Grüne Salons

Manuela Röhken vor einer Scheunenwandmalerei
Zehdenick: Elsner | Sie ist die Frau mit dem grünen Daumen und dem Talent für besondere Landart-Inszenierungen, die sie „NaturKunstWerk“ nennt. Nach allen Seiten offen ist Manuela Röhkens (49) Sammelgewächs. Behutsam zieht sie es heran. Zwei Thementage im Grünen spendiert sie jährlich den nahen und fernen ländlichen Nachbarn. Auf den Einladungskarten stehen immer so wundervolle Konstrukte wie: „Kräuterrätsel auf A6 & Gartenskulpturen - den Herbst schmecken mit Borschtsch und Mangoldtarte“. Es gab schon Erlebnisse rund um altes Handwerk, beispielsweise ums „Buttern“ oder „Wolliges“ …. Dazu sucht sich die Hausherrin kenntnisreiche Partner, die mit ihr diesen Tag zelebrieren. Manchmal sagt sie auch einfach an: „Bringt eure Stricknadeln mit“. Allenthalben ist ein Poet am Rezitieren auf der Wiese, biegen sich die Tische unter den kulinarischen Köstlichkeiten. Und immer werden Pflanzen und herbstwärts Marmeladen getauscht oder verkauft.
Es gehört inzwischen zu Brandenburgs schönem Sommerdasein, dass Höfe, Kulturmacher und Gartenbesitzer zur „Landpartie“, zur „Offenen Gartenpforte“ oder den „Offenen Ateliers“ einladen. Diesem Auftrieb, gar gegen Eintrittspreis, wollten sich die Röhkens nicht anschließen. Sie geben – vielleicht angelehnt an die Tradition der „Berliner Salons“ - „Grüne Salons“, klein-fein-edel.
Seit 2005 entsteht „NaturKunstWerk“ in dem Dörfchen Kraatz bei Gransee in Oberhavel. Ungefähr um diese Zeit besprachen Manuela und Axel Röhken (44) einen Rollenwechsel. Bis dahin war die Frau mit den zwei Töchtern wochentags allein mit dem Hof und dem Ausbau des ersten Hauses. Ihre kulturellen Ambitionen mussten andere Zeiten abwarten. Axel machte sich 1998 als IT-Berater selbstständig und war deutschaldweit unterwegs. Später hatte er sich als Mitbegründer von PapierkorbDesign.de ausprobiert. Seit 2007 gelingt es ihm aber, einen Tag der Woche als Home Office zu gestalten. So bleibt mehr Zeit für Gemeinsamkeit, auf die die gebürtige Sächsin und der Westberliner lange verzichten mussten.
Die gelernte Gärtnerin hatte 1997 gerade ihre Fortbildung „Management für Information und Kommunikation“ in Berlin abgeschlossen und hochschwanger noch gerade so die Fahrerlaubnis bestanden, als Elina geboren wurde. 1998 zog das Paar aufs Land. „Dann war erst mal Schluss mit Beruf und Kultur“, erzählt die Frau. Ein Jahr später kam Nastasia zur Welt. Erst als die Mädchen in die Kita nach Mildenberg kamen, ergaben sich neue menschliche Bindungen. Manuela begann sich einzumischen: Die Namenssuche für die Kita anzustoßen. Carola, den Apfelbaum mit den Kindern zu pflanzen. Im Kindergarten einen Blumenkindergarten anzulegen, wurde Elternsprecherin und organisierte Feste für die Kraatzer Knirpse. 2006 gründete sie mit der Bibliothekarin Irina Schulz die „Granseer Puppenkiste“. Rund 30 Aufführungen geben sie inzwischen pro Jahr – mit schlapp 70 Handpuppen, in 20 Stücken.
Aber “NaturKunstWerk“ ist etwas ganz anders: Die eigene Kreation - die Inszenierung Handverlesener auf der grünen Wiese. „Wer in stille Dörfer zieht, muss selbst für kleinteilige Dorferlebnisse sorgen“, verrät sie wissend. Heute ist Manuela Röhken gewissermaßen die „Kulturministerin von Kraatz“. Sie schiebt an, bündelt Ideen, bringt Menschen zueinander, privat wie öffentlich, und hat auch eine andere Saite in ihrem Mann wieder kräftig zum Klingen gebracht – sein Gitarrenspiel. Nun gibt Axel die Spanische Gitarre zu einer Vernissage oder mit dem Poeten Peter Norman literarisch-musikalische Programme. Bei ihren Grünen Salons kümmert er sich um das Catering und hält seiner Frau den Rücken frei. So entstehen kunstvolle Reigen im Grün, die jedes Jahr größere Kreise ziehen.
Kontakt NaturKunstWerk: Lindenstraße 28, Kraatz 16775 Gransee, Info-Telefon: 03306 213 650
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.