Seelenstorm Nr.97

  Crivitz: Wieden-Verlag | Der neue Seelenstorm von Rainer Stankiewitz ist erschienen

Ohne Alternative für Deutschland?


Im Grunde nebensächlich, weshalb jüngst in Holland ein Referendum stattfand, das dann bei einer Beteiligung von 32% mit 64 % Neinstimmen endete. Dieses Volksvotum passte nicht ins Europakonzept.
Luxemburgs Außenminister Asselborn stellte darauf fest: Volksbefragungen versauen die demokratische Landschaft; das Volk ist zu blöde, globale Zusammenhänge zu begreifen. Aha!

Die grüne Rebecca Harms von der deutschen Einheitspartei anmaßend: Mathematisch hochgerechnet waren bloß 18% dagegen. Aha!

Bei den letzten Landtags- und Bundestagswahlen – auf die Bevölkerung hochgerechnet – kamen durchweg Bündnisse zustande, die lediglich Minoritäten-Kabinette zum Regieren zuließen. Da gings also – demokratische Legitimation und so weiter. Aha!
Es geht also dann, wenn’s passt. Wem aber muss es passen? Dem Volk? Mitnichten! Es muss dem Kapital passen. Davon verstehen wir nichts. Müssen wir auch nicht. Dürfen wir gar nicht. Wir richten bloß Schaden an bei Volksabstimmungen.

Als Ausgleich für unsere dümmlichen Fragen und jenes unwohle Bauchgefühl, von dessen Wunsch, es definieren zu wollen, wir um jeden Preis abgelenkt werden müssen, schüttet man hier und da den Müll von Briefkastenfirmen über uns aus. Zuerst den Volkszorn steuern auf ein paar unlautere Hansel; dann großkotzen: Der Wähler (das sind wir) hat ein Recht auf Aufklärung. Bla, bla! – Aha!

Gerade wir Mecklenburger waren lange tatsächlich nicht sehr auf geistiger Höhe; erinnert sei an das Zwiegespräch zwischen Herzog und Pastor: Halt du sie arm, ich halt sie dumm. Dieses immer noch verblödete Volk spürt langsam, wie toll man es mit ihm treibt, es wird renitent.
Herr Holter, lese ich, sagt: Der Mensch steht im Mittelpunkt. Na sowas! Er selbst ist ja auch einer. – er spricht weiter von Briefkastenfirmen und Superreichen, die ihr Geld verschöben und so ihren maßlosen Reichtum der Steuer entzögen. Für mich hört es sich an, als hätte er auch ganz gerne ... vielleicht hat er ja ... – nichts illegales, nein – wie Cameron – ..., aber da irre ich gerne, schließlich bin ich selber Linker – zwar ohne Parteibuch in der Tasche, aber dafür mit modifizierten kommunistischen Ideen im Herzen. –
Kommunismus. – Nicht irgendeinen, keinen, der Menschen opfert, keinen, den wir anzustreben einst angehalten waren – ich meine ein echtes Gegenstück zum Kapitalismus, gewissermaßen ein Gären im Inneren, was sich nährt aus Liebe zu seinesgleichen Menschen und wächst an weltweiter Solidarität untereinander. – Ob da jene Liebe zu Mecklenburg reicht, die Helmut Holter einfordert, damit man ihn wähle? Was ist denn mit Mecklenburg tatsächlich geschehen die letzten Jahre, trotz oder etwa gar wegen der Linken?
Honeckers Versuch ist lange her, Alternativen in den Norden zu bringen: Meine Frau, in ländlicher Gegend aufgewachsen, konnte einst lediglich wählen zwischen der Lehre als Gärtner oder Geflügelzüchter; ihre jüngeren Schwestern dagegen wurden Lederwerker, Hydrauliker, Plastma-schinenhersteller – aller Zukunftsborn später niedergewalzt beim Einmarsch des Westens, die Werften gleich mit und alles übrige bis dahin wichtige Mecklenburgische dazu. Die Besetzer haben unser Gemeineigentum einverleibt. Wälder, Seen, Äcker in den Klauen von Geschäftemachern; die Menschen, der Sesshaftigkeit verlustig gegangen, wurden heimatlose Wanderer in Sachen Arbeit. Dieses fremde Vaterland sollen wir nun lieben, damit die Holterpartei gewählt wird, die mittlerweile weit entfernt davon ist, den Kapitalismus zum Teufel zu jagen? Sie macht ja zunehmend mit!
Und immer wieder die Enkelin des letzten Herzogs, Donata, welche die Rest-Wahrzeichen unserer Identität aus dem Land saugt, unsere strammstehenden politischen Eliten wegen ihrer Hoffahrt verächtlich belächelnd. Die Linke schämt sich nicht. Oder doch?

Ähnlich wie die Kanzlerin der Berliner Republik hat die Schweriner Volkszeitung vorauseilenden Gehorsam betrieben. Sie hat eine Willkommensbroschüre für Flüchtlinge herausgebracht, deren Eingangssatz nicht jedem behagen mag; mir auch nicht:
Für mich gibt es zwei Alternativen, den tatsächlichen Willen der meisten mir bekannten Zeitgenossen besser auszudrücken; erstens:

Moin moin – [...]. Sie haben sich auf den Weg gemacht, um in Deutschland vorübergehend Schutz vor den Kriegszuständen in Ihrem Heimatland zu finden. Wir werden Ihnen alle erdenkliche materielle und humanistische Hilfe gewähren. Zugleich unternehmen wir alles Mögliche, um die Auseinandersetzungen in Ihrer Heimat beenden zu helfen und weisen überdies unsere Waffenschmieden an, die Produktion von Schießprügeln auf Baumaschinen umzustellen und diese Ihnen zu liefern, damit Sie nicht mit bloßen Händen ihr Land wieder aufbauen müssen.

zweite Alternative:

Moin moin – [...]. Sie haben sich auf den Weg nach Deutschland gemacht, um einzuwandern. Wir haben mit unserer Bevölkerung nach ausgiebiger Diskussion Konsens erzielt, dass wir Sie in Deutschland dringend brauchen, weil 6 Millionen Hartz-4-Empfänger, die sich weder fördern lassen noch gefordert sein wollen, in die soziale Hängematte zum dauerhaften Ausruhen geklettert sind. Deren Lebensunterhalt sollen Sie jetzt verdienen. Deshalb ist Deutschland nun ein Einwan-derungsland. Sie werden verstehen, dass wir Ihnen in der ersten Generation noch keinen Mindestlohn zahlen können. Es wäre nicht gerecht gegenüber unseren Sklavenlöhnern.

Ich glaube, dass uns Deutschen durchaus gut täte, wenn ein paar Zugereiste mit ihrer Kultur unserer übersättigten Lebensweise den Spiegel vorhielten, dass wir endlich merkten, wer wir nicht mehr sind oder noch nie waren. Wenn jedoch der Eindruck entsteht, dass wir durch geheimnisvolle Mächte „umgevolkt“ werden sollen, müssen Zweifel und Widerspruch erlaubt sein, ohne dass man sich gehässige Attribute einhandelt.
Ob wir ein staatsähnliches Gebilde bunter Volksgruppen sein wollen oder lieber eine deutsche Nation mit gesteuertem Anteil Auswärtiger zu Integrierender, darüber darf keine Regierung entscheiden, die ja trotz einer vermeintlichen Mehrheit nie eine nominelle hatte und hat, sondern das Volk. Und wenn es angeblich dafür zu blöde ist, dann muss man es befähigen, denn ein Volk ist nicht von Natur blöd, es wird blöd gemacht und so gehalten.

Auch drängt sich mir die Frage auf, wer interessiert sein könnte, uns Deutsche kulturell und wirtschaftlich so zu schwächen, dass wir zuletzt gar nicht mehr solidarisch wirksam werden können. Ich stelle arg in Zweifel, ob die heute schon in Deutschland an manchen Orten fest regierenden Familienclans aus fremden Weltregionen uns gegenüber Solidarität zeigten, wenn wir sie eines Tags im eigenen Land nötig hätten. Können wir nicht besser für Hilfebedürftige sorgen aus einer starken nationalen Gemeinschaft, die zusammensteht? Wo endlich die Kluft zwischen Arm und Reich auf ein akzeptables, der Menschenwürde nahekommendes Maß geschlossen wird?

Aber im Kapitalismus ist das nicht möglich – in diesem schon gar nicht, wo das Hirn der Akteure von der Gier fast aufgefressen ist, und nach deren Lesart nur noch der finale Krieg bleibt.

Die Ausgabe gibt es hier zum runterladen:

Seelenstorm Nr.97

Der Seelenstorm erscheint regelmäßig alle 14 Tage im:

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