Die Welt will betrogen werden

Ligurio und Calfuccio

Extemporé spielt Macchiavelli mit unbändiger Freude


Beim Namen Macchiavelli denkt man alles mögliche, nur nicht an Vergnügen. Dabei hat der Florentiner Philosoph gleich drei Komödien geschrieben. Eine davon spielt der Theaterverein in diesem Sommer mit großer Freude und prominenter Besetzung in der Traditionsbrennerei in Nordhausen. La Mandragola, der Liebesrtrank, ist dabei eine Inszenierung, die mit viel Witz, Hintersinn und Grimassen schneiden auch heute noch Spaß macht. Jeder bekommt sein Fett weg und am Ende siegt die Dreistigkeit.

Kallimachus ist in Lukretzia verliebt. Die tugendhafte junge Dame ist aber die Gattin des Rechtsanwalts Messer Nikia Calfucci und sie fühlt sich an ihre Ehegelübde gebunden. Also spannt Kallimachus seinen Freund Ligurio ein, um trotz aller Hindernisse seine Bedürfnisse zu befriedigen. Ein Liebestrank soll ihn weiterbringen. Dabei kommt ihm die Tatsachen zu Hilfe, dass sich der Kinderwunsch des Ehepaars nicht erfüllen will und zudem der Gatte nicht der Hellste ist. Außerdem können Kallimachus und Ligurio sich die Dienste des Beichtvaters Timotheo sichern.
Der Liebestrank ist ein Bühnenstück in der Tradition der Commedia dell'Arte, deren Charme Regisseur Benedikt Schörnig in das 21. Jahrhundert transportieren konnte. Olaf Schulze schafft es als Dramaturg, das Werk zu straffen und auf die Kernaussagen zu reduzieren. Beide bauen auf die Elemente, die diese Gattung über lange Zeit so beliebt gemacht hat: Musik, abstruse Situationen. Augen rollen und Respektlosigkeit vor vermeintlichen Autoritäten. Und jede Menge Screwball-Komödie steckt auch mit drin.
Bevor der Vorhang aufgeht, warnen Steffi Höppner und Dirk Großstück als Bänkelsänger: "Komödianten sind in der Stadt" zur Musik von Reinhard Mey. Nun ist das Publikum vorbereitet, es sich eingelassen hat und wird es nicht bereuen. Das Bühnenbild zeigt Italien, wie es sich das Klischee vorstellt, Wäsche hängt über die Straße und im Hintergrund ist die Kathedrale Santa Maria del Fiore zu sehen, in den bunten, knalligen Farben der naiven Malerei gemalt. Das muss man mögen.
Peter Foyse betritt als Kallimachus die Bühne, führt mit vielen Worten in das Stück ein und zeigt wo es lang geht. An diesem Abend wird viel mit den weit aufgerissenen Augen gerollt, das Gesicht verzerrt, die Hand geht mindesten 298-mal zur Denkerstirn und die Freudschen Versprecher dürfen auch nicht fehlen. Mimik und Gestik wie aus dem Baukasten, das ist komplett "old school", eben doch authentisch und es verlangt jede Menge Können, damit die feine Grenze zur Clownerie nicht überschritten wird.

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DerTheaterverein Extemporé



Der Autor


Die Traditionsbrennerei in Nordhausen


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