Auf den Spuren der verbannten Prinzessin beim Regionsentdeckertag in Ahlden

"Sophie Dorothea" erzählt über ihr Leben im Innenhof des Ahldener Schlosses beim Regionsentdeckertag
 
Ahlden: Altes Spritzenhaus und das "Steinerne Herz" im Arno Schmidt-Hain

Ahlden: Regionsentdeckertag | Aus Ahldens Geschichte ist die verbannte Prinzessin Sophie Dorothea nicht wegzudenken. So sind wir ihr auch unweigerlich beim Regionsentdeckertag über den Weg gelaufen. Die unglückliche Prinzessin aus Hannover, die nach ihrer Affäre mit dem Grafen Königsmarck für den Rest ihres Lebens nach Ahlden verbannt wurde, erzählt während einer Führung durch den Ort viel über die Geschichte des Fleckens Ahlden und ihr Leben. Bevor die Führung beginnt, erhebt Sophie Dorothea alias Renate Rodewald alle Gäste kurzerhand in den Adelsstand, da sie ansonsten nicht mit uns hätte sprechen dürfen. Noch schnell ein paar Zofen ausgewählt, die ihr Schirm, Tasche und Tuch tragen und los geht es durch den Flecken Ahlden und seine Geschichte:

Wir befinden uns im Eichenhain vor dem alten Spritzenhaus in Ahlden mit seinem hohen Turm, der früher zum Aufhängen und Trocknen der Schläuche benutzt wurde. Das Spritzenhaus befindet sich heute in Privatbesitz und wird für Kunstsausstellungen genutzt. Der Hain trägt inzwischen den Namen von Arno Schmidt, der den Flecken Ahlden in seinem Roman "Das steinerne Herz" verewigt hat. Wir machen uns auf den Weg zur Neuen Str. und kommen an der Ecke an der alten Schmiede Ahldens vorbei. Gleich gegenüber befindet sich ein Uhrmacher, der auch heute noch sein Handwerk ausübt. Doch in der Neuen Str. gab es früher nicht nur Schmiede und Uhrmacher; auch der Postbeamte, Stellmacher, Bauer, Bäcker und Schuhmacher waren hier zu finden. Am Ende der Straße befindet sich das Gasthaus "Zum deutschen Haus". Heute ist die Gastwirtschaft, die seit 100 Jahren als Familienbetrieb tätig ist, nur noch zu besonderen Anlässen geöffnet. Das Inventar wie z.B. das gediegene Clubzimmer ist immer noch vollständig erhalten. Sophie Dorothea erzählt den Gästen, dass früher genau geregelt war, an welchem Gasthaus die Kutschen aus welchem Ort ausspannten, wenn es zum Kirchgang ging. So hatten die Gastwirte garantiert ihr Auskommen, denn nach der Kirche kehrte man auf eine Brause o.ä. im Gasthaus ein. In den 60er Jahren, als das Kino noch mobil durch die Ortschaften zog, konnten die Ahldener im Festsaal des Gasthauses für 50 Pfennige Filme schauen.

Weiter geht es in die Große Str., in der früher etliche Läden zu finden waren. Die alten Schaufenster aus den 20er Jahren zeugen noch davon. Hier steht auch ein altes Ackerbürgerhaus, das gerade liebevoll restauriert wurde. Einst standen diese Häuser dicht an dicht, auch um sich vor Feinden zu schützen. Ein großer Nachteil dieser dichten Bauweise war, dass im Falle einer Feuersbrunst das Feuer schnell auf alle anderen Häuser übergreifen konnte. Da es früher weder Feuerwehrwagen noch -spritzen gab, wurden zwischen den Grundstücken kleine Wege angelegt. Im Falle eines Feuers konnten die Bewohner so schnell eine Kette mit Ledereimern bilden, um das Feuer zu löschen. Außerdem waren Gellermannsgang und Rotermundsgang eine schnelle Verbindung zwischen den verschiedenen Geschäften des Ortes. Die Gänge sind Pivatwege, die immer noch für die Öffentlichkeit frei zugänglich sind. Die Familie Rotermund betreibt in der mittlerweile 5. Generation ihr Lebensmittelgeschäft in Ahlden. Hier gibt es von der Mausefalle über Blumen und Bücher über die Geschichte Ahldens bis hin zu Lebensmitteln fast alles.

Vorbei an der Kirche des Ortes "St. Johannis der Täufer" mit seinem Bibelgarten geht es nun zum Schloss. Die Hauptstraße führt am Schloss vorbei über die Brücke der "Alten Leine". Bis 1636 floss die Aller an Ahlden vorbei. Es gab eine Wassermühle und die Herzöge zu Braunschweig / Lüneburg konnten Zölle für die Schifffahrt erheben. Doch die Aller suchte sich ein neues Flussbett, so dass die schlauen Ahldener versuchten, die Leine in das alte Flußbett der Aller umzuleiten. Die Reste dieses Versuches sind immer noch als "Alte Leine" zu sehen. Das Ahldener Schloss war ursprünglich ein Wasserschloss, das von Burggraben und Wällen umgeben war. Die Öffnungen für die Ketten der alten Zugbrücke sind heute noch neben dem Sandsteinrelief über dem Portal zum Schloss zu sehen.

Wir betreten gemeinsam mit Sophie Dorothea den Innenhof des Schlosses Ahlden und erfahren viel über das Leben der Prinzessin. Unglücklich in der arrangierten Ehe mit ihrem Cousin Georg Ludwig, verliebte sie sich in den Grafen Königsmarck. Ihr Ehemann hatte schon lange eine Mätresse. Doch die Affäre mit dem Grafen blieb nicht lange unbemerkt. Bis heute ist nicht geklärt, ob der Graf im Leineschloss ermordet und in die Leine geworfen wurde. Sophie Dorothea wurde wegen böswilligen Verlassens ihres Mannes von Georg Ludwig geschieden und für den Rest ihres Lebens nach Ahlden verbannt. Hier bewohnte sie den Nordflügel, der damals noch vierflügeligen Anlage. Ihre Mutter, die als einzige Bezugsperson Sophie Dorothea besuchen durfte, wurde bei ihrem Aufenthalt in Ahlden im ehemaligen Wirtschaftsflügel des Schlosses untergebracht. Sophie Dorothea durfte in den ersten Jahren das Schloss nicht verlassen. Als Gesprächspartner hatte sie lediglich den Pastor. Da sie stets über eine hohe Apanage verfügte, versuchte sie, den Ort finanziell zu unterstützen. Sie schenkte der Gemeinde silberne Leuchter und silbernes Abendmahlgeschirr. Die Kirche hat sie allerdings nie persönlich betreten. Nach der großen Feuersbrunst in Ahlden hätte Sophie Dorothea am liebsten Ahldener, die ihre Häuser verloren hatten, im Schloss aufgenommen, was ihr aber untersagt wurde. Einzige Freiheit nach ein paar Jahren waren Kutschfahrten, die sie im Umkreis von 2,5km unternehmen durfte. Nach 32 Jahren Verbannung starb die "Prinzessin von Ahlden" 1726 im Alter von 60 Jahren. Renate Rodewald hat während des Entdeckertages die Geschichte der vebannten Prinzessin und die Geschichte des Fleckens Ahlden liebevoll aufleben lassen.

Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.myheimat-Magazin Regionsentdeckertag 2010 | Erschienen am 28.09.2010
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Gertraude König aus Lehrte am 12.09.2010 um 20:49 Uhr  
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Heidrun Preiß aus Bad Arolsen am 13.09.2010 um 11:34 Uhr  
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Heidrun Preiß aus Bad Arolsen am 13.09.2010 um 14:31 Uhr  
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