23-jähriger Bedesbacher hilft mit Stammzellspende einem Leukämiekranken

André Mahler weiß: "Stammzellspende ist die Chance, ein Leben zu retten."
 
Bei Fragen zu Typisierung und Stammzellspende sind Mitarbeiter der Stefan-Morsch-Stiftung unter der gebührenfreien Hotline 0800 - 76 67 724 erreichbar.
Kusel: Kreisverwaltung |

„Hilfe für Franz“ lautete der Aufruf in Alzey-Worms, der vor mehr als einem Jahr viele Menschen in ganz Rheinland-Pfalz dazu bewegte, sich als potenzieller Lebensretter bei der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands älteste Stammzellspenderdatei, zu melden. André Mahler aus Bedesbach bei Kusel war einer von ihnen. Im vergangenen Herbst bekam er dann Post von der Stiftung: Ein Leukämiepatient braucht die Hilfe des 23-Jährigen. Denn er könnte der genetisch passende Spender sein. Trotz seiner Angst vor Nadeln stand für André Mahler fest: „Ich will helfen.“

Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oft reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt, der die gleichen genetischen Merkmale hat, wie der Patient.

André Mahler weiß: „Stammzellspende ist die Chance, ein Leben zu retten.“ Das wusste er schon vor zehn Jahren. Damals erkrankte ein Freund von ihm: „Da war ich noch zu jung für die Typisierung.“ Im November 2013 als der Aufruf für den Familienvater durch die Medien publik wurde, war es dann soweit. Bei der Typisierung wird ein Fingerhut voll Blut oder eine Speichelprobe genommen. André Mahlers Gewebemerkmale wurden im Labor bestimmt und bei der Spenderdatei gespeichert. Seitdem stehen sie anonym im deutschen Zentralregister (ZKRD) in Ulm, wo sie mit denen der Patienten weltweit verglichen werden können.

Der 23-Jährige ist beim Jugendamt der Kreisverwaltung Kusel für alle Fragen rund um Kindertagesstätten der richtige Ansprechpartner. Er kümmert sich darum, dass es im Kreis genügend Krippenplätze gibt, und wie die Plätze in Kindertagesstätten verteilt werden. In seiner Freizeit ist der 1. FC Kaiserslautern-Fan bei den Fußballern des TuS Bedesbach-Patersbach aktiv. Entweder steht er bei der Herrenmannschaft im Tor oder trainiert die C-Jugendspieler. Im Oktober 2014 trifft der Brief der Stefan-Morsch-Stiftung ein: „Ich musste sofort an die Blutentnahme denken, da wurde mir ein bisschen mulmig. Dass ich helfen wollte, war klar. Ich habe ein paar Bekannte, die auch gespendet haben. Mit ihnen habe ich viel über die Spende gesprochen. Ihre Berichte und meine Freundin haben mir Mut gemacht“, erzählt der Beamte. Nach der erneuten Blutuntersuchung muss er zur Voruntersuchung. Dort wird zu seiner Sicherheit abgeklärt, ob er ganz gesund ist. Und er wird komplett über die Chancen und Risiken, aber auch über den Ablauf der Spende aufgeklärt.
André Mahler musste sich ein paar Tage vorher einen körpereigenen Botenstoff spritzen. „Beim ersten Mal musste ich mich überwinden, aber dann ging es ganz gut. Und es tat auch nicht weh“, erzählt er. Bei der eigentlichen Entnahme wurden dann die Stammzellen aus seinem Blutkreislauf herausgefitert – ähnlich wie bei einer Dialyse. Jetzt drückt er dem fremden Empfänger die Daumen: „Ich hoffe, dass er oder sie jetzt die Chance hat, zu überleben und dass es gut ausgeht.“

Emil Morsch, Vorstandsvorsitzender der Stefan-Morsch-Stiftung, lobt diese Hilfsbereitschaft: „Das Beispiel von André Mahler zeigt: Eine solche Typisierungsaktion hat immer nachhaltige Wirkung – vielleicht wird schon in wenigen Wochen oder Monaten ein Spender, der sich heute hat typisieren lassen, einem Menschen Hoffnung auf Leben schenken können. In jedem Fall aber bietet die Typisierung die Chance, dass nach Jahren, aber auch noch Jahrzehnte später Leben gerettet werden kann. Zugleich wird durch einen solchen Aufruf diese weitestgehend unbeachtete Form der Lebendspende in der Öffentlichkeit thematisiert.“

Antworten auf die häufigsten Fragen rund um das Thema Stammzellspende:

Ist eine Online-Registrierung möglich?
Über die Homepage der Stefan-Morsch-Stiftung (www.stefan-morsch-stiftung.de) kann man sich jederzeit als Stammzellspender erfassen lassen. Über den Online-Registrierungsbutton auf der Startseite kommt man zur Einverständniserklärung. Dort müssen eine Reihe von Gesundheitsfragen beantwortet werden, deshalb sollte die PDF „Wie werde ich Spender?“ vorab genau gelesen werden. Nach dem Ausfüllen der Einverständniserklärung bekommt man ein Registrierungsset mit genauer Anleitung zugeschickt. Für Spender, die jünger als 40 Jahre sind, entstehen dabei keine Kosten.

Welchen Chancen hat ein Patient einen passenden Spender zu finden?
Voraussetzung für eine Stammzelltransplantation ist die weitgehende Übereinstimmung der HLA-Gewebemerkmale (Humane Leukozyten Antigene) von Empfänger und Spender. Für immerhin 60 bis 70 Prozent der Leukämiekranken findet sich kein Verwandter, der als Spender in Frage kommt. So bleibt ihnen nur die Hoffnung, dass für sie ein nicht-verwandter, freiwilliger Spender gefunden wird. Bei der großen Vielfalt der Gewebemerkmale in der Bevölkerung (theoretisch gibt es mehr als 50 Millionen Kombinationen) ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Merkmale bei zwei nicht verwandten Menschen übereinstimmen, jedoch nicht sehr groß. Sie variiert von 1:1000 bis 1:mehreren Millionen. Obwohl derzeit weltweit mehr als 25 Millionen potentielle Spender registriert sind, verläuft also noch so manche Suche erfolglos.

Können Stammzellspender den Patienten kennenlernen?
Unter Beachtung datenschutzrechtlicher Bestimmungen ist ein Treffen zwischen Spender und Empfänger nach Ablauf von zwei Jahren möglich, wenn beide damit einverstanden sind. Außerdem kann der Spender, soweit der Patient damit einverstanden ist, auch nach der Stammzelltransplantation über den Zustand des Patienten informiert werden. Aber: Leider ist die Gesetzgebung in diesem Bereich von Land zu Land verschieden und eine Kontaktaufnahme zwischen Spender und Empfänger kann nur erfolgen wenn die nationalen Gesetze der Herkunftsländer dies erlauben. In vielen Ländern ist die Kontaktaufnahme aber nach wie vor erlaubt, unter anderem auch in Deutschland und den USA.

Was ist Leukämie?
„Leukämie“ ist der Oberbegriff für eine ganze Gruppe von Erkrankungen des blutbildenden Systems. Das Blut setzt sich aus Zellen (Blutkörperchen) und einer Flüssigkeit, dem Blutplasma, zusammen. Bei den Blutkörperchen werden dabei drei Arten unterschieden: die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten). Alle Blutzellen haben abhängig von ihrer Funktion eine begrenzte Lebensdauer. Im Knochenmark entstehen daher aus so genannten Blutstammzellen durch Zellteilung oder Reifungsschritte ständig neue Blutzellen, die dann in den Blutkreislauf übertreten. Bei einer Leukämie kommt es zu einer starken Vermehrung von weißen Blutkörperchen, insbesondere der noch funktionsuntüchtigen, jugendlichen Vorstufen. Diese Leukämiezellen verdrängen die normale Blutbildung im Knochenmark. Das stört den normalen Ablauf der Blutbildung und führt zu einem Mangel aller Arten gesunder Blutzellen. Dabei führt die Verminderung roter Blutkörperchen zu Blässe und Leistungsschwäche und die Verminderung der Blutplättchen zu vielen blauen Flecken oder schwer stillbaren Blutungen (Nasenbluten). Das Fehlen gesunder weißer Blutkörperchen führt zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen.
Abhängig von der Art der weißen Blutkörperchen aus denen die Leukämiezellen hervorgehen, unterscheiden die Mediziner zwischen myeloischen und lymphatischen Leukämien. Beide Leukämiearten können jeweils eine akute oder chronische Verlaufsform annehmen. Akute Leukämien entwickeln sich sehr rasch und ohne Behandlung tritt hier innerhalb weniger Wochen ein lebensbedrohlicher Zustand ein. Im Gegensatz dazu sind chronische Leukämien schleichende Erkrankungen, bei denen der Patient über Monate und Jahre symptomarm bleiben kann.

Die Stefan-Morsch-Stiftung mit Sitz in Birkenfeld ist die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ bietet die gemeinnützige Stiftung seit 1986 Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Hauptziel der Stiftung ist, Menschen zu werben, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen. So werden täglich Stammzell- oder Knochenmarkspender aus der stiftungseigenen Spenderdatei von mehr als 400 000 potentiellen Lebensrettern weltweit vermittelt. Die Stiftung ist Mitglied der Stiftung Knochenmark- und Stammzellspende Deutschland (SKD).
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