Kiepenheuer & Witsch

Der Verlag Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht Bücher.

Joseph Caspar Witsch wurde am 17. Juli 1906 als ältester Sohn des Dachdeckers Christian Witsch und seiner Frau Elisabeth im damals noch eigenständigen Kölner Vorort Kalk geboren. Nachdem Witschs Vater 1915 im Ersten Weltkrieg fiel, verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Familie zusehends. Witsch entschloß sich 1921, das Gymnasium ohne Abitur verlassen, um seine Mutter zu unterstützen. Er arbeitete zunächst als Angestellter bei der Stadtverwaltung Köln, qualifizierte sich aber im Selbststudium weiter. 1931 legte er an der Westdeutschen Volksbüchereischule in Köln und der Deutschen Volksbüchereischule in Leipzig sein Examen als Volksbibliothekar ab. Neben seiner Arbeit in der Stadtbücherei Köln, wo er 1932 die Technische Bibliothek übernahm, studierte Witsch Philosophie, Soziologie, Geschichte und Literaturgeschichte in Köln. Wie dies ohne Abitur möglich war, sei hier nicht näher betrachtet. Als Kommunist denunziert wurde er nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 entlassen, aber bereits im Oktober desselben Jahre trat er der SA bei und arbeitete 1935 in Stralsund wieder als Bibliothekar. Im Jahre 1935 promovierte Witsch in Köln über "Der Begriff 'Stand' in der Gesellschafts- und Staatsphilosophie Fichtes". 1936 übernahm er die Leitung der Ernst-Abbe-Bibliothek und der "Staatlichen Landesstelle für das volkstümliche Büchereiwesen" in Jena. 1937 trat er der NSDAP bei.

Während des Zweiten Weltkrieges war Witsch Soldat, wurde aber wiederholt freigestellt. Nach den Gründen für diese Freistellung zu forschen würde an dieser stelle zu weit führen. Beim Kriegsende war er Flaksoldat in Italien und schlug sich zurück nach Thüringen durch. Wieso eigentlich nach Thüringen und damit in die kommunistische SB? Keine Ahnung. In Thüringen wurde er zunächst Leiter der "Thüringischen Landesstelle für Buch- und Bibliothekswesen", floh aber 1948 in den Westen. 1949 gründete er gemeinsam mit Gustav Kiepenheuer, der aber noch im selben Jahr in Weimar verstarb, den Verlag Kiepenheuer & Witsch. Innerhalb des Verlagsprogramms soll die CIA Übersetzungen US-amerikanischer Bücher finanziert haben. Starautor des jungen Verlages wurde Anfang der 1950er Jahre Heinrich Böll, der dem Verlag bis zu seinem Tode treu blieb. Witsch setzte sich auch für die 1960 erfolgte Gründung des Deutschen Taschenbuch Verlags (dtv) ein. Wirtsch starb am 28. April 1967 in seinem Geburtsort. Wie es zu dem beruflichen Bruch (zuerst Bibliothekar - dann Verleger) gekommen ist? Keine Ahnung. Die Sekundärliteratur sagt genausso wenig darüber wie die Verlagsseiten.

1963 wurde sein Schwiegersohn Reinhold Neven DuMont sein Assistent und 1969, zwei Jahre nach dem Tode Witschs, Eigentümer des Verlags.

Gustav Kiepenheuer wurde am 10. Juni 1880 in Wengern geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Buchhändler in Bremen. Er war Mitschüler von Ernst Rowohlt und Kurt Wolff. In Weimar übernahm er 1908 die Thelemannsche Buchhandlung und gründete 1909 den Gustav Kiepenheuer Verlag. An die Weimarer Tradition anknüpfend, verlegte er zunächst Klassiker der deutschen wie der Weltliteratur, später zeitgenössische deutsche Autoren wie Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Iwan Goll, Hans Henny Jahnn, Anna Seghers oder Stefan Zweig.

Nach dem Ersten Weltkrieg siedelte er von Weimar nach Potsdam und von dort 1924 nach Berlin über. In der Folgezeit wird er einer der führenden deutschen Verleger. Die meisten seiner Autoren wurden im Dritten Reich mit Berufsverbot belegt, so daß er sich in dieser Zeit auf Nachdrucke älterer Werke und Übersetzungen beschränkte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er 1945 nach Weimar zurück und beschloß, 1947 gemeinsam mit Joseph Caspar Witsch einen neuen Verlag zu gründen. Zunächst nahm er Witsch als Mitgesellschafter und Geschäftsführer auf, verstarb aber 1949 nach langer Krankheit noch vor der geplanten Neugründung. Da er von der sowjetischen Besatzungsmacht eine Erlaubnis erhalten hatte, einen Verlag zu gründen, hätte Kiepenheuer sicherlich den fachlich-verlegerischen Sachverstand mit in das Projekt bringen können.

Seine Bestattung fand auf dem Ehrengräberfeld des Historischen Friedhofs in Weimar statt. Seine Witwe Noa (dritte Ehefrau, verheiratet 1925) führte den Verlag zunächst fort, bis Witsch 1951 seinen Verlag unter dem Namen Kiepenheuer & Witsch mit Sitz in der BRD gründete.

Der Verlag Kiepenheuer & Witsch ist ein deutscher Publikumsverlag mit Sitz in Köln. Er veröffentlicht kritische und populäre Sachbücher sowie literarische Werke von renommierten ebenso wie von jungen Schriftstellern. Derzeit werden nach Verlagsangaben die Werke von über 400 Autoren verlegt. Seit 1982 hat der Verlag eine eigene Taschenbuch-Reihe, die KiWi-Paperbacks, und seit 2000 als Regional-Imprint »KiWi Köln«, eine auf Bücher aus und über das Rheinland spezialisierte Reihe.

kiwi-verlag.de

Wer hat noch nie von Kiepenheuer & Witsch gehör? Wer sich für Literatur interessiert, dem wird dieser rheinische Verlag durchaus geläufig sein. Doch, halt - so ganz stimmt das nun auch wieder nicht.

Man muß sich schon für Literatur im Allgemeinen interessieren, um zu Bücher dieses Verlages zu greifen. Wer sich beispielsweise für Krimis, Western oder Science Fiction interessiert, dabei auch ältere Titel sucht, wird hier sicherlich fehl am Platze sein.

Es gibt auch einen ganz anderen Grund, sich mit dem Verlg zu beschäftigen. "Interesse an deutscher Wirtschaftsgeschichte" heißt er. Diese Bereich des Journalismus wird leider viel zu oft vernachlässigt. Wie ist ein Unternehmen entstanden? Welche Persönlichkeiten standen dahinter? Wie hat sich das Unternehmen im Laufe der Zeit entwickelt? Warum ist es unter Umständen vom Markt verschwunden? Dies sind Fragen, die durchaus einer Berichterstattung wert sind - insbesondere dann, wenn sich eine (elektronische) Zeitung auch um Buchbesprechungen kümmert.
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1 Kommentar
23.090
Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 02.01.2014 | 14:30  
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