IHK Hannover: Brexit dämpft die Erwartungen

IHK-Konjunkturumfrage für Niedersachsen
Brexit dämpft die Erwartungen

Die niedersächsische Wirtschaft ist auch im zweiten Quartal dieses Jahres gewachsen. Das Brexit-Votum hat den Erwartungen aber einen Dämpfer versetzt. Der IHK-Konjunkturklimaindikator für das zweite Quartal 2016 gab infolge dessen um einen Punkt auf 115 Punkte (Vorquartal: 116) nach. Das ergab die Konjunkturumfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern bei rund 1.600 Unternehmen, die unmittelbar nach der Abstimmung in Großbritannien begann. Niedersachsens Wirtschaft wird auch in den kommenden Monaten moderat wachsen, das Auslandsgeschäft tritt jedoch auf der Stelle. Allein die gute Binnenkonjunktur sorgt für ein kleines Beschäftigungsplus.

Rund 90 Prozent der Unternehmen sehen im Sommer 2016 wenig Anlass, über ihre aktuelle Geschäftslage zu klagen: 37 Prozent (Vorquartal: 33 %) beurteilen derzeitige geschäftliche Situation als gut, 54 Prozent (Vorquartal: 57 %) als befriedigend. Unzufrieden sind dagegen aktuell lediglich 10 Prozent (Vorquartal: 11 %) der Unternehmen in Niedersachsen.

Das von vielen nicht erwartete Votum der Briten, die EU verlassen zu
wollen, hat jedoch Spuren hinterlassen: Nur noch 21 Prozent (Vorquartal: 29 %) der Unternehmen rechnen mit einem besseren Geschäftsverlauf,
62 Prozent (Vorquartal: 54 %) erwarten eine etwa gleichbleibende Entwicklung. 17 Prozent (Vorquartal: 18 %) gehen von einer ungünstigeren Geschäftsentwicklung aus.

Gleichzeitig hat der Anteil der Unternehmen, die in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen das größte Risiko für die Wirtschaftsentwicklung der kommenden Monate sehen, auf 53 Prozent (Vorquartal: 46 %) deutlich zugenommen. Auch die Wechselkurse tauchen in diesem Sommer häufiger unter den Risikofaktoren auf. Dass der Fachkräftemangel als mögliches Problem erneut weiter an Gewicht gewonnen hat, setzt dagegen den Trend der vergangenen Jahre nahtlos fort. Mit dem drohenden Brexit und einer Phase der Unsicherheit während der Verhandlungen drängt sich damit vor allem für das internationale Geschäft eine neue Sorge auf.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen der niedersächsischen Unternehmen wiederspiegelt, gab um einen Punkt auf 115 Punkte nach. Die eingetrübten Erwartungen haben einen weiteren Anstieg aufgrund der besseren Geschäftslage verhindert. Insgesamt muss sich die niedersächsische Wirtschaft trotz günstiger Rahmenbedingungen weiterhin mit moderatem Wachstum zufrieden geben.

Die Bereitschaft der Unternehmen, Personal einzustellen, liegt weiterhin über dem langjährigen Durchschnitt. Trotz des niedrigen Zinsniveaus planen die Unternehmen keine Ausweitung ihrer Investitionstätigkeit: 25 Prozent (Vorquartal: 27 %) wollen mehr, 16 Prozent (Vorquartal: 17 %)
weniger investieren.
Wenige Wachstumsimpulse sind für die niedersächsische Wirtschaft aus dem Auslandsgeschäft zu erwarten. Die Exporterwartungen der Unternehmen sind weniger optimistisch als zuvor: 28 Prozent (Vorquartal: 32 %) der Unternehmen gehen von zunehmenden Exporten aus, 8 Prozent (Vorquartal: 11 %) rechnen mit abnehmendem Auslandsgeschäft.

Nach einem EU-Austritt Großbritanniens befürchten Unternehmen neben steigenden Wechselkursrisiken vor allem eine Zunahme von Handelshemmnissen. Dazu zählen mögliche Zölle als tarifäre Handelshemmnisse ebenso wie nicht-tarifäre, etwa erhöhter Bürokratieaufwand durch die Bearbeitung von Außenhandelsdokumenten und unterschiedliche Normen und Standards. Weitere Hürden sehen Unternehmen, die Dienstleistungen wie Montage- oder Wartungsarbeiten in Großbritannien erbringen, wenn die bisher geltenden gewerblichen und arbeitsrechtlichen Voraussetzungen nicht mehr gegeben sind. Das Vereinigte Königreich war zuletzt zweitwichtigstes Zielland für niedersächsische Exporte. Zudem sind die Ausfuhren dorthin in den letzten Jahren überproportional gewachsen.

Die Industrie berichtet für das zweite Quartal von einer befriedigenden bis guten Geschäftslage. Die Auftragseingänge setzen den positiven Trend der ersten Monate fort. Der Auftragsbestand hat sich ebenfalls etwas erhöht, bleibt aber ohne Impulse aus dem Export nur zufriedenstellend. Die Exporterwartungen für die nächsten Monate deuten auf ein leicht ansteigendes Auslandsgeschäft hin.

Während die Geschäfte im Ernährungsgewerbe, in der Chemie und Elektrotechnik bereits seit Jahresbeginn gut laufen, meldet jetzt auch der Maschinenbau eine positive Geschäftsentwicklung. In der Kfz-Industrie und bei den Zulieferern dagegen stagnieren die Geschäfte. Die rückläufigen Investitionsplanungen deuten auf einen Sparkurs in den niedersächsischen Unternehmen hin.

Das Bauhauptgewerbe berichtet unverändert von einer dynamischen Entwicklung. Fast jedes zweite Bauunternehmen beurteilt seine Geschäftslage als gut. Das Auftragspolster ist noch ein wenig dicker geworden und ein Ende des Baubooms ist kaum abzusehen. Allerdings klagt mehr als jeder zweite Betrieb über einen Facharbeitermangel.

Wachstumstreiber bleibt der Konsum, wobei der private Konsum in erster Linie von einem hohen Beschäftigungsstand und den steigenden Einkommen getragen wird. Damit ist die Geschäftsentwicklung ist fast allen Handelsbereichen positiv. Während in den meisten Handelsbereichen im stationären Einzelhandel mit steigenden Umsätzen gerechnet wird, werden für Schuhe und Lederwaren sowie für Unterhaltungselektronik rote Zahlen erwartet. Der Strukturwandel schreitet in diesen Branchen unaufhaltsam voran. Die Geschäfte des Großhandels laufen überwiegend zufriedenstellend, in den konsumnahen Bereichen sogar sehr zufriedenstellend.

Die Verkehrsunternehmen sind mit der aktuellen Lage mehrheitlich zufrieden. Die langsam wieder steigenden Kraftstoffpreise, der Fahrermangel und die Unsicherheiten im zukünftigen Handel mit Großbritannien haben die Erwartungen allerdings negativ beeinflusst.

Die Geschäftslage der Banken bleibt unverändert zufriedenstellend. Sowohl das Privatkundengeschäft als auch die Unternehmenskredite sind sogar deutlich expansiv. Die Dienstleistungsunternehmen berichten überwiegend von guten Geschäften und haben weiterhin positive Erwartungen.

Ausblick
Die gute Binnenkonjunktur ist und bleibt der Wachstumsmotor für die
niedersächsische Wirtschaft. Trotz der Brexit-Verunsicherung wird es 2016 insgesamt ein moderates Wachstum geben. Die IHKn halten an
ihrer Wachstumsprognose von plus 1,4 Prozent für Niedersachsen fest. (IHK Hannover 15072016)
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