die psychiatrische Abteilung befunden haben. Da konnte ich jetzt gar nicht weiter darüber nachdenken, denn ein markerschütternder Schrei hallte durch die Gänge.

Die Köpfe der Mädels kamen fast unisono aus der Tür, um zu lauschen, wo er her kam. Noch verängstigt und nur in kleinen Gruppen machten sie sich auf den Weg, um zum „Roten Salon“ zu gelangen.
Auf dem Weg dorthin sahen die Mädchen den Geist eine Etage höher laufen durch dieses Metallgitter. Irgendwie war ich heute immer zu spät.
Durch den „Blauen Salon" gelangten wir dann endlich in den Festsaal, dem so genannten „Roten Salon“. Dort hörten wir auf einmal komische Geräusche hinter einer Tür. Sollte man sie nun wirklich öffnen?

Aber erst einmal setzte ein ungeheuerlicher Schrei der kleinen Mädchen ein, der uns Erwachsenen das Fürchten lehrte. Blankes Entsetzen war in den Augen der Mädchen, die sich um die anwesenden Erwachsenen scharrten.
Langsam faste man den Mut, doch einen Blick hinter die verschlossene Tür zu werfen, aber nur, weil Thomas Lampe sich mit dorthin traute. Langsam öffnete sich die große Flügeltür und wir sahen ihn, den Geist, der vorhin noch durch die Gänge huschte.
Der Geist war eigentlich eine Frau, die Marie, die vor langer Zeit hier als Dienstmagd auf dem Schloss lebte. Als sie verstarb, konnte sie leider nicht in das Reich der Toten überwechseln. Seither spukt sie nun mit noch zwei weiteren Geistern hier durch das alte Gemäuer.

Wir müssen zugeben, ganz taufrisch sah sie nicht mehr aus, aber böse war er auf keinen Fall, ganz im Gegenteil. Nachdem sie ihre Puppe wieder gefunden hatte, nach der sie die ganze Zeit gesucht hatte, war sie gut gelaunt und so richtig in Feierlaune. Sie tafelte 300 Jahre alten Kuchen auf und kleine Schnittchen mit Leberwurst. Dazu gab es Blutbowle zu trinken.

Nachdem Marie etwas über sich erzählt hatte, lauschten die Kinder und die Erwachsenen gespannt den gruseligen Geschichten, die sie hier zum Besten gab. Auch von ihren beiden spukenden Leidensgenossen hier im Schloss war zu hören.

Nur alle 300 Jahre nimmt die gute Marie Menschengestalt an. Da hatten wir ja noch einmal richtig Glück gehabt heute, dass wir sie kennen lernen durften.

Für Fragen hatte sie ein offenes Ohr. Und davon wurden jede Menge gestellt. Mit Engelsgeduld beantworte sie die zahlreichen Fragen zu verschiedensten Themen. Ob sie nur diese Kleider hätte? Ob sie fliegen kann? Und so weiter und so weiter ...

Aber sie bekam auch ein ganz tolles Kompliment zu ihren wunderschönen Haaren. Davon war Marie sichtlich gerührt, so dass sie die Mädels auf ein Wiedersehen einlud. Nur ob wir noch einmal 300 Jahre Zeit haben werden? Dann steigt sie nämlich wieder für uns Menschen(kinder) aus dem Bild im „Blauen Salon".

An dieser Stelle ein ganz großes Lob und Dankeschön an Thomas und Susanne, die diesen ereignisreichen Nachmittag hier im Schloss Gleina möglich gemacht haben.
Redaktion: Kathleen Brehme
Text: Kathleen Brehme
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 07.11.2016 | 23:59  
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