Gedanken zum Bürgerreporter und den Bürgerportalen

Habe mir immer wieder Gedanken über uns sogenannte Bürgerreporter gemacht, zudem ja mz-buergerreporter versucht ihr stark angeschlagenes Boot wieder flott zu kriegen. Hab dazu auch im Internet recherchiert und folgende wiederkehrende Definition zu Bürgerreporter gefunden: „ Traurige Bezeichnung für Menschen mit zu viel Freizeit, einer Digitalcamera, einem selbstgebastelten Presseausweis, und dem unbändigen Verlangen danach ihre Adresse, ihren Namen, und die letzte Darmspülung online zu erörtern. Graswurzel-Journalismus hat ein neues furchtbares Gesicht bekommen!“

Halt nicht gleich aufregen, die Definition Bürgerreporter liest sich zwar für den ersten Moment grass , aber irgendwie ist da schon was dran, bzw. wirft Fragestellungen auf die interessant sind. Dazu etwas später. Zuerst die etwas weichgespültere Definition des Bürgerreporters: „Bürgerreporter sind in der Mehrheit Personen, die keine journalistische Ausbildung haben, sich aber idealerweise in einem Thema besonders gut auskennen und Spaß daran haben, darüber zu berichten. Die Bezeichnung Bürgerreporter ist dabei gleichbedeutend mit Begriffen wie Hobbyreporter, Bürgerjournalist oder Leserreporter.“

Es geht aber auch so: „Der fleißige Bürgerreporter begibt sich morgens um Punkt 7.30 Uhr an den Rechner, um sinnfreie Bilder vom Vortag zu uploaden, um diese dann mit einem noch sinnfreieren Text zu versehen. Danach hängt er lauernd im Schlafanzug nach Kommentaren am Rechner. Typische Kommentare sind: Tolles Bild! Hast du ganz Toll gesehen! Super! Wunderschön! „

Bürgerreporter hatten wir schon vor dem Onlinezeitalter, der Zeit der reinen Printausgaben auch schon. Im Gegensatz zu früher beschränken sich die Beiträge der Bürgerreporter im redaktionellen Teil der Printausgaben heute meistens auf Bilder und Kurzmeldungen. Kritische Berichtthemen der Bürgerreporter werden grundsätzlich gemieden! Diskussionen aktueller Themen mit und zwischen Lesern oder Nutzern finden eher getrennt vom redaktionellen Teil statt, in speziellen Onlineforen bzw. Communities, Blogs. Daher findet man auch myheimat und mz-buergerreporter auch auf facebook. Dort finden aber auch kaum Diskussionen statt. Auch im eigentlichen Kommentarbereich tut sich zu Artikeln und Berichten nicht viel in Bezug auf eine Diskussion.

Die Annahme einiger Redaktionen, mit der Lesermitarbeit in Form von Bürgerreportern könnte man, neben hochaktuellen Bildern und Meldungen von Augenzeugen, möglicherweise die lokale Kommunikation und Diskussion wieder „ins Blatt holen“ hat sich als unrealistisch erwiesen.

Ein drittes Phänomen, das unter der Bezeichnung Bürgerjournalismus diskutiert wird, ist der so genannte Wiki journalism. Es handelt sich um Nachrichten-Websites, die von Laien kollektiv erstellt werden, wie z. B. „Wikinews“ oder „Onlinezeitung24.de“. Dabei werden Laien stärker journalistisch tätig als bei den typischen Bürgerprotalen: Sie liefern nicht nur Beiträge oder Fotos, sondern selektieren und bearbeiten Nachrichten und recherchierte Infos. Daneben existieren auch so genannte hybride Varianten, wo professionelle Journalisten und Laien zusammenarbeiten. Wie auch beim regionalen online basierenden Tourismusprojekt www.geiseltalinfo.de.

Das regionale Tourismusprojekt www.geiseltalinfo.de ist als sogenanntes Bürgerjournalismus-Portal aufgebaut, in dem Professionelle und Laien zusammenarbeiten, in dem sich wiederum auch Bürgerreporter aus anderen Bürgerreporterportalen wie myheimat und mz-buergerreporter einbringen. das Projekt macht es möglich

Mit Bürgerreportern wird natürlich auch versucht Geld zu verdienen, hier tut sich die „Gesellschaft zur Förderung der Bürgerreporter“ deutlich hervor. Dort versucht man einen Presseausweis für Bürgerreporter für rund 150 Euro zu vermarkten. Presseausweise werden normalerweise von anerkannten Fachverbänden an Journalisten ausgegeben. Voraussetzung ist hier stets der Nachweis einer hauptberuflichen, journalistischen Tätigkeit. Da diese Voraussetzung Bürgerredakteure nicht erfüllen können probiert man diesen die eigentlich wertlosen Presseausweise für Bürgerreporter von der „Gesellschaft zur Förderung der Bürgerreporter“ anzudrehen. Ich kann nur empfehlen lasst die Finger davon, da kann man gleich einen Bürgerreporter -Presseausweis selbst am Computer basteln!

In nun 20 Jahren als Onlineredakteur habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Akkreditierung einen viel höheren Stellenwert hat als der Presseausweis. Für unsere Liveredakteure rufen wir im Vorfeld beim Veranstalter an und melden den entsprechenden Redakteur für die jeweilige Veranstaltung an. Zu vielen Veranstaltungen werden unsere Redakteure automatisch von den Veranstaltern eingeladen.

Wir hatten mz-bürgerreporter eine effektive Kooperation vorgeschlagen, mit der die Arbeit der (mz)Bürgerreporter gezielt unterstützt hätte werden können. Wobei ein an die Handnehmen der Bürgerreporter, soweit sie es möchten, gezielt für Neueinsteiger sicherlich gut angekommen wäre. Wir von geiseltalinfo.de tun dies mit unseren Liveredakteuren schon. So gehen die „Neuen“ die ersten Male jeweils in Begleitung eines alten „Hasen“ zu den Veranstaltungen. Viele Veranstaltungen werden zudem überhaupt von 2 -3 Liveredakteuren besucht, da man sonst kaum alles erfassen kann. Durchrennen wie unsere Print-Kollegen ist nicht die Art der Liveredakteure. Da muss man sich schon mal Zeit lassen um zu einer wirklich interessanten Fotostory zu kommen.
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2 Kommentare
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Ronny Ullrich aus Laucha an der Unstrut | 05.11.2014 | 21:30  
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Krohn Jürgen aus Braunsbedra | 10.11.2014 | 08:38  
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