Erinnerung an Bremer Räterepublik

Gut vier Wochen lang regierte in der „Sozialistischen Republik Bremen“ ein Arbeiter- und Soldatenrat. Weil diese Volksverwaltung so manchen reaktionären Kräften ein Dorn im Auge war, wurde der damalige sozialdemokratische Reichswehrminister Gustav Noske aufgefordert, Militär nach Bremen zu entsenden. Die Division Gerstenberg und das Freikorps Caspai erhielten daraufhin einen Marschbefehl in die Hansestadt, um die Räterepublik niederzuschlagen. 81 Männer, Frauen und Kinder mussten ihr Leben lassen.

Seit etlichen Jahren gedenken VertreterInnen von Gewerkschaften, Organisationen und Parteien jeweils am ersten Sonntag im Monat Februar auf dem Waller Friedhof der Bremer Revolution, darunter auch viele Mitglieder der Bremer Linkspartei. DIE LINKE legte einen Kranz nieder.

Gut 150 KundgebungsteilnehmerInnen lauschten den Worten Gerd-Rolf Rosenbergers (Initiative Nordbremer Bürger gegen den Krieg) und Inge Högers (MdB, abrüstungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE).

Rosenberger erinnerte an den 100sten Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkrieges. „Wir werden erleben müssen, wie das ‚Gedenkjahr‘ für einen neuen Schub zur theoretischen und politischen Legitimierung gegenwärtiger imperialistischer Politik und Angriffskriege genutzt wird.“ Er wies darauf hin, dass der Mitgründer der Kommunistischen Partei Deutschlands, Karl Liebknecht, diesen Feldzug einen „kapitalistischen Angriffs- und Eroberungskrieg“ nannte. Der Politiker hatte als Einziger im Reichstag gegen die Kriegskredite gestimmt. Für Rosenberger hätte die Bilanz dieses Krieges eigentlich zu einem Schluss führen müssen, der sich in zwei Worten sagen ließe: „Nie wieder Krieg!“

Die Bundestagsabgeordnete der LINKEN, Inge Höger, beleuchtete in ihrem Redebeitrag die Rolle der deutschen Sozialdemokratie. „Es waren die Reichstagsabgeordneten der SPD, die im August 2014 für die Kriegskredite stimmten. Und es waren dann Sozialdemokraten wie Noske, Ebert und Scheidemann, die zusammen mit Freikorps und ehemaligen Generälen gegen die revolutionären Arbeiter- und Soldatenräte vorgingen und sie zerschlugen.“

Die Parlamentarierin kritisierte, dass die SPD achtzig Jahre später wiederum einer Kriegsbeteiligung Deutschlands zugestimmt hätte. „Es waren Sozialdemokraten, die zusammen mit den Grünen 1999 die Beteiligung Deutschlands an dem Krieg gegen Jugoslawien beschlossen haben. Kurz darauf stimmte Rot-Grün 2001 auch einer Beteiligung am Krieg der USA gegen Afghanistan zu. Es ging und geht um den Zugang zu Ressourcen und um geostrategische Interessen in Zentralasien. Dass wollten deutsche Konzerne zusammen mit Schröder und Fischer nicht dem US-Kapital überlassen.“ Auch beim NATO-Einsatz gegen Libyen seien es SPD und Grüne gewesen, die für eine Beteiligung der Bundeswehr warben.

Höger griff in ihrer Rede den SPD-Außenminister Frank-Walter Steinmeier scharf an, der sich für ein stärkeres Engagement der Bundeswehr in Afrika aussprach. „Wie vor 100 Jahren ist es die SPD, die sich schamlos für Militarisierung und Krieg ausspricht. Die Worte von Steinmeiers erinnern in fataler Weise an das Trommeln des Deutschen Kaisers Wilhelm II. am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Die Parallele zu 1914 mahnt zur äußersten Wachsamkeit gegen Aufrüstung und Krieg.“ Für ein ‚Wehret den Anfängen‘ sei es deshalb schon zu spät.

„Werbt intensiver für Frieden und Abrüstung“, forderte die Bundestagsabgeordnete die Anwesenden auf. „Nie wieder Krieg und nie wieder Faschismus! Das sind wir auch den Matrosen von Kiel und den Verteidigern der Bremer Räterepublik, den Opfern von Krieg und Faschismus schuldig!“

Abschließend sprachen noch zwei Daimler-Betriebsräte eines Werkes in Sudafrika zu den KundgebungsteilnehmerInnen. Sie informierten über ihre Arbeitsbedingungen in ihrer Heimat.
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