Fass´ sowas nicht an.... (II)

Die Teile die gestrahlt wurden - leider ist der Rahmen und die Gabel nicht mit drauf. Rechts zwei Auspuffsammler (einer als Ersatz erworben), links die Hinterradschwinde. Im äusseren, dicken Rohr dreht später sich die Kardanwelle.
 
Die eine ProLink-Hälfte - mit Bearbeitungsspuren. Aber noch brauchbar.
 
Bolzen, Mutter, Dichtscheibe und Buchsen vom ProLink. AEG - Alles ein Gammel...
 
ProLink-Innerei

... wenn Du mit sowas nicht konfrontiert werden willst.

http://www.myheimat.de/buehl/freizeit/fass-sowas-n...

Nachdem sich das erste Entsetzen

über den wohl vorliegenden Zustand der HONDA GL500 etwas gelegt hatte mußte eine Entscheidung getroffen werden.
Zurückgeben? Nein, das wollte ich nun auch nicht.
Schlachten und in Teilen verkaufen? Das wäre wirtschaftlich betrachtet wirklich die beste Entscheidung gewesen.
Die Herausforderung annehmen?
Dazu muß man bemerken daß die CX/GL500-Reihe nun gut 30 Jahre alt ist. Die noch zu bekommenden Teile werden rar, dafür blüht der Teilemarkt bei ebay und in den Netz-Communities, und ich muß sagen daß ich ohne dies die Sache nicht weiterverfolgt hätte, denn kommerzielle "Schlachter" und Teilehändler nehmen teilweise wirklich Mondpreise dafür.

Also betrachtete ich diesen Haufen Metall und Plastik

auf zwei Gummirädern einfach als Lernobjekt in das auch gern etwas Kreativität einfliessen durfte, wobei ich auch auf die Hilfe erfahrener "Schrauber" aus dem Güllepumpen-Forum im Internet setzte - und ohne die hätte ich es wohl auch kaum geschafft; gleichwohl mußte ich einige Arbeiten doch an Fachbetriebe vergeben.
Vorgabe aber war: soviel Ursprungssubstanz zu erhalten wie möglich!

Aus den Erkenntnissen des Teil 1, verbunden mit der o.a. Einführung dieses Beitrags folgert der Leser nun messerscharft daß jetzt die Phase der Totalzerlegung begann - und er hat wieder einmal Recht, ebenso daß während dieser Totalzerlegung weitere "Leichen" zum Vorschein kamen.
Zusammengefasst: Es gibt kaum ein Teil an diesem Motorrad das ich nicht wenigstens zu einer intensiven Reinigung in der Hand gehabt hätte.

Fakt war:

Durch die ausgelaufene Batterielauge und dem Zahn der Zeit (das Motorrad stand nun seit mindestens 2002, also seit über 7 Jahren mehr oder weniger geschützt irgendwo rum) mußte der Rahmen entlackt, inspiziert und neu lackiert werden, und das galt für die weiteren Hauptbestandteile wie Vorderradgabel und Hinterradschwinge ebenso - wobei ich mir um den Motor keine großen Sorgen machte.

Im Garten verstreuten

sich jetzt also zunehmend Motorradbaugruppen, die Befestigungs- und zugehörenden Teile säuberlich beigefügt. Allerdings - ich hätte wesentlich mehr Fotos machen müssen, denn auch in den Anleitungen und Stücklisten war hinterher nicht mehr jedes Teil dieses Riesenpuzzle identifizierbar.
Selbstredend kamen auch hier weitere Unschönheiten zum Vorschein, aber auch konstruktive Fehler die mein Unterfangen erschwerten - z.B. wenn man dadurch einen festgerosteten Bolzen nicht hinaustreiben konnte weil ein anderes Teil dabei im Weg war.
Besonders galt dies für den sog. "ProLink", eine Hebelmechanik die an ihren Enden Rahmen und Hinterradschwinge verbindet wobei in deren Verbindungspunkt ein zentrales Federbein für die Federung und Dämpfung sorgt.
Daß diese nie gefettet oder sonstwie gepflegt wurde zeigte dann auch der Zustand...Rost, Gammel, Korrosion.
Allein das Austreiben eines der Bolzen war schon mühselig; dann stellte sich heraus daß auch mit gutmütigstem Zureden (massenweises Einbringen von Kriechöl und anderer rostlösenden Substanzen, äusserste mechanische Krafteinwirkung auch unter Zuhilfenahme eines Schweißgeräts) der Bolzen der beide ProLink-Hälften miteinander verband nicht dazu zu bringen war sich weiter als ein paar Millimeter zu bewegen - dies reichte aber aus um ihm an einer Stelle zwischen den Hälften mit einer Flex schließlich den Garaus zu machen.
Allein der Ersatz der Original-Honda Bolzen, Dichtscheiben und Laufbuchsen für den ProLink machte fast die Hälfte des Kaufpreises des Motorrad aus...

Als das dann alles zusammen war machte ich mich auf die Suche nach einem Betrieb der die Teile entlacken - sprich: Strahlen konnte.
Da es unterschiedliche Arten des Strahlens gibt habe ich mich erkundigt, und dabei blieb das Sandstrahlen übrig. Das falsche Strahlgut kann fatale Folgen haben... und einiges andere ist einfach zu teuer.
Die dann metallisch blanken Teile brachte ich nach einer gründlichen Inaugenscheinnahme samt der Kunststoffverkleidungen direkt zum Kfz-Lackierer. Vorher waren die Rahmenteile tiefschwarz, ich aber hatte mich (auch mit Hilfe meiner Frau...;-) ) für ein Nachtblau mit leichtem Glitzereffekt entschieden - und dabei kam das Thema "Airbrush" ins Spiel.
Doch davon später.

Exemplarisch möchte ich noch den Tank erwähnen.

Nochmals in Gedanken die Standzeit rekapituliert und damit multipliziert was in einem Tank passiert der mit wenig Benzin abgestellt wird:
Wieder richtig - es bildet sich Kondenswasser das sich, da schwerer als Benzin an der tiefsten Stelle des (Stahl)Tank ansammelt. Und was tut das Wasser da?

Ok, also - erst der Tank abstrahlen lassen worauf das ganze Elend sichtbar wurde, dann den Tank zum Löten gegeben.
Ich hätte es lassen sollen.... es half nicht.

Schließlich besorgte ich mir nach diversen Internet-Recherchen ein Zeugs das sich POR15 nennt, und so verbrachte ich den Tag damit diesen und einen weiteren Tank erst mit der beiliegenden Flüssigkeit zu säubern (die dabei herausrieselnden Rostpartikel waren nicht dazu angetan meinen Optimismus zu beflügeln), dann mit einer weiteren Flüssigkeit das Metall des Tankinneren chemisch aufzubereiten und schließlich die eigentliche Tankversiegelung - in der Konsistenz wie Lackfarbe - hineinzukippen und den Tank vorsichtig, unter Berücksichtigung der vermuteten Fließgeschwindigkeit des Zeugs so zu drehen daß die Versiegelung wirklich jeden Punkt des Tankinnenraums erreicht.
Davon daß dies so war konnte ich mich überzeugen, denn auf der Arbeit verfügten wir über ein sog. Boroskop, das ist ein Schlauch mit einer Kamera und einer Lampe dran der steuerbar ist und somit auch in kleinste Hohlräume bugsiert werden kann. Das Kamerabild läßt sich auf einem Monitor betrachten und auch abspeichern.
Also - ohne Werbung machen zu wollen - das POR15 ist ein prima Zeugs um alte Tanks und anderes Eisen-Metallisches dauerhaft zu schützen und zu versiegeln. Das Löten hätt´ich mir sparen können... und habe inzwischen fünf Tanks damit behandelt, einer davon innen dermaßen verrostet daß ich kaum glauben konnte daß nach der x-ten Spülung mit Rostplacken drin überhaupt noch rein-metallische Substanz vorhanden war.

Ja, und so sah auch der Benzinhahn aus... die Gummimenbran voller Rostpartikel, und die kleine Filterglocke durchkorrodiert - es war wirklich ein Loch drin. Auch dies wurde mit der Tankversiegelung "geheilt".

Vorderradgabel: Die lebenswichtige Verchromung beider Standrohre hin, verrostet. Das eine Standrohr so im Tauchrohr festgegammelt daß ein Ersatz nötig war - bei ebay eine komplette Gabel für wenig Geld bekommen.
Glück gehabt...

Hinterradantrieb: Angerostet, Gehäusedichtung zerbröselt. Habe ich dann auch noch lackieren lassen.

Elektrik: Alle Kabelbäume und Stecker/Kontakte gesäubert, die Kabel neu mit selbstverschweißendem Isolierband zusammengebunden und natürlich die Lüsterklemmen-"Modifikationen" entfernt.

Instrumente - entrostet, gereinigt und poliert; die Gummieinfassungen erneuert.

Schlösser - da ein Schloss defekt und es für die Schlösser der beiden Helmhalter/Sitzentriegelungen keinen passenden Schlüssel gab einen kompletten Schlossatz günstig bekommen und eingebaut.

Hintere Sitzbank erneuert - total rott.

Vergaser - siehe Bilder...

Anlasser Zerlegt, gereinigt, neue Kohlen - den Riss im Gehäuse einfach ignoriert. Der tut nix...

Vorderradbremse Beide Bremssättel komplett zerlegt - nachdem ich die festsitzenden Kolben mit einer Hochdruck-Hydraulikpresse "überredet" habe herauszukommen. Alle Teile gereinigt, Dichtungen neu, Kolben poliert, Gehäuse lackieren lassen.
Bremspumpe (am Lenker, mit Bremshebel und Bremsflüsigkeitsbehälter) komplett zerlegt, gereinigt, neue Dichtungen - und instandgesetzt nachdem ein lieber Kollege das Teil bei rausprökeln des Sprengrings fast zerstört hatte.

Tourenverkleidung komplett auseinander und gereinigt zum Lackieren, Scheibe gereinigt und poliert, silberne Blende erneuert, alte Verkabelung gereinigt, neu isoliert und instandgesetzt. Griffheizung, 12V-Steckdose, Warnblinkanlage und die dazugehörenden Sicherungen und Verkabelung eingebaut, Borduhr instandgesetzt und samt ebenfalls vorhandenem Voltmeter neu verkabelt und beleuchtet.

Kofferträger - alte Krauser- Kunstoffträger abgebaut und verkauft. Neuen Hepco&Becker-Träger zusammengesucht, Topcasebrücke für H&B-Topcase modifiziert, alles entrostet und neu Verchromen lassen.

Auspuff Krümmer und Krümmerkronen neu verchromen lassen. Sammler nach Sandstrahlen mit Hochtemp.Farbe lackiert. Original-Endtüten besorgt, entrostet, Löcher zulöten lassen und ab zum Verchromer.

Verkleidungs- und andere Schrauben/Muttern durch Innensechskant-Edelstahl ersetzt.
Alle Gummiteile gesäubert,und mit Gummipflegemittel behandelt - oder ersetzt.

Ja - das waren also im Groben die Arbeiten mit denen ich die Zeit verbracht habe - so mir diese als Wochenend-Pendler überhaupt zur Verfügung stand.

Da lag dann irgendwann das Puzzle bei mir im Keller - aber wie ging das jetzt wieder zusammen? Und was war mit Airbrush?

Dies - und die Motorüberholung demnächst ! Schön wenn man Freunde hat...

Zum Teil III: http://www.myheimat.de/buehl/freizeit/fass-sowas-n...
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6 Kommentare
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Gundu la aus Mannheim | 05.03.2014 | 22:27  
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Axel Haack aus Freilassing | 06.03.2014 | 05:28  
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Andreas Köhler aus Greifswald | 06.03.2014 | 05:34  
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Hubert Joachim aus Bobingen | 08.03.2014 | 00:51  
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Edgard Fuß aus Bühl | 08.03.2014 | 11:05  
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Eugen Hermes aus Bochum | 02.04.2014 | 17:53  
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