Post aus Wien über unsere gemeinsame Pilgertour

Gabriele Schneider (Foto: Arnhild Kump)
 
Pilgerpause (Foto: Arnhild Kump)
Gabriele Schneider, eine erfahrene Pilgerin aus Wien, die bereits 2009 sowie im Mai 2014 auf dem Jacobsweg nach Santiago de Compostela unterwegs war, schrieb ihre Eindrücke auf über unsere Drei-Länder-Pilgertour auf dem Lutherweg. Gern gebe ich sie hier mit Gabis Einverständnis weiter:

11.September 2014

Vor dieser Reise hatte ich doch einige Zweifel: Als Katholikin auf Luthers Spuren? Es siegte die Neugierde. Ich wollte den Teil Deutschlands kennenlernen, der mir bisher unbekannt war. Und das interessante Programm reizte.
Pilgererfahrung habe ich mehr als genug. Reisen ist ohnehin ein Hobby, also los geht es! Mit dem Nachtzug von Wien nach München, dann per Bus nach Leipzig und von dort mit dem Zug nach Altenburg. Arnhild, unsere Organisatorin , erwartete mich bereits. Auch die anderen Teilnehmer aus Wien kamen fast gleichzeitig an.
Auf der Fahrt in unser Quartier in Starkenberg erzählte uns Arnhild viel von ihrer Heimat. Abends dann gemütliches Beisammensein und erstes Kennenlernen. Meine Bedenken waren rasch verflogen, waren alles nette, sympathische Leute.

12.09.2014

Wir beginnen den Tag mit einer Andacht in der Kirche zu Kayna. Leider regnete es in Strömen. Viel Wissenswertes erfuhren wir von einem sachkundigen Einheimischen, er hatte im Keller eine Sammlung von Kacheln und Tonwaren. Hierfür müsste man mehr Zeit haben. Besonders schön fand ich eine alte romantische Mühle.
Weiter ging's nach Dobraschütz, trotz Nässe eine großartige Wanderung. Überall in den Gärten wunderschöne Dahlien. Zur Mittagspause erwarteten uns vorzüglich schmeckende Suppen. Auf der Empore der Kirche beeindruckende Holzschnitzereien, Ähnliches in vielen Kirchen, manches aber sehr renovierungsbedürftig.
Auf schönen, jedoch nassen Wegen wanderten wir nach Tegkwitz. Doch so viele wunderschöne alte Gebäude in ... ja malerischen Gegenden sind dem Verfall preisgegeben, ewig schad! Unsere Arnhild wusste so viel Interessantes zu erzählen. Am Nachmittag fuhren wir nach Altenburg zur Führung durch die Spalatin-Ausstellung in der Bartholomäi-Kirche. Bis dato war mir Spalatin unbekannt. Aufmerksam las ich die Informationen. Abschließend sahen wir vom Turm aus Altenburg von oben, etwas diesig zwar, aber dieser mühsame Aufstieg hatte sich gelohnt. Hervorragend das Abendessen im Ratskeller dieser schönen, abends aber menschenleeren Stadt.

13.September.2014

Prasselnder Regen weckte uns. Vor der Morgenandacht in Tegkwitz noch ein vor dem Regen schützendes nettes Beisammensein in Waltrauds gemütlichem Heim. Stimmungsvoll dann die Andacht in der alten Marienkirche. Sichtbar: hier wird renoviert, viel Arbeit wartet jedoch noch. Das danebenliegende alte Pfarrhaus wäre ein schönes Pilgerzentrum. Leider ist dieses zweifellos einst schöne Gebäude schon sehr baufällig.
Wieder im Regen die darauffolgende Wanderung durch verträumte Dörfer nach Altenburg, stets mit interessanten Erläuterungen von unserer Arnhild.
Altenburg ist eigentlich eine recht große Stadt. Es dauert, bis man ins Zentrum gewandert ist. Sehenswert der Skatbrunnen, wurde doch hier das Skatspiel erfunden. Für uns jedoch enttäuschend: Thüringens ältestes Cafe'-Haus sperrt Samstag mittag zu. Aber neben dam Marktplatz fanden wir ein sehr nettes, auch gut besuchtes Lokal für die verdiente Mittagsrast. Sogar der Regen hatte nachgelassen,
Tageshöhepunkt war dann der Besuch des Altenburger Residenzschlosses .Auch hier eine Spalatin-Ausstellung. In Bildern und einem schönen, der Spalatinzeit nachgestellten Film erfuhren wir Weiteres über das Leben von Luthers Weggefährten und Freund.
Absolut sehenswert auch die anderen Ausstellungsräume. Sogar ein Skatzimmer gibt es mit vielen Spielkarten. Alles lohnenswert zu besichtigen. Ich wünsche der Stadt noch viele interessierte Besucher.
Der Abend klang mit einem hervorragenden Essen im Gasthaus Zur Schweiz aus.

14. September 2014

Unser letzter Tag begann mit einem sehr stimmungsvollen Gottesdienst in der Altenburger Herzogin-Agnes-Kirche. Wir erhielten den Pilgersegen, danach brachen wir auf Richtung Borna ins Sächsische. 22km lagen vor uns.
Wir wanderten durch eine schöne einsame Landschaft und das wieder im Regen. Wir gingen abseits der Straßen durch schöne Wälder, vorbei an alten Schlössern. Eines davon, Windischleuba, wunderschön renoviert, ist eine Jugendherberge. Ab und zu ein schönes altes Dorf, alles gut markiert. Was mich besonders freute, ist doch der Lutherweg in einigen Teilen auch identisch mit dem Jacobsweg.
Rast machten wir auf einem Campingplatz, nettes Cafe`, traumhafte Lage direkt am Badesee.
Kurz vor Borna endlich Wetterbesserung. Auch Borna ist schon eine größere Stadt. Es dauerte bis zu unserm Ziel, den beiden Kirchen im Stadtzentrum.
Von einem netten Herrn erwartet, werden wir zuerst in die Emmauskirche geführt. In sächsischem Dialekt erzählt er uns sehr temperamentvoll die fast unglaubliche Geschichte vom Transport dieser Kirche hierher aus einem Nachbardorf, belegt mit einem Film dazu. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus. nebenan dann die Stadtkirche, bin tief beeindruckt.
So viel Neues muss erst einml verarbeitet werde. Es ist schon finster, als wir nahe Tegkwitz im Lokal Wiesenmühle zum letzten Beisammensein einkehren.
Schließlich im Gasthof Starkenberg noch ein letztes Abschiednehmen auch von unserer Arnhild, die diese Pilgertour so hervorragend gestaltet hat.
Eine weitere Etappe für das nächste jahr wird besprochen und ich hoffe sehr, auch wieder daran teilnehmen zu können.
Ich durfte so viel Neues kennenlernen, vor allem auch wunderbare Menschen. Es gab Gespräche, die sehr wertvoll waren und so manches Mal nachdenklich stimmten. Ich habe Wichtiges erfahren können über Land und Leute.

Gabriele Schneider
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2 Kommentare
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Christine Hoppmann aus Rositz | 08.10.2014 | 14:34  
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Waltraud Seidel aus Altenburg | 06.11.2014 | 19:33  
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