Die letzten Wagen rollen - das Ende des Schienengüterverkehrs im Bahnhof Euskirchen

Euskirchens "letzter Lokführer" - Rangierarbeiten im November 2016 (Foto: photo79/Sebastian Petermann)
 
In Zukunft wird im Güterbahnhof Euskirchen kein Holz mehr verladen - Archivbild aus 2015 (Foto: photo79/Sebastian Petermann)

Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2016 wird der Euskirchener Güterbahnhof nicht mehr durch die Deutsche Bahn Cargo bedient. Nach mehr als 150 Jahren ist der Umschlag von Gütern auf die Bahn im Bahnhof Euskirchen damit Geschichte.
Dies betrifft sowohl die Ladestraße mit der zuletzt verbliebenen Verladung von Stammholz, als auch die Leerwagenabstellung der DB Cargo im Bahnhof selbst.

Langsam rollt die Lok auf den abgestellten Güterwagen in Gleis 21 und unter einem dumpfen Schlag treffen die Puffer der Lokomotive auf den Puffer des Güterwaggons. Der Lokführer steht dabei etwas abseits und hat die etwa 80 Tonnen schwere Diesellok mit einer Funkfernbedienung, die er in einem Tragegurt vor seiner Brust trägt, gesteuert. Er hängt nun den Kupplungshaken ein und verbindet die Schläuche der Luftleitungen. "Routine", sagt der junge Mann, und wischt mit dem öligen Arbeitshandschuh ein paar Regentropfen von der Funkfernbedienung, Die Diesellok steht leise im Leerlauf wummernd auf dem verkrauteten Gleis an der Ladestraße, die übersäht ist mit Resten von Baumrinde und auch so manchem Unrat. "Früher muss hier richtig was los gewesen sein, aber hier in Euskirchen ist ja bald Schicht", ruft er noch rüber, und steigt auf den vorderen Rangiertritt der Lok.
Unter einem unangenehmen Quietschen setzt sich die Lok mit nun angehängten Güterwaggon in Bewegung in Richtung Aufstellgleis, wo der Rest des abendlichen Güterzuges auf die Rückfahrt zum Rangierbahnhof Köln-Gremberg wartet.

Zu Bundesbahn-Zeiten waren es vier Dieselloks und viele Rangierer


Die "Bedienung" des Bahnhofs Euskirchen im Güterverkehr fällt in Zukunft weg und die Ladestelle wird offiziell geschlossen. Lediglich ein Industriebetrieb in Wüschheim erhält weiterhin Waggons für die Verladung direkt in den Gleisanschluss in der Nähe von Derkum zugestellt. Dies erfolgt jedoch direkt vom Rangierbahnhof Köln-Gremberg aus. Die Zeiten einer fest in Euskirchen stationierten Diesellok sind lange vorbei. Zu Hochzeiten der Bundesbahn arbeiteten knapp 30 Rangierer mit 4 Lokomotiven in drei Schichten fest in Euskirchen. Dann kam die Bahnprivatiersierung und der langsame Niedergang des Güterverkehrs in der Eifel. Im Jahr 2009 brachte eine private Güterbahn neuen Schwung nach Euskirchen. Mit der Zulieferung von Holz und Holzhackschnitzeln, einem kurzfristigen Container-Pendel Berlin-Euskirchen-Gerolstein kam wieder Leben in den Güterverkehr. Jedoch nur kurz. Die Zuckerfabrik bezieht ihre Braunkohle seit einiger Zeit per Lkw, ein Stahlhändler in Meckenheim brachte nicht die von der DB geforderten Mindestmengen auf die Schiene und wurde nicht mehr durch die DB bedient. Zu letzt verblieben war die Holzverladung im Bahnhof Euskirchen und die Bedienungsfahrten nach Derkum.

Von Straße auf die Schiene


Die DB Cargo begründet die Einstellung des Güterverkehrs mit mangelnder Rentabilität - gleichzeitig wurde aber für die anschließenden Industrieunternehmen die Anschlussverträge geändert. Die Interpretation bleib jedem selber überlassen, bedeutet aber vor allem eines:
Bahnaffine Güter wie Kohle, Stahl, Holz und Rohstoffe wie Zellstoff oder Kunstdünger fahren nun Lkw - durch die Euskirchener Innenstadt und über die Straßen und Brücken des Kreises Euskirchen. Der Rückzuge der Deutschen Bahn aus der Fläche zeigt sein wahres Gesicht.

Die Hoffnung auf private Eisenbahnunternehmen


Aus der Politik des Kreises war keine wirksame Gegenwehr zur angekündigten Schließung zu sehen. Im Rahmen der zu erwartenden Zunahmen des Güterverkehrs auf der Straße sehr ist dieser Umgang mit dem Schienengüterverkehrs nur sehr kurzfristig gedacht. Bleibt die Hoffnung auf private Eisenbahnunternehmen. Da die Infrastruktur und der Betrieb bei der DB in zwei verschiedenen Gesellschaften geordnet sind, muss die Deutsche Bahn Netz die Infrastruktur anderen Interessenten diskriminierungsfrei zur Verfügung stellen. Aber wer aquiriert Kunden auf der Schiene, wo die DB Cargo keine Kunden hinterlässt?
Das gut Beispiel des Kreis Düren, wo ein -vormals kommunales- Unternehmen diese Lücke geschlossen hat, und Güter sogar bis in den Kreis Euskirchen nach Zülpich liefert, könnte ein Vorbild sein.
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