Informationen zur politischen Bildung, APuZ und fluter

Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung | Die Bundeszentrale für politische Bildung, Adenauerallee 86, 53113 Bonn, www.bpb.de gibt verschiedene Schriften heraus.

Da wären zunächst die "Informationen zur politischen Bildung" zu nennen. Diese Vierteljahreszeitschrift trägt die ISSN 0046-9408.

Die Nummer 245 gibt es als Neudruck aus dem Jahre 2003. Ihr Titelthema: "Internationale Beziehungen I Der Ost-West-Konflikt". Der Umfang beträgt 60 Seiten, die Höhe der Auflage 50.000.

Autor Prof. Dr. Manfred Görtemaker wirft einen Blick von den ` 40er Jahren bis in die ` 90er Jahre des 20. Jahrhunderts. In dieser Hinsicht kann man das Heft als geschichtlichen Rückblick auf die große Weltpolitik der damaligen Zeit betrachten.

Die wesentlichen Merkmale der "Informationen zur politischen Bildung" lassen sich an Heften wie diesem gut beschreiben. Das Format beträgt DIN A4. DIe Ausführungen sind zwar sachlich-neutral und politikwissenschaftlich orientiert, trotzdem aber leicht verständlich. Der interessierte Laie kann die Informationen ebenso nutzen wie der Lehrer im Schulunterricht. Bilder und Kartenmaterial ergänzen den Textteil.

Die Nummer 303 ist im 2. Quartal 2009 erschienen. "Afrika - Schwerpunktthemen" lautet ihr inhaltliches Thema.

Das Heft ist 76 Seiten dick. Hier schreiben Autoren wie Gero Erdmann, Tobias Schumacher und Steffen Angenendt. Inhaltlich geht es um Themen wie Gesellschaftspolitik und die politische Rolle Afrikas in der Welt.

Die Herangehensweise ist ein wenig gewagt. In Afrika gibt es 52 Staaten, in denen ungezählte Ethnien mit eigener Kultur und Sprache leben.

Sie alle unter einen Hut zu bringen und allgemeine Linien der Politik zu zeichnen ist sehr, sehr schwierig. Auch Bereiche wie religiöse Spannungen werden vom Autoren völlig ignoriert.

Es reicht, die Tageszeitung zu lesen, um zu erkennen, daß dieses Heft naiv, blauäugig, oberflächlich und stark vereinfachen ist.

Die Nummer 300 ist im 3. Quartal 2008 erschienen und steht unter der Überschrift "Lateinamerika". Prof. Dr. Detlef Nolte, Prof. Dr. Wolfgang Hein und Dr. Mariana Llanos sind einige der Autoren, die die 76 Seiten füllen. Die Geschichte der Region, Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und soziale Lage sind einige der Themen, die hier angesprochen werden.

Aber auch hier gilt, was schon beim Afrika-Heft gesagt wurde: Es fehlt der Tiefgang. Die Autoren gehen nicht wirklich auf die Verhältnisse in den verschiedenen süd- und mittelamerikanischen Ländern ein. Der unkundige Leser erhält so keine Vorstellung davon, wie es in welchem Land aussieht.

Die Nummer 317 stammt aus dem 4. Quartal 2012. "Naher Osten Nachbarregion im Wandel" lautet ihr Thema. Die Ausgabe ist 84 Seiten stark und hat eine Auflage von 650.000 Exemplaren. Geschichte, Wirtschaft, Gesellschaft und der "Arabische Frühling" sind die Themen, mit denen sich Autoren wie Prof. D. Henner Fürting und Dr. Hanspeter Mattes beschäftigen.

Dieses Heft ist irgendwie schlecht einzuschätzen. Was die Tagesaktualität = den Arabischen Frühling anbelangt, wäre es schon hilfreich gewesen, die Ereignisse nach Ländern sortiert genauer zu betrachten.

Für den Leitungsleser stehen Länder wie Ägypten, Irak und Syrien im Vordergrund. Die Ereignisse in den arabischen Staaten, Algerien, Libyen, Tunesien usw. werden dabei sehr leicht vergessen. Auch hier fehlt wieder der erklärende Tiefgang.

Das Heft mit der Nummer 284 beschäftigt sich mit dem allgemeinen Thema "Demokratie". Es handelt sich dabei um eine "Überarbeitete Neuauflage 2013". Der Umfang beträgt 68 Seiten. Prof. Dr. Hans Vorländer ist der alleinige Autor des Heftes. Hier liegt ein politikwissenschaftliches Heft vor, das Grundlagenwissen vorstellt. Der Leser erhält in leicht verständlicher Form die Prinzipien und Merkmale unseres heutigen (westeuropäischen) Demokratieverständnisses und lernt Demokratieformen in der Vergangenheit, also der europäischen Geschichte kennen. In dem vorliegenden Heft wird doch tatsächlich Bildungsarbeit geleistet.

Die Bundeszentrale gibt auch die Zeitschrift "fluter" heraus. Die Nummer 48 ist vom Herbst 2013. Bei einem Umfang von 52 Seiten steht sie unter der Überschrift "Und wofür stehst du?". Sie beschäftigt sich also mit dem Thema Demokratie. Die unterschiedlichen Autoren beschäftigen sich mit Themen wie Lobbyismus, Bürgerbeteiligung und Mitreden in der Schule.

Grundlagen wird hier als bekannt vorausgesetzt und daher nicht weiter erklärt. Stattdessen werden zielgruppengerecht = für Jugendliche geeignet bestimmte Gesichtspunkte des demokratischen Lebens beleuchtet. Der Blick ins Ausland (China, Afghanistan) und die Erkenntnis, daß Entscheidungsfreude auch anstrengend sein kann, gehört dazu.

Die Ausgabe 49 ist vom WInter 2013 / 2014. Auch sie hat einen Umfang von 52 Seiten. Unter der Überschrift "Das sind meine Leute" geht es um das Thema "Familie":

Die AUtoren beschreiben die ganze Bandbreite des modernen Familienlebens, von der sogenannten Patchwork-Familie und Adoptivkindern bis hin zur Arbeit von Jugendämtern. Auch ein kurzer Blick ins Ausland ist dabei. Das traditionelle Familienbild fehlt leider völlig.

Im Internet ist Fluter unter www.fluter.de einsehbar. Seine ISNN lautet 1611-1567. Die Zugehörigkeit zu einer politischen Ideologie ist nicht erkennbar. Dies ist aber auch das große Manko der Zeitschrift. Es ist nicht erkennbar, welche Werte vermittelt werden sollen. Soll die Wirklichkeit, das pralle Leben so beschrieben werden, wie es ist? Soll den jugendlichen eine geistige Orientierungshilfe an die Hand gegeben werden? Man wird von der Redaktion schon erwarten können, ein klareres inhaltliches Profil zu entwickeln, wenn fluter überleben können soll.

Die Zeitschrift "APuZ - Aus Politik und Zeitgeschehen" erscheint inzwischen im 64. Jahrgang. Auch wenn sie der Sekundärliteratur zufolge als seriöse politikwissenschaftliche Fachzeitschrift gilt, ist ihre Erscheinungsform doch ungewöhnlich: Es gibt sie nur als Beilage zur Wochenzeitung "Das Parlament" Eigenständige Ausgaben sind zumindest im Zeitungsfachhandel nicht erhältlich. Im Internet ist APuZ unter www.bpb.de/apuz einsehbar; wieso es keinen eigenständigen Internetauftritt gibt, ist nicht bekannt. DIe ISSN lautet 0479-0611.

Die Ausgabe 6-7/2013 vom 4. Februar 2013 steht unter der Überschrift "Europa? Mehr Europa! Europa im Umbrufch Europa: Die große Frage Europa: "in or out"?". Annegret Eppler, Hans-Heinrich Nolte und Dominik Gappert sind nur einige der Autoren, die die 48 Seiten füllen.

Das Heft ist (Politik-)Wissenschaft pur. Hier werden bar jeglicher Tagesaktualität (europa-)poliitsche Entwicklungen analysiert, bewertet und eingeordnet. Ein solches Heft ist eher für Fachleute geeignet.

Die Nummer 13-14/2014 vom 24. März 2014 beschäftigt sich mit dem Thema "Rassismus und Diskriminierung". Der Umfang beträgt auch hier 48 Seiten. Heiner Geißler, Imam Attia, Ruta Yemane, Juliane Karakayali, Vassilis S. Tsianos und Kien Nghi Ha sind einige der Fachautoren.

Auch dieses Heft werden sich an eine Fachöffentlichkeit, die mit der Materie vertraut ist. Die einzelnen Beiträge hier zu besprechen mach wenig Sinn - es würde einen Umfang annehmen, der den Rahmen dieser Berichterstattung sprengen, viel zu wenige Leser wirklich interessieren und einen fachlichen Tiefgang voraussetzen, der außerhalb der Fachöffentlichkeit nicht vorausgesetzt werden kann.

APuZ bietet sicherlich Qualität und theoretisches Rüstzeug. Wieviel davon in der täglichen Praxis nutzbar ist, kann ja jeder Leser selbst entscheiden.

Die Bundeszentrale für politische Bildung gibt auch ein eigenes "Magazin" heraus. Dessen Nummer 4 vom Oktober 2013 steht hier im Mittelpunkt. Der Umfang beträgt 50 Seiten. "Kultur gegen Gewalt" heißt das Titelthema. Aber auch Bereiche wie die Migration und Inklusion, also die stärkere Beteiligung Behinderter am öffentlichen Leben, kommt im größeren Umfang vor.

Das Magazin gehört zu den unbekannteren Veröffentlichungen der Bundeszentale. Die Beiträge sind zwar gut gemacht und die Themenauswahl entspricht dem Standard, wie er üblicherweise von der Bundeszentrale bearbeitet wird. Aber genau deswegen wird die Bundeszentrale auch zeigen müssen, ob ein solches Magazin wirklich nötig ist. Ober können die Inhalte auch anderweitig (z. B. über die Direktansprache von Journalisten) vermittelt werden?
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