Steve “Big Man” Clayton rockte das altehrwürdige Fachwerkhaus in Lehrte

Der Flügel qualmt
Die letzte Sitzmöglichkeit wurde hereingeschleppt in das ausverkaufte Kulturhaus. Und dennoch standen viele begeisterte Gäste, um “The Wild Blues Man” aus Birmingham hautnah zu erleben. Dank der Mithilfe des Lehrter Männerchors wurde am Freitag wieder ein perfekt organisiertes Konzert geboten.
Jazzfreunde-Vorsitzender Paul Rohde erinnerte am 70. Jahrestag der Kapitulation an die integrative Wirkung des Jazz. In dem gemeinnützigen Kulturverein fänden politische Debatten keinen Raum, seien unterschiedliche Religionen ganz natürlich und Internationalität eine Selbstverständlichkeit. Die bisher verpflichteten Musiker kommen aus Amerika und Australien, aus England und Ungarn, aus Schweden und der Tschechei, aus Israel und Polen. So hat der Club neben seiner musikalischen Bedeutung auch seine Verdienste bei der Schaffung grenzübergreifender Freundschaften.
Steve Clayton, der nach der Heirat einer Deutschen in Süddeutschland wohnt, war begeistert von der Gastfreundschaft in Lehrte und vom Nachschub mit Hefeweizen. Und Flüssigkeit und Ventilator brauchte er wirklich, denn seine rasante Show forderte den ganzen Mann. In einem Wirbel voll Boogie und Blues, Ragtime und Gospel, Jazz und Rock’n’Roll spulte der Profimusiker ein Programm aus bekannten Ohrwürmern und vielen Eigenkompositionen ab, bis der Flügel qualmte (dank Nebelmaschine).
Von Chuck Berry’s “Sweet Little Sixteen” über Ray Charles’ “Georgia on my Mind” bis zum “Honky Tonk Train Blues” reichte die Palette. Bei diesem Boogiestandard von Meade „Lux“ Lewis brauchte Steve in Lehrte nicht unbekannte Zischgeräusche einer Dampflok. Als diese erst nur zaghaft kamen, stellte Steve fest: “Die streiken wieder.” Und dieser englische Humor begleitete seine Show durch den ganzen Abend. So fragte er, wer Fan von Led Zeppelin sei. Ein Zuschauer meldete sich. “Was nur einer? - Das reicht.” Natürlich durfte Fats Dominos “Blue Berry Hill” - vom Publikum textsicher mitgesungen – nicht fehlen. Spätestens beim “Shake Rattle and Roll” riss es die begeisterten Zuhörer vom Stuhl und es wurde geklatscht, getanzt und gesungen.
Erst nach Zugabe wurde der Künstler entlassen. Er reiht sich ein in die großen Pianisten Thomas Gerdiken, Frank Muschalle, Jan Luley und Jo Bohnsack, die vor ihm hier gastierten. Nach dem großen Erfolg dieser Konzertreihe wird am 22. April 2016 der durch 40 Jahre TV-Auftritte berühmte Prof. Gottfried Böttger zu Gast sein.
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