Kinderland-und Spielzeugmuseum vor der Schließung?

 

Beliebte Einrichtung soll den Umzugsplänen des Bürgermeisters weichen

Bad Lauterberg (bj). Wie die "Braunlager Zeitung" bereits in ihrer Oktoberausgabe berichtete, hat der Bad Lauterberger Stadtrat mit der Wiedereingliederung des Kur-und Touristikbetriebes in die allgemeine Verwaltung auch den Umzug von Teilen der Verwaltung aus dem denkmalgeschützten Fachwerkhaus des ehemaligen Ritscher-Sanatoriums und der Nebengebäude in das „Haus des Gastes“ mitbeschlossen. Dass diese Meldung überaus aktuell ist, bestätigte sich in den letzten Oktobertagen, denn völlig überraschend und ohne vorherige Information kündigte Bad Lauterbergs Bürgermeister Dr. Thomas Gans dem gut frequentierten Kinderland-und Spielzeugmuseum im „Haus des Gastes“ die Räumlichkeiten.

Dabei ist der Kur-und Touristikbetrieb, neben dem im Jahr 2000 gegründeten Förderverein Kinderland-und Spielzeugmuseum, der Träger der Einrichtung, dessen Museumsleitung das Ehepaar Renate und Rüdiger Schwerz inne hat. Renate und Rüdiger Schwerz haben dem 1996 eröffneten Museum, welches sich inzwischen auf rund 320 Quadratmeter Fläche in acht Räumen erstreckt, auch alle Ausstellungsgegenstände kostenlos zur Nutzung überlassen.

Die Exponate haben einen Wert von rund fünfhunderttausend Euro. Hinzu kommen Fahrten (rund 60.000km) aus im Voigtland während der 16 jährigen Museumsbetriebszeit, denn alle zwei Monate kamen die Spielzeugliebhaber in die Kneippstadt um für „ihr Museum“ unzählige von Arbeitsstunden aufzuwenden. Dass nun das angelegte Geld, die erbrachte Energie und die Arbeitsleistung des Paares von 16 Jahren von heute auf morgen den Umzugsplänen des Bürgermeisters weichen sollen, können Renate und Rüdiger Schwerz nicht verstehen. In ihrer Not hat sich das Paar an die Ratsmitglieder Fritz Vokuhl (Grüne) sowie an Eike Röger, Reiner Eckstein und Klaus Richard Behling (BI Bad Lauterberg) gewandt, die wiederum entsprechende Anfragen an den Verwaltungschef stellen werden. Sowohl über die unausgegorenen Umzugspläne des Bürgermeister, wie auch über die Kündigung des Museums, war den Ratsmitgliedern bisher nichts offizielles bekannt.

Dabei ist das Kinderland- und Spielzeugmuseum, welches zusammen mit den weiteren Bad Lauterberger Museen, dem Industriedenkmal Gießerei Königshütte und Südharzer Eisenhüttenmuseum, dem Museumsbergwerk Scholmzeche/Aufrichtigkeit, dem Bad Lauterberger Heimatmuseum und dem Arche-Hof Osterhagen zur Kulturoffensive Südharz gehört, ein attraktiver Anziehungspunkt für die Gäste der Kneippstadt. So besuchten seit der Eröffnung des Museums über 100.000 Gäste die Einrichtung - mithin im Durchschnitt mehr als 6.000 Personen im Jahr. Das Eintrittsgeld, eine hochgerechnete Summe von etwa 200.000 € in 16 Jahren vereinnahmte der Kur-und Touristikbetrieb, lediglich besondere Spenden kamen dem Ehepaar Schwerz zu gute, die diese Beträge allesamt in neue Exponate steckte oder zur Unterhaltung und Instandsetzung des Ausstellungsstücke aufwendete.

Die Kassierung des Museum-Eintrittsgeldes erfolgte in den letzten acht Jahren zum Teil ehrenamtlich von einem schwerbehinderten Mitarbeiter des Kur-und Touristikbetriebes, der gleichzeitig auch mit für den Betrieb der Stadtbücherei zuständig war und ist.
Die vier Ratsmitglieder, wie auch das Ehepaar Schwerz, waren sich einig, das der volkswirtschaftliche Schaden bei der Schließung des Museums immens sein wird, da für die Kurstadt ohne Not eine wichtige Attraktivität wegfällt, zumal sich Bad Lauterberg, zumindest auf dem Papier, als „kinderfreundliche Stadt“ gibt. Völlig ungeklärt, so die Ratsmitglieder, ist zudem was mit dem denkmalgeschützten Rathaus passiert - ob dieses über kurz oder lang zu einem Schandfleck in der Stadtmitte verkommt - außerdem welche enormen Umbaukosten für den Umzug der Verwaltung aufkommen. Kein Verständnis haben die vier Volksvertreter auch darin, dass man dem engagierten Ehepaar Schwerz als Ersatz einen 30 bis 40 Quadratmeter „kleinen Raum“ im Heimatmuseum Ritscherstraße als Ersatz anbot, der dortige Museumsleiter und Stadtarchivar davon überhaupt nichts wusste, und außerdem dieser Raum vom dortigen Museum selbst genutzt und gebraucht wird.

Fotos: Bernd Jackisch

Blick in den äußerst umfangreichen und einmaligen Ausstellungsfundus des Kinderland-Spielzuegmuseums.
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