IHK Hannover: Konjunkturumfrage Frühjahr 2016

IHK-Konjunkturumfrage für Niedersachsen
Stabile Lage, aber wenig Dynamik

Die niedersächsische Wirtschaft ist im ersten Quartal nach wie vor robust aufgestellt. Dies gilt sowohl für die aktuelle Geschäftslage als auch für die Erwartungen an den weiteren Jahresverlauf. Die Unternehmen profitieren derzeit von ungewöhnlich guten Rahmenbedingungen, mehr Dynamik erzeugen diese aber nicht. Wachstumsimpulse sind beim Auftragseingang im Frühjahr bisher nicht erkennbar. Bei den Investitionsgründen stehen Ersatz und Rationalisierung im Vordergrund, weniger die auf Wachstum ausgerichteten Innovationen und Erweiterungsinvestitionen. Der IHK-Konjunktur­klimaindikator für das erste Quartal 2016 steht nahezu unverändert bei 116 Punkten. Allerdings blicken viele Unternehmen mit Optimismus auf das Auslandsgeschäft. Das ergab die Konjunkturumfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern unter 1.800 Unternehmen.

Zum Jahresbeginn schätzen 90 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle
Geschäftslage als gut oder zumindest befriedigend ein. Dabei beurteilen
33 Prozent (Vorquartal: 37 %) ihre derzeitige Lage als gut und 57 Prozent (Vorquartal: 53 %) als befriedigend. 11 Prozent (Vorquartal: 10 %) der Unternehmen sind mit ihrer Situation nicht zufrieden. Die niedersächsische Wirtschaft bewegt sich damit weiter auf einem stabilen Niveau.

Die Unternehmen blicken zuversichtlich auf die kommenden Monate:
29 Prozent (Vorquartal: 23 %) der Unternehmen rechnen mit einem besseren Geschäftsverlauf, 54 Prozent (Vorquartal: 57 %) erwarten eine etwa gleichbleibende Entwicklung. 18 Prozent (Vorquartal: 20 %) gehen von einer ungünstigeren Geschäftsentwicklung aus.

Die stabilen Investitions- und Beschäftigungsplanungen der Unternehmen signalisieren, dass die niedersächsische Wirtschaft weiter wachsen wird. In der Umfrage wurde auch nach den Motiven für die Investitionen der
Industrie gefragt. Im Vordergrund stehen Ersatzinvestitionen und Rationalisierungen. Produktinnovationen und Erweiterungsinvestitionen folgen nur mit Abstand.

Wichtigstes Investitionsmotiv für das Ausland sind Vertrieb und Kundendienst. Mit den hohen Lohnzuwächsen der letzten Jahre gewinnt das
Kostenargument bei den Auslandsinvestitionen seit 2013 wieder deutlich an Bedeutung.

Wachstumsimpulse für die niedersächsische Wirtschaft sind auch 2016 aus dem Auslandsgeschäft zu erwarten. Die Exporterwartungen der
Unternehmen sind gegenüber dem Jahresbeginn leicht gestiegen: 32 Prozent (Vorquartal: 30 %) der Unternehmen gehen von zunehmenden Exporten aus, 11 Prozent (Vorquartal: 12 %) rechnen mit abnehmendem Auslandsgeschäft.

Das gute Exportgeschäft der niedersächsischen Industrie hat dazu geführt, dass die Exportquote seit Jahrzehnten fast kontinuierlich angestiegen ist. 1980 wurde gut jedes vierte Produkt exportiert, 1990 etwa jedes dritte und 2015 fast jedes zweite Produkt (47,6 %). Seit 2005 liegt die niedersächsische Exportquote allerdings unter dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Die Industrie berichtet für das erste Quartal von einer weitgehend unveränderten Geschäftslage. Die Auftragseingänge verharren auf mäßigem
Niveau. Der Auftragsbestand hat sich im Vergleich zum Vorquartal ebenfalls nicht erhöht. Die Exporterwartungen sind gegenüber dem Jahresbeginn allerdings leicht gestiegen und deuten auf ein weiter wachsendes Auslandsgeschäft hin.

Während die Geschäfte im Ernährungsgewerbe, in der Chemie und Elektrotechnik gut liefen, stockte das Geschäft des Maschinenbaus in den ersten Monaten des Jahres. Bezüglich der Erwartungen sind jedoch alle genannten Branchen zuversichtlich. In der Kfz-Industrie und bei den Zulieferern wird die Lage zwar noch als zufriedenstellend beurteilt, die Erwartungen wurden hier dagegen deutlich zurückgenommen.

Das Bauhauptgewerbe berichtet unverändert von einer guten Entwicklung. Fast jedes zweite Bauunternehmen verfügt über einen Auftragsbestand von vier Monaten. Dieses dicke Auftragspolster spricht für eine rundum positive Entwicklung.

Die steigenden Einkommen der Konsumenten sorgen für zufriedenstellende Geschäfte im Einzelhandel. Die Inlandsnachfrage wird auch 2016 die wirtschaftliche Entwicklung wesentlich mittragen. Im Großhandel haben sich die Geschäfte ebenfalls zufriedenstellend entwickelt.

Die Verkehrsunternehmen sind mit der Entwicklung trotz des harten Wettbewerbs mehrheitlich zufrieden, haben ihre Erwartungen aufgrund der wieder steigenden Ölpreise und dem akuten Fahrermangel etwas nach
unten korrigiert.

Die Geschäftslage der Banken bleibt unverändert zufriedenstellend. Sowohl das Privatkundengeschäft als auch das Firmenkundengeschäft sind expansiv. Das Kerngeschäft der Versicherungen läuft ebenfalls zufriedenstellend. Die Dienstleistungsunternehmen haben wie die Industrie ihre
Erwartungen für 2016 nach oben korrigiert.

Ausblick

Die gute Ausgangslage mit einer Rekordbeschäftigung, gestiegenen
Löhnen, billigem Öl, niedrigen Zinsen und schwachem Eurokurs gilt fast unverändert. Wir bekräftigen unsere Prognose vom Jahresbeginn, die von einem Wachstum von 1,4 Prozent für Niedersachsen ausgeht. Dennoch fehlt Wachstumsdynamik. Nicht Innovationen und Erweiterungsinvestitionen, sondern Ersatz und Rationalisierung bestimmen den Konjunkturverlauf. Hier müssen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland verbessert werden. Gefordert sind ein Belastungsstopp bei Steuern und Abgaben, Bürokratieabbau und die Sicherung unternehmerischer Gestaltungsspielräume. (ihk/kip)
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