Ein riesiges Industriedenkmal - der liegende Eiffelturm

TAKRAF steht für Tagebau-Ausrüstungen, Krane und Förderanlagen
   
Das Gesamtgewicht von wird auf 750 Achsen mit einer Last von je bis zu 18t verteilt.
Lichterfeld-Schacksdorf: Bergheider Straße | Kohleförderung und -verbrennung war ein wichtiger Baustein in der Industrialisierung - eine notwendige Phase der Modernisierung (Fuller, s. u.).
Nun aber gibt es bessere Art der Stromerzeugung (Bild 8) und nun soll und muss die Kohle im Boden bleiben - aus folgenden Gründen:
Der wichtigste: Kohle bildet beim Verbrennen Kohlendioxid; dies ist die Hauptursache für die globale Klimaerwärmung.
Für die Kohleförderung mussten und müssen viele Dörfer sowie die umliegenden Agrarflächen und Wälder aufgegeben werden.
Die Verwitterungsprodukte der Abbaugruben verursachen Probleme für Flüsse und Trinkwassergewinnung.

Dieses Industriedenkmal befindet sich in der Niederlausitz, im südlichen Brandenburg an der Grenze zu Sachsen. Es war das größte fördertechnische, fahrbare Arbeitsgerät der Welt.

'Schon 1870 begann zwischen Finsterwalde und Lauchhammer das Zeitalter der Industrialisierung und des Bergbaus. Zu DDR-Zeiten wurde dann im Tagebau Klettwitz mit dem Braunkohleabbau im ganz großen Stil begonnen. Aus allen Teilen der jungen DDR zogen Menschen in die Region. Rund 10.000 Menschen fanden durch die Braunkohle rund um Klettwitz Arbeit und Tausende fanden hier eine neue Heimat – aber gleichzeitig verloren über 4000 Menschen ihre Heimat durch »Ortsinanspruchnahme«, wie das Abbaggern von Dörfern genannt wurde. Noch kurz vor der Wende 1989/90 verlor Lichterfeld einen Großteil seines Gemeindegebiets, der Ortsteil Bergheide existiert heute nicht mehr.
... Am Ende kam eine gigantische, über 500 Meter lange Förderbrücke vom Typ F60 in Richtung Lichterfeld zum Einsatz, die bis zu 60 Meter Abraum über der Kohle verkippte – daher der Name F60. Entwickelt und gebaut wurde sie vom damaligen VEB TAKRAF Lauchhammer und war die letzte Brücke, die in der DDR gebaut wurde. Obwohl schon im Zuge der politischen Wende 1990 der Beschluss für das Ende des Tagebaus gefallen war, nahm die F60 1991 noch übergangsweise den Betrieb auf – und wurde bereits 13 Monate später wieder stillgelegt. Da lag Lichterfeld schon unmittelbar am Rand des Tagebaus.

Den Tagebau übernahm 1994, wie auch die meisten anderen Tagebaue der Region, der bundeseigene Bergbausanierer LMBV. »Sanierung« bedeutete nicht zuletzt: Beseitigung der Bergbaugeräte. Auch die F60 sollte gesprengt werden. ...
Aus heutiger Sicht war es außerdem ein glücklicher Zufall, dass genau zu dieser Zeit die Landesregierung beschlossen hatte, eine Internationale Bauausstellung in der Lausitz zu unterstützen. So gab es einen gewissen Druck, möglichst schnell vorzeigbare Erfolge präsentieren zu können. ... Mit Gründung des Fördervereins F60 im Frühjahr 2001 bekam die erforderliche Betreiberstruktur schnell Konturen. Zahlreiche Umbauten und Sicherungsmaßnahmen seitens der LMBV ermöglichten, dass die Brücke schließlich im Mai 2002 ihrer neuen Bestimmung als Besucherbergwerk übergeben und von der Gemeinde Lichterfeld-Schacksdorf in eigener Regie übernommen werden konnte.
... IBA-Geschäftsführer Prof. Rolf Kuhn verglich 1998 in einem Zeitungsinterview die F60 mit dem Pariser Wahrzeichen, das ursprünglich nur für die Dauer der Weltausstellung 1889 errichtet worden war, dann aber stehen blieb und zur Touristenattraktion wurde; so könne auch die F60 Wahrzeichen und Besuchermagnet der Lausitz werden.
...Im Sommer finden vor der beeindruckenden Kulisse vielfältige Kulturveranstaltungen statt vom Rockfestival über das Techno-Spektakel bis zur Opernaufführung. Bis 2010 haben bereits weit über ein halbe Millionen Menschen die F60 besucht – ein Erfolg über den sich alle Beteiligten gemeinsam freuen dürfen.
In kurzer Zeit wurden rund 20 Arbeitsplätze und zwei Ausbildungsplätze geschaffen. Junge Lausitzer werden nun am alten Bergbaugerät zu Freizeit- und Tourismuskaufleuten ausgebildet.
AUSBLICK
Der Bebauungsplan von 2009 bezieht auch den 330 Hektar großen Bergheider See mit ein, der seit Flutungsbeginn 2001 im früheren Tagebau entsteht und nach dem früheren Ort Bergheide benannt wurde. Der Plan sieht Badestrände, Bootsanleger, Ferienwohnungen und einen Campingplatz vor – und sogar ein schwimmendes Erlebnis- und Eventzentrum. ... Steht das Besucherbergwerk F60 derzeit noch alleine inmitten einer unwirklichen Mondlandschaft, wird es in wenigen Jahren nur eine – wenn auch in jeder Hinsicht besonders große – Attraktion von mehreren sein, die Einwohner und Touristen am Bergheider See vorfinden. Die F60 wird dann die einzigartige Kulisse für einen lebhaften Urlaubsstandort bilden, zu dessen innovativen Besonderheiten auch seine energetische Autarkie gehören wird: Der Standort, der aus einer zerstörten Bergbaulandschaft entstanden ist, wird sich aus regenerativen Energiequellen überwiegend selbst versorgen.'
http://www.iba-see2010.de/de/projekte/projekt3

Dieses Industriedenkmal hat auch eine facebook-Seite, auf der viele Bilder und auch Filme zu sehen sind:
https://www.facebook.com/F60.Lichterfeld

Stephan Rammler zitiert in seinem Buch "Schubumkehr" Buckminster Fuller in dessen Essay „Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde“: "Die Erde ... sei ein Raumschiff und die fossile Energie gleichsam das Geschenk einer der Menschheit mitgegebenen 'Anlasserbatterie' für das Raumschiff. Diesen kostbaren Schatz gelte es sorgsam einzusetzen, um auf einem zivilisatorisch wie technologisch hochentwickelten Niveau den eigentlichen Motor des Schiffs in Schwung zu bringen und dann dauerhaft mit diesem zu fliegen. Als Hauptmotor kam für Fuller nur die Nutzung regenerativer, also letztlich solarer Energie in Frage, mit der das Schiff von seiner Sonne dauerhaft bestrahlt wird. ... um ein Niveau von gesellschaftlicher Klugheit zu erreichen und ein Set an wissenschaftlichen, technologischen und ökonomischen Handlungsoptionen zu entwickeln, die nötig sind, um in einem nächsten großen zivilisatorischen Schritt mit Hilfe regenerativer Energie ein hohes Maß an individueller wie gesellschaftlicher Wohlfahrt und Lebensqualität mit einem dauerhaften und globalen ökosystemischen Gleichgewichtszustand zu verknüpfen."
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 11.09.2016 | 04:52  
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Werner Szramka aus Lehrte | 11.09.2016 | 16:15  
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Jost Kremmler aus Potsdam | 11.09.2016 | 19:57  
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