"Der Prinz und die Fee" Ein fast wahres Märchen

Hier ist das versprochene Märchen.
Viel Spaß beim Lesen oder Vorlesen.

Der Prinz und die Fee

Tief im Wald wo nur Zauberer, Elfen und Feen wohnten, stand eine kleine Hütte. Sie war mit Efeu umwachsen, so dass niemand sie sah.
Zwei große Tannen beugten sich schwer über den Eingang der Hütte. Unter den Tannen breitete sich ein Fliederbaum aus. Er war sehr vertrocknet, hatte aber starke Äste, als wollte er die beiden großen Tannen stützen.
Neben der Eingangstür stand eine alte Holzbank. Zusammengekauert, saß dort eine Fee, Namens Kaja. Sie war nicht mehr jung, aber doch noch sehr ansehnlich für ihr Alter. Traurig schaute sie in den Himmel. Eine kleine Träne kullerte über das noch immer schöne Gesicht. Ihre Augen, die einmal wie zwei Sterne glitzerten, zeichneten das Leid ihres Lebens wieder. Plötzlich zog sich ein kleines Lächeln über ihren Mund. Eine Wolkenkutsche raste wie eine Sternschnuppe durch den blauen Himmel. Aus der Kutsche beugte sich ein Prinz und er ließ aus seiner Hand viele tausend Sterne über ihr Haus fallen. Es leuchtete als wäre alles aus Gold. Die Fee wischte sich die Tränen aus den Augen und winkte dem Prinzen zu. Schnell holte sie einen kleinen Stoffbeutel aus ihrer Tasche und fing einige Glitzersterne damit auf. Als der letzte Stern im Beutel war, verbarg sie ihn, hinter einen großen Stein am alten Brunnen.



Erleichtert setzte sie sich wieder auf die Bank. Sie öffnete ihre Hand und dort lag ein kleiner Stern, er glitzerte und funkelte, sie lehnte sich zurück und schloss die Augen. Kaja drückte den Stern gegen ihre Brust. Im selben Augenblick wurde es ringsherum warm und der Fliederbaum erblühte. Der Stern verschwand in ihrer Brust und die
Fee atmete erleichtert auf. Er gab ihr die Kraft, eine Weile weiter zu leben und mit ihrem Schicksal fertig zu werden.



Vor eigenen Jahren war sie noch eine wunderschöne Fee. Alle Elfen- und Feenprinzen warben um ihre Gunst. Sie aber wartete auf Einen, der sie wahrhaftig und ehrlich liebte. Die meisten waren überheblich, eingebildet und liebten nur sich, oder Geld. Sie sehnte sich nach einer großen und erfüllten Liebe. Ihre Eltern machten sich Sorgen, denn alle Feen in ihrem Alter hatten schon einen Prinzen. Nur die kleine Kaja, war immer noch allein. In ihrem Zimmer weinte sie oft bittere Tränen. Auch sie hatte Sehnsucht nach einem Traummann, der sie liebte und in seine starken Arme schloss.

Eines Tages träumte sie, dass sie über die Blumenwiese, vor ihrem Haus spazieren ging und an einem alten Brunnen verharrte. Kaja setzte sich auf den Rand des runden Mauerwerkes und schaute in das Wasser. Es war so dunkel, aber manchmal glitzerte es, als wäre das Wasser aus Gold. Mit ihrer Hand griff sie ins Wasser. Plötzlich wurde ihr ganz warm und sie hörte eine Glocke. Jedes Mal wenn diese schlug, war es, als würde jemand ihre Hand streicheln. Sie erschrak und zog die Hand aus dem Wasser.
Da erklang eine Stimme: „Fürchte dich nicht.“
Die Fee starrte mit weit aufgerissenen Augen auf das Wasser, doch sie erwachte und der Traum war zu Ende.
In den nächsten Nächten träumte sie wieder das Gleiche und immer wenn sie die Worte vernahm und auf das Wasser starrte, wachte sie auf. Doch in einer Nacht aber, war es etwas anders.
Die Stimme sagte: „Komm zu mir, wenn es dunkel ist, dann können wir uns unterhalten“, aber sie wurde gleich darauf wieder wach. Sie lag mit offenen Augen in ihrem Bett und überlegte, was der Traum wohl zu bedeuten hatte. Aber es gelang ihr nicht. Am Frühstückstisch, war sie in Gedanken versunken, als sie die Worte ihres Vaters vernahm. Er redete über einen Brunnen, der verwunschen sein soll. Sie war hellwach und fragte nach, was es denn mit diesem auf sich hat. Die Mutter winkte ab und sagte, es wäre nur ein böses Märchen, was sich die Leute im Dorf erzählten. Kaja aber ließ nicht locker und bat ihre Eltern, ihr davon zu erzählen.


Der Feenvater erzählte, ein Prinz, Namens Daniel, war mit seinem Gefolge auf der Jagd, als sie auf diesem besagten Brunnen stießen. Das Wasser war glasklar. Die Jagdgesellschaft wollte dort eine Rast einlegen, etwas ausruhen und ihren Durst löschen. Der junge Haudegen aber, trieb zur Eile. Er nahm keine Rücksicht auf seine Leute, die alle sehr müde und durstig waren. Daniel dachte immer nur an sich, wollte nur kurz von dem frischen Wasser kosten und die Meute weiter durch den Wald hetzen. Als er sich zum trinken über den Brunnenrand lehnte, zog ihn eine unsichtbare Kraft in das Wasser. Eine schwarze Brühe schwappte über seinen Kopf zusammen und zog ihn hinunter, in den dunklen Abgrund. Entsetzt starrte die Jagdgesellschaft auf die, jetzt dunkel gefärbte Flüssigkeit.
Da ertönte eine tiefe, schauerliche Stimme: „Wer immer nur an sich denkt, muss im tiefen Brunnengrund verharren, bis eines Tages eine schöne Fee kommt, die bereit ist, ihn zu erlösen. Aber nur wenn sie ihn liebt und bereit ist, ihm ihre Jugend zu schenken.“
„Wenn auch er die Liebe spürt, werde sie sich kurz sehen können“. Eine Totenstille trat ein. Alle waren zutiefst erschrocken, verließen diesen Ort und wurden nie wieder gesehen.



„Oh je“, Kaja erschrak und schluchzte. „Der arme Prinz“.
„Ja, genau so soll es gewesen sein“, sagte der Feenvater und schaute in das entsetzte Gesicht seiner Tochter.
„Jetzt hast du das Kind völlig verstört“, schimpfte die Mutter.
„Nein, nein macht euch man keine Sorgen“, sagte die kleine Fee Kaja und lief in ihr Zimmer. Sie legte sich auf ihr Bett und dachte über die Worte ihres Vaters nach. „Sollte das vielleicht etwas mit ihrem Traum zu tun haben? Wo war eigentlich der Brunnen? Sie musste ihn finden.“


Am nächsten Tag, im Morgengrauen, als alle noch schliefen, machte sie sich auf den Weg. Die Unglückliche war schon den ganzen Tag unterwegs, als ihr am Feldrain ein alter Mann begegnete. Er hatte einen langen Bart, stützte sich auf einen Wanderstock und versuchte einen alten lumpigen Beutel zu öffnen.
„Kann ich dir vielleicht helfen?“, fragte die Fee. Doch da fiel der Beutel, des alten Mannes auf den Boden und riss auseinander. Der Mann starrte erschrocken auf den leeren Inhalt, setzte sich auf einen Stein und weinte.
„Was ist mit dir?“, fragte die Fee wieder.
„Ich hatte meinen letzten Brotkanten im Beutel, aber er muss mir heraus gerutscht sein und jetzt hab ich nichts mehr zu essen.“ Die gute Kaja holte ein Tuch aus ihrer Tasche, wo sie sich für den Weg ein Stück Kuchen eingewickelt hatte und reichte ihm den Alten.
„Hier iss, ich brauche ihn nicht, hab genug heute früh gegessen.“
Der Alte freute sich und aß den Kuchen. Als er gesättigt war, fragte er die kleine Fee wohin denn ihr Weg führt. Sie erzählte ihm von den verwunschenen Brunnen.
Der Alte schaute ihr entsetzt ins Gesicht und meinte: „So ein warmherziges Mädchen sollte lieber nicht nach solch einen Brunnen suchen.
Die Fee Kaja, aber flehte ihn solange an bis der Alte sagte: „Ich kenne den Brunnen und werde dir den richtigen Weg weisen. Du bist sicher die Auserwählte, aber bedenke es wird dein Leben zerstören.“
Kaja aber bettelte weiter und so erfuhr sie, dass der Brunnen nicht weit von ihrem Elternhaus, mitten im Tannenwald auf einer Lichtung stand. Sie bedankte sich, gab den Alten ihre Goldkette, die sie von ihrer Großmutter bekommen hatte.
„Verkaufe sie und du kannst davon sehr lange leben“, sagte sie noch und lief eilig davon.
„Nein, nein, nicht diese Kette“, rief der Alte noch hinterher, aber da war sie schon verschwunden.



Traurig und mit schweren Schritten ging der Alte seinen Weg. Die Kleine rennt in ihr Unglück, jammerte er und Tränen liefen ihm über sein altes, zerknittertes Gesicht.
Kaja lief und suchte, bis sie den Brunnen gefunden hatte. Von ihrem Schloss aus war es wirklich nicht weit. Ein zugewachsener Weg führte zu dem gesuchten Bauwerk. Es hatte schon sehr lange niemand mehr diesen Ort betreten.
Vorsichtig ging sie bis zum Brunnenrand und setzte sich auf diesen. Sie dachte an ihren Traum. Das Wasser war wirklich tiefschwarz, aber es glitzerte nicht. Sie beugte sich langsam vor und strich sanft mit den Fingerspitzen über das Wasser. Nichts passierte, das Wasser war eiskalt. Stundenlang saß sie so am Brunnen. Erschöpft und müde ging sie nach Hause. Tag für Tag ging sie jetzt an diesen Platz, aber es passierte nichts.



Die Zeit verging und ihre Eltern pochten auf eine Hochzeit. Seit Wochen hatten sie Besuch von einem jungen Prinzen. Er hatte es auf die Fee abgesehen. Was sie nicht wussten, er wollte die Kaja nur heiraten, um in die Feengemeinschaft zu kommen. Es war die Angesehenste weit und breit. Diese kam ihm dabei gerade recht. War sie doch das lieblichste Wesen im ganzen Land. Er aber nahm es mit der Treue nicht so genau. Die schöne Jungfrau aber, war so niedergeschlagen, weil sie nur an ihrem Brunnen saß und die Welt um sich herum vergessen hatte. Sie fügte sich ihrem Schicksal und dachte den Eltern einen Gefallen zu tun, wenn sie den Prinzen ehelichte. Gab es doch für sie keinen anderen Ausweg mehr, jemals den Prinz Daniel zu finden.




So heiratete sie, an einem stürmischen Tag, den Lotria, den ihre Eltern als Ehemann an ihre Seite sehen wollten. Das steht unter keinem guten Stern, flüsterten einige Gäste und schauten dem Brautpaar mit gemischten Gefühlen hinterher. Die Fee schien alles über sich ergehen zu lassen. Auch nach der Hochzeit bemerkte sie ihn nicht an ihrer Seite. Er vergnügte sich mit anderen Feen und Prinzessinnen und war er mal zu Hause, behandelte er Kaja sehr schlecht und sperrte sie ein. lachte und machte sich lustig über seine Gemahlin.
Ihre Eltern merkten nichts und waren glücklich. Die kleine Fee sagte auch nichts, um sie nicht traurig zu machen.
Doch jede Nacht schaffte sie es, sich aus dem Haus zu schleichen, um zum Brunnen zu gegen. Hier war sie glücklich, aber warum es so war, wusste sie nicht. Wenn sie dann nach Hause kam, konnte sie nicht mehr einschlafen und grübelte. Endlich fiel sie in einen unruhigen Schlaf und träumte, sie lief durch den Wald, die Tannen zerkratzten ihr die Arme, der Wind war eiskalt und Regen peitschte ihr ins Gesicht.
Da hörte sie eine Stimme. „Komm wenn es dunkel ist, dann können wir uns unterhalten, warte bis das Wasser glitzert, dann rufe dreimal meinen Namen.“
Abrupt erwachte sie aus ihrem Traum und zitterte noch am ganzen Körper. Diese Stimme, sie erinnerte sich wieder, diese hatte sie schon einmal gehört. Sie kam aus den Brunnen. Damals, ihre immer wieder kehrenden Träume. Ja, das war genau die Selbe.



Die Turmuhr schlug gerade Mitternacht, als sich Kaja auf den Weg machte. Es war stockdunkel. Ein Käuzchen schrie und überall knisterte und knackte es. Sie hatte keine Angst. Tapfer ging sie durch den dunklen Wald. Sie kam an die Lichtung und sah schemenhaft den Brunnen. Endlich, dachte sie und setzte sich auf den kalten Rand. Oh, staunte sie. Das Wasser spiegelte sich wie Gold in ihren schönen Augen. Es glitzerte und funkelte. Vorsichtig tauchte sie ihre Hand in das feuchte Nass. Im selben Augenblick fuhr eine wohlige Wärme durch ihren ganzen Körper und jemand schien ihre Hand zu streicheln. Es war wunderschön und so verharrte sie eine ganze Weile. Sie dachte an die Worte.
Leise flüsterte sie: „Daniel, Prinz Daniel, hallo Daniel bist du da?“ Wieder strich ihr etwas über die Hand.
„Hallo du Verwunschener“, antworte mir.
„Ja ich bin hier, erklang es aus der Tiefe.“ Das Wasser schien sich leicht zu bewegen und eine Glocke schlug leise.
„Ich bin es, Kaja“, sagte die Fee, „lange hab ich nach dir gesucht und endlich hab ich dich gefunden.“
Die ganze Nacht redeten sie miteinander. Das schöne Mädchen war glücklich. Jede Nacht machte sich die Fee auf den Weg um bei ihren Prinzen zu sein. Eines Tages erzählte er ihr, dass eine undurchsichtige Glaswand sie trennte, aber, dass starke Gefühle sie durchbrechen könnten und man kann es dann auch spüren. Ja, sie fühlten füreinander, aber es war ihnen noch nicht bewusst. Nur sehen konnten sie sich nicht.



Die Fee Kaja blühte auf und ward wunderschön und lieblich. Ihre Eltern freuten sich über ihr Kind und dachten es war ihre Ehe mit dem unehrlichen Prinzen, die ihr so gut tat. Der Lebemann aber trieb sich weiter im Land herum, verschwendete das Geld der Fee und kümmerte sich nicht um seine Frau.
Eines Nachts, als Kaja wie immer, mit ihrer Hand das Wasser streichelte, wurde es plötzlich ganz klar und sie erblickte ein Gesicht im Wasser. Es war ein wunderschöner Jüngling. Er lächelte und aus seinen Augen kam ihr die ganze Liebe zugeflogen.
„Daniel, flüsterte sie, ich kann dich sehen.“ Es blieb still.
Doch dann antwortete er: „Ich sehe dich auch Kaja. Was bist du für eine wunderschöne Fee.“ Sie konnte nichts mehr sagen ihre Stimme zitterte und bebte, als sie reden wollte, war das Wasser plötzlich wieder schwarz und undurchsichtig. Von diesem Tag wuchs ihre Liebe füreinander, aber nie wieder konnten sie sich sehen. Nacht für Nacht saß sie bei ihm am Brunnen und sie tauschten sich leidenschaftliche Worte aus. Die Sehnsucht wurde größer und größer, aber es änderte sich nichts an ihrer misslichen Lage.



So verging ein Jahr. Eines Tages sagte die Fee Kaja zu ihren Vater, dass sie einen Wunsch hätte. Sie würde sehr gern ein kleines eigenes Haus haben. Der Vater konnte seiner Tochter keinen Wunsch abschlagen und ließ ein kleines Haus, direkt neben den Brunnen bauen. Er hatte schon gemerkt, dass in der Ehe etwas nicht in Ordnung war, auch das Gesinde redete darüber. Ihren Ehemann war es egal, er war kaum noch zu Hause. Endlich konnte die Fee jede Nacht bei ihrem Prinzen sein und musste nicht mehr durch den Wald laufen. Leider wurde es nicht besser, denn die Sehnsucht einander zu sehen und sich in die Arme zu nehmen wuchs ins Unendliche. Wie oft weinte sie und viele Tränen waren schon in das Brunnenwasser gefallen.


Voller Sehnsucht nach ihren Lieblingsprinz wusste sich die Fee nicht mehr zu helfen und wollte den alten Mann suchen, der ihr den Weg zum Brunnen gezeigt hatte. Tagelang irrte sie durch den Wald. Erschöpft ließ sie sich am Wegrand nieder und weinte. Sie dachte an ihren Geliebten und wollte schon zurück, als sie an einer Eiche einen Zwerg erblickte.
Der schaute sie mitleidig an und sagte, „Ich weiß was du suchst. Der alte Mann ist nicht mehr hier, er musste nach seiner Familie um seiner kranken Frau zu helfen. Weil du ihm so großzügig geholfen hast, hat er mich damit beauftragt, falls du eines Tages kommst, da du die Auserwählte bist, dir die Lösung des Geheimnisses anzuvertrauen. Obwohl er nicht dein Unglück will und für dich gehofft hat, wusste er dass du kommen würdest.“
Der kleine Mann sprach weiter: „In einer Gewitternacht, punkt zwölf Uhr, musst du beide Handflächen auf das Wasser legen und die Worte sprechen, -Ich will dich erlösen und dir meine Jugend schenken, komm zu mir.- Wenn es blitzt und du einen Stern in der Hand hast, dann halte ihn ganz fest und drücke ihn an deine Brust. Doch du sollst auch erfahren, der Prinz weiß nicht, dass du ihm deine Jugend geben musst, für seine Erlösung. Er hat dich nur einmal kurz gesehen, so wie du jetzt bist. Bedenke diesen Schritt gut.“
Sie bedankte sich und mit schweren Schritten machte sie sich auf den Heimweg. Endlich würde sie ihn in ihre Arme schließen können. Aber würde er sie noch lieben, so wie er es ihr immer gesagt hatte, ohne ihre Jugend. Sie war eine gute Fee und wollte ihn erlösen. Auch wenn sie nur einmal kurz seine Nähe spüren, seine Worte an ihrem Ohr hören und ihn fühlen durfte. Dafür war sie bereit. War er auch dazu bereit. Er hat sich doch auch gesehnt, ihre Worte in sich aufgenommen, gefleht sie zu sehen. Er hat ihre starken Gefühle kennen gelernt und gespürt. Würde er auch im Stande sein, sie, denselben Menschen zu lieben, nur ohne Jugend. Er wusste es ja nicht. Egal, sie hat bis jetzt auf Liebe verzichten müssen, für diesen kurzen Augenblick in seine Arme würde sie ihm die Freiheit schenken.

Einige Tage waren vergangen, da zog ein starkes Unwetter auf. Es donnerte und blitzte, als wollte die Welt untergehen. Es war kurz vor Mitternacht und Kaja saß zitternd am Brunnenrand. Sie wusste was sie heute tun musste. Denn wenn der neue Tag anbricht, sollte Alles stimmen und ohne Sorgen sein.
Sie legte beide Handflächen auf die Wasseroberfläche. Das Wasser schien zu brodeln. Es schlug Zwölf. Ein starker Blitz fuhr durch die Nacht und schien alles in einen grellen Schein zu färben. Sie sprach die Worte und plötzlich hielt sie einen warmen Stern in ihre Hände. Den drückte sie an ihr Herz. Die Zeit schien stillzustehen. Eine unheimliche Ruhe lag in der Luft. Plötzlich spürte sie zwei starke Arme die sie festhielten und eine Stimme flüsterte, Fee, Fee immer wieder Fee. Mein Prinz, sagte sie mit Tränen in den Augen. Sie hatte das Gefühl, ihr Herz würde aus der Brust springen. Sie küssten sich sanft und zärtlich. Dann schaute er sie an. Sein Blick wurde starr. Er schob sie mit solcher Wucht von sich, dass sie stolperte.
„Wer bist du?“ „Ich bin Fee, antwortete sie verstört.“ „Du bist nicht Fee. Sie ist jung und schön.“
„Ich bin deine Fee“, sagte sie flehend. Aus meinem Mund hörtest du die Worte, die du so sehr mochtest: „Ich liebe dich.“
„Nein schrie er“, drehte sich um und lief davon. „Fee, Fee wo bist du?“, hörte sie noch lange sein Rufen, doch irgendwann verstummten auch diese Schreie.



Langsam, kaum fähig noch zu laufen, ging sie ins Haus. Vor den großen Spiegel blieb sie stehen. Eine Frau schaute sie an, die sie nicht kannte. Plötzlich wusste sie wer diese Frau war. „Das bin ich, schluchzte sie.“ Weinend brach sie zusammen. Nein sie war nicht hässlich, aber viel älter. Wochen vergingen. Ihre Träume und Wünsche mussten nun sterben. Wie eine zarte Blume im Eis, es war alles erfroren. Nur die Erinnerung ist das einzige Paradies das sie noch hatte. Selbst ihre Eltern haben sie nicht wieder erkannt und suchten in der ganzen Welt nach ihrer Tochter.
Oft saß die Fee Kaja am Brunnenrand und starrte in das Wasser. Ihr schlug eine unheimliche Kälte entgegen. Ihre Augen waren leer geweint. Für einen kurzen Augenblick nur durfte sie glücklich sein.
„Warum, was hab ich getan?“, flüsterte sie. „Hätte ich ihn doch hier gelassen, bei mir, dann wäre ich glücklich und könnte mich jede Nacht mit ihm unterhalten.“



Eines Tages klopfte es an ihrer Tür. Sie öffnete. Es war der alte Mann, der ihr damals den Weg gezeigt hatte. Traurig schaute er ihr ins Gesicht.
„War es das wert?“, fragte er.
Sie nickte und sagte, „Ja das war es“, ich muss jetzt damit weiter leben.
„Warum bist du hier alter Mann?“, fragte sie.
„Ich bringe dir deine Kette wieder“, antwortete er.
„Wieso“, ich hab sie dir geschenkt.
„Nein“ dieses Geschenk, konnte ich nie als das Meine ansehen. Ich kannte deine Großmutter und wusste vom Wert dieser Kette. Sie sollte dich beschützen und Glück bringen. Jetzt kannst du sie brauchen“. Er lächelte.
„Weiß du wo der Prinz ist“, fragte sie. „Ja“, sagte er und setzte sich an den Tisch.
„Lange hat er seine Fee gesucht aber nie gefunden“.
Er redete weiter.
Vor vielleicht drei Wochen, klopfte er auch an meine Tür und fragte nach einer schönen Fee. Ich bat ihn herein und erzählte ihm die ganze Wahrheit. Er hat bitter geweint und gesagte: “Ich liebe nun mal die junge Fee.“
Der Alte meinte: „Aber ihre Augen und ihre Worte, die du in dir aufgenommen hast, sind doch die von der Fee, die vor dir stand, auch die zärtliche Umarmung und der Kuss, die Sehnsucht, die du gespürt hast. Was spielt das Alter für eine Rolle, wenn du die wahre Liebe gespürt hast? Geh zu ihr und lebt euer Glück, solange es geht. Sie wartet auf dich, jetzt hilf du ihr.“
„Ich kann nicht, antwortete er, aber ich werde versuchen ihr zu helfen.“ Dann ist er gegangen und hat noch gesagt, auf dieser Erde werde ich meine Fee nie wieder finden.
Tagelang hab ich ihn noch gesehen, wie er am Fluss saß und ins Wasser starrte. Dann kam eine Wolkenkutsche. Der Prinz kletterte hinein und er ward verschwunden. Eines Tages jedoch traf ich den Zwerg im Wald. Er erzählte mir, dass der Prinz im Wolkenschloss wohnte, aber immer noch allein war. Dieser hatte ihn besucht. Sie haben über dich gesprochen Kaja. Der Prinz sagte, er hätte dich gesehen, als er eines Tages mit der Wolkenkutsche über dein Haus geflogen ist. Du hast vor deinem Haus auf der Bank gesessen und sahst sehr traurig aus. Das tat ihm sehr weh. Er kann dir nicht die Sonne schenken, aber ab und an einmal einige Lebenssterne über dein Haus werfen, damit du nicht so sehr unglücklich bist und das Leben etwas erträglicher wird. Er meinte, du sollst sie fest an dein Herz drücken, dann bist du nicht mehr so traurig. Dann verabschiedete sich der Alte und ging.



Einige Tage später, als die Fee Kaja, auf der Bank saß und in den Himmel schaute, geschah es das der Prinz mit seiner Wolkenkutsche kam und Lebenssterne über ihr Haus streute. So ging es nun schon eine ganze Zeit lang.
Eines Nachts hatte sie wieder einen sonderbaren Traum. Ihre Großmutter stand vor ihr und sagte: „Gib mir bitte die Kette“.
Sie reichte ihr die Kette und dann wachte sie auf. Von diesem Tag an war die Kette wirklich verschwunden. Ich hab sie sicher irgendwo verloren, dachte die Fee.
Doch dann geschah es, dass die Kutsche des Prinzen, vor dem Haus hielt. Der Prinz stieg aus, ging zum Brunnen und setzte sich auf den Rand. Die Fee Kaja erstarrte und fasste nach ihrem Herz. Langsam näherte sie sich dem Brunnen und setzte sich neben ihn. Lange Zeit schwiegen beide. Dann fasste der Prinz Daniel beide Hände seiner Erlöserin und schaute in ihre Augen. Gestern Nacht war eine alte Frau bei mir und überreichte mir diese Kette.
Sie sagte: „Bitte bring sie deiner Fee.“ Als sie mir die Kette in die Hand legte, wurde mir ganz warm ums Herz und ich hatte große Sehnsucht nach dir.
Aus Kajas Mund kam ein kleiner Schrei: „ Das ist meine Kette!“

Fee, meine liebes Feechen, ich möchte das du mit mir kommst, in mein Wolkenschloss. Der Prinz Daniel nahm seine Fee auf den Arm und trug sie in die Wolkenkutsche.
„Daniel was tust du, ich bin doch viel zu alt für dich“, rief sie entsetzt. Der Prinz verschloss ihren Mund mit einem langen Kuss. Die Fee schmiegte sich an ihn. Tränen kullerten aus ihren Augen, sie konnte jetzt nichts mehr sagen. In der Kutsche legte er ihr die goldene Kette um den Hals. Plötzlich wurde es ganz hell und viele Sterne fielen vom Himmel und hüllten die Kutsche ein.
Dann geschah das Wunder und eine dunkle Stimme flüsterte: „ Du hast sie geliebt wie sie jetzt ist und darum soll sie ihre Jugend zurückbekommen!“
Daniel starrte seine Fee fassungslos an. Sie war wieder die junge Fee, in die er sich verliebt hat. Sie fielen sich beide in die Arme und weinten vor Glück. Meine Feenprinzessin flüsterte der Prinz. Jetzt fahren wir ins Märchenland und du wohnst mit mir im Wolkenschloss. Sie bekamen viele kleine Feen und Prinzen und lebten glücklich und zufrieden und wenn sie mit ihrer Wolkenkutsche durch den Himmel flogen, streuten sie überall dort Sterne wo es unglückliche Menschen gab.

Karin Lehmann


Veröffentlicht in dem Buch "Die verhexte Märchenwelt"
Engelsdorfer Verlag
ISBN: 978-3-86268-140-2
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6 Kommentare
19.081
Elke Backert aus Hamburg | 11.12.2014 | 17:28  
1.827
Karin Wagner-Lehmann aus Rockenhausen | 11.12.2014 | 17:50  
57.378
Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 11.12.2014 | 18:01  
1.827
Karin Wagner-Lehmann aus Rockenhausen | 11.12.2014 | 18:03  
6.722
Rita Schwarze aus Erfurt | 12.12.2014 | 08:27  
1.827
Karin Wagner-Lehmann aus Rockenhausen | 12.12.2014 | 08:31  
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