Papa, Ehemann und Lebensretter für Leukämiekranke Italienerin: René Papenfuß aus Viersen

Der Vorstandsvorsitzende der Stefan-Morsch-Stiftung, Emil Morsch, ehrt den 5000. Stammzellspender der ältesten Stammzellspenderdatei Deutschlands: René Papenfuß aus Viersen.
 
Mit seiner Familie ist Stammzellspender René Papenfuß aus Viersen-Dülken nach Birkenfeld zur Entnahmestation der Stefan-Morsch-Stiftung gereist, um einer an Leukämie erkrankten Frau aus Italien vielleicht das Leben zu retten.
 
Bei der Typisierung werden nur wenige Milliliter Blut benötigt. Die Registrierung als Stammzellspender kann auch online über die Homepage der Stefan-Morsch-Stiftung erfolgen.
Birkenfeld: Stefan-Morsch-Stiftung |

In ein paar Tagen wird René Papenfuß im Standesamt Viersen-Dülken heiraten – die Frau, die vor vier Monaten den gemeinsamen Sohn Luca zur Welt gebracht hat. Bevor er jedoch sein Ja-Wort gibt, ist er mit seiner kleinen Familie ins rheinland-pfälzische Birkenfeld gereist. Der 27-Jährige will dort bei der ältesten Stammzellspenderdatei Deutschlands mit einer Stammzellspende einem wildfremden Menschen vielleicht das Leben retten. Von diesem Menschen weiß er nur so viel: Eine Frau aus Italien hat Leukämie und die gleichen genetischen Merkmale. Das heißt: Nur René Papenfuß kommt als Spender in Frage. Deshalb ist für ihn klar: „Da muss ich vor der Hochzeit noch ´was Gutes zu tun.“

René Papenfuß ist Kfz-Mechaniker im Fliegerhorst Büchel. Regelmäßig ist dort die Stefan-Morsch-Stiftung in der Kaserne, wenn die Soldaten zur Blutspende antreten. Die Stammzellspenderdatei klärt bundesweit Soldaten über die Chancen und Risiken der Stammzellspende auf und fragt, ob sich die Bundeswehrangehörigen als potenzielle Spender registrieren lassen wollen. „Das kann ja nicht verkehrt sein“, denkt sich René Papenfuß. Das war 2008.
Die Stefan-Morsch-Stiftung mit Sitz in Birkenfeld (Rheinland-Pfalz) bietet unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ seit fast 30 Jahren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Um sich als möglicher Lebensretter zu registrieren, ließ sich Papenfuß eine Blutprobe abnehmen. So viel wie in einen Fingerhut passt. Eine Sprecherin der Stiftung erklärt: „Das Blut wird in unserem hauseigenen Labor auf die transplantationsrelevanten Gewebemerkmale, die HLA-Werte, untersucht.“ Die Daten werden dann anonym im deutschen Zentralregister des ZKRD gespeichert. Dort laufen die Suchanfragen aus aller Welt auf. Gibt es eine Übereinstimmung mit den Daten eines Patienten, wird die entsprechende Stammzellspenderdatei informiert, die sich dann mit dem Spender in Verbindung setzt.
„Jetzt im Juli habe ich Post bekommen von der Stiftung, dass ich möglicherweise als Spender in Frage komme“, erzählt der junge Vater. Bevor er jedoch spenden durfte, wird der Soldat umfangreich aufgeklärt und genau untersucht. „Ich hatte natürlich die Frage: Wie läuft das ab?“, erzählt Papenfuß, der gleichzeitig mitten in den Hochzeitsvorbereitungen steckt. Die Voruntersuchungen dienen dazu herauszufinden, ob er wirklich der optimale Spender ist. Gleichzeitig soll ausgeschlossen werden, dass der Spender ein gesundheitliches Risiko eingeht. Die Mitarbeiter der Stiftung beraten und begleiten den Spender während dieser ganzen Vorbereitungsphase. Geld bekommen die Spender nicht, nur die Kosten für die Untersuchungen, die Versicherung, An- und Abreise zum Entnahmeort werden übernommen. „Ich war total gespannt, was auf mich zukommt. Aber mir wurde jede Frage sorgfältig beantwortet“, erzählt der Soldat, der in seiner Freizeit Fußball spielt und bei den Schützenbrüdern aktiv ist.
Dann begann die entscheidende Phase vor der Transplantation: Mit der Übertragung von Stammzellen bekommt die Patientin in Italien ein neues blutbildendes System. Die Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender einige Tage lang ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Die Nebenwirkungen – grippeähnliche Symptome – verschwinden mit der Entnahme wieder. In einer Entnahmestation werden dann die Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert bzw. zentrifugiert. Apherese heißt dieses Verfahren, das heute am häufigsten angewandt wird. Bei der klassischen Methode - der Knochenmarkspende – entnehmen die Mediziner Knochenmark aus dem Beckenknochen des Spenders – niemals aus dem Rückenmark.
Parallel zur Vorbereitung des Viersener Borussia Mönchengladbach-Fan wird in der behandelnden Transplantationsklinik die Patientin vorbereitet. Das bedeutet: Ihr Immunsystem wird stark unterdrückt oder sogar ausgelöscht – durch Bestrahlung oder/und Chemotherapie. Wenn sie sich jetzt mit einem Virus infiziert oder es aus irgendeinem Grund mit der Stammzellspende nicht klappt, ist ihr Leben massiv gefährdet. Emil Morsch, Vorstandsvorsitzender der Stefan-Morsch-Stiftung: „Eine Transplantation ist immer eine letzte Chance. Diese Chance hat sie nur durch René Papenfuß.“
Drei Tage vor seiner Hochzeit reist René Papenfuß nach Birkenfeld zur Apherese. Durch die Spritzen hat er leichte Kopf- und Rückenschmerzen. Der 27-Jährige und seine Frau lächeln ihren schlafenden Sohn an und erzählen während der Entnahme, dass ihre Freunde sich in der Zwischenzeit um die Vorbereitungen kümmern: „Das sind echte Freunde!“ Was er zu diesen Zeitpunkt nicht weiß: Er ist der 5000. Spender der Stefan-Morsch-Stiftung. Emil Morsch, der vor 30 Jahren die nach seinem Sohn benannte Stiftung gegründet hat, freut sich über das Engagement aller Spender, aber dass Papenfuß drei Tage vor der Hochzeit Stammzellen spendet, fasziniert ihn besonders: „Da kann man nur den Hut ziehen.“

Antworten auf die häufigsten Fragen rund um das Thema Stammzellspende:

Ab welchem Alter kann man sich typisieren lassen?
Jeder gesunde Erwachsene ab 18 Jahren kann sich als Stammzellspender registrieren lassen. Mit dem Einverständnis der Eltern kann man sich bereits ab 16 Jahren typisieren lassen. Die Eltern sollten dann die Einverständniserklärung mit unterschreiben.
Wo kann ich mich typisieren lassen?
Die aktuellen Termine der Stefan-Morsch-Stiftung - auch die in den verschiedensten Bundeswehrstandorten - stehen auf unserer Homepage (www.stefan-morsch-stiftung.de). Zudem gibt es die Möglichkeit sich auch Online registrieren zu lassen. Über die Rubrik "Informationen für Stammzellspender" auf der Homepage, kann man die Einverständniserklärung ausfüllen und sich ein Päckchen zuschicken lassen. In dem Päckchen ist das entsprechende Material, um sich bei seinem Hausarzt eine Blutprobe entnehmen zu lassen. Dieses Päckchen kann man dann an die Stefan-Morsch-Stiftung zurücksenden. Wir danken Ihnen schon jetzt für Ihr Interesse. Über unsere gebührenfreie Hotline (08 00 - 766 77 24) können Sie weitere Informationen einholen.
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient einen passenden Spender findet?
Die Wahrscheinlichkeit, für einen Patienten einen kompatiblen Stammzellspender zu finden liegt in der Größenordnung von 1 : 10.000 und 1 : 1.000.000 und ist abhängig von den Gewebemerkmalen (HLA-Merkmalen) des Patienten. Je genauer die Übereinstimmung zwischen den Merkmalen dieses DNA-Teilstückes des Spenders und denen des Patienten ist, umso größer sind die Erfolgsaussichten für eine Stammzelltransplantation.
Ich bin bereits typisiert. Soll ich nochmal?
Wer bereits typisiert ist, sollte sich nicht noch einmal registrieren lassen. Egal, wo er registriert ist, die Daten aller Stammzellspenderdateien stehen anonymisiert über das deutsche Zentralregister des ZKRD für weltweite Suchanfragen zur Verfügung. Wer mehrfach registriert ist, würde als Mehrfach-Treffer erscheinen und so zunächst den Eindruck erwecken, es gäbe mehrere Spender zu Auswahl. Letztendlich wäre das eine trügerische Hoffnung. Wer schon typisiert ist, sollte jedoch überlegen, ob die Spenderdatei noch die aktuellen Kontaktdaten hat.

Die Stefan-Morsch-Stiftung

Die Stefan-Morsch-Stiftung mit Sitz im rheinland-pfälzischen Birkenfeld ist die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ bietet die gemeinnützige Stiftung seit 1986 Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke – in jeder Frage. Leukämie - 11. 000 Mal pro Jahr wird allein in Deutschland diese Diagnose gestellt. Mal ist es ein berühmter Fußballer, mal die Frau eines Arbeitskollegen, mal der Sohn eines Vereinskameraden, mal der Bekannte eines Freundes – es könnte aber auch Ihr Kind, Ihre Frau, Sie selbst treffen.
Hilfe ist oft nur möglich, wenn es Menschen gibt, die sich freiwillig als Stammzellspender und damit als potenzieller Lebensretter für Patienten zur Verfügung stellen. Deshalb werben wir dafür, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen. Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich die Chance, für einen Patienten einen passenden Stammzellspender zu finden. Nur dann hat die Übertragung von Stammzellen den gewünschten Erfolg, bei Krankheiten, für die es ansonsten keine vergleichbaren Möglichkeiten der Heilung oder des Überlebens gibt. So vermitteln wir täglich Stammzell- oder Knochenmarkspender aus der Spenderdatei als Lebensretter für Patienten weltweit.
Die Stiftung ist Teil eines Netzwerkes, das Menschen über alle Grenzen hinweg das Leben rettet. So sind wir angeschlossen an das Zentrale Knochenmarkspender-Register für die Bundesrepublik Deutschland (ZKRD), in dem alle für die Suche nach einem passenden Spender relevanten Daten aus ganz Deutschland zusammenlaufen und damit weltweit zur Verfügung stehen.
Aufgrund der internationalen Zusammenarbeit kann es sein, dass ein deutscher Patient Stammzellen aus Kanada erhält, oder ein Stammzellspender in Deutschland für einen Erkrankten in Griechenland gefunden wird.
Zudem bringen Vertreter unserer Stiftung über die Stiftung Knochenmark- und Stammzellspende Deutschland (SKD), European Group of Blood an Marror Transplantation (EBMT) und World Marror Donor Association (WMDA) auf nationaler und internationaler Ebene ihre Erfahrungen ein, wenn Experten die neuesten Forschungsergebnisse diskutieren und das weltweite Netzwerk optimieren.
Darüber hinaus hat sich die Stefan-Morsch-Stiftung zum Ziel gesetzt, Patienten und ihren Angehörigen zur Seite zu stehen. Wir helfen bei der Vermittlung von Kliniken oder Ärzten, beraten aber auch den Patienten nach der Transplantation. Die Stiftung gibt im Notfall finanzielle Hilfen. So können ungedeckte Kosten des Patienten, die durch eine Leukämie-Erkrankung entstanden sind und zu einer wirtschaftlichen Notlage geführt haben, übernommen werden.
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