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Eine Frau Holle

Zehdenick: Elsner | Tief im uckermärkischen Walde erwachen mit der Osterzeit die Märchen, die aus den Grimmschen Werken und auch neuzeitliche. Öffentlich verlesen oder heiter gespielt von großen und von kleinen Waldgästen, und das kam so:
1982 erbten Klaus-Dieter und Sigrid Hollendorf das abgelegene Grundstück bei Metzelthin von den Großeltern. Gut ein Hektar Land, darauf ein schöner Garten und knusper-kleine, Ried gedeckte Blockhäuschen – romantischer geht es kaum noch. Doch das Leben der Beiden war damals so gar nicht so traumhaft, zwischen ABM beim Kulturbund e.V., Arbeitslosigkeit und Schlechtwettergeld pendelte lieblos die Zeit. Irgendwann fragten Templiner Kulturbündler die Sigrid, ob sie nicht dort draußen, auf ihrem Grundstück, etwas für Kinder inszenieren könnten. Und wer Hollendorf heißt, kann, denn Namen tragen immer auch sinnstiftende Bedeutung in sich, und so entstand das Projekt Märchenland „Frau Holle“ des Kulturbundes e. V. - das war anno 1996.
15 Jahre später sind Hollendorfs Sohn und Tochter erwachsen und aus dem Haus. Da leben die Eltern im Winter allein im Wald, mit Flöckchen, dem Hund und den sieben Katzen. Für Sigrid, die 59-Jährige, ist es die Jahreszeit, Spiele zu erfinden, Requisiten zu bauen, ein neues Stück für die große Puppenbühne zu schreiben, eben die Flügel der Fantasie weiten, damit die Gäste in der warmen Jahreszeit auch immer etwas neues im Märchenland vorfinden. Klaus-Dieter (55), der Maurer, repariert in der arbeitslosen Schlecht-Wetter-Zeit was Schaden nahm, wenn es wärmer wird, hat er mit dem Märchenland nichts zu tun, sagt er. Aber schaut man sich genauer um, so hat er die Puppenbühne aufgestellt, Backofen und Brunnen gebaut, das Baumhaus und die Sportanlagen, still im Hintergrund, während seine Liebste die Dinge mit Leben erfüllt.
Ihr Spitzname war schon immer „Frau Holle“, vom Familiennamen her, aber daraus ein Arbeitsleben zu gestalten, der Gedanke wurde erst mit der Nachfrage reif. Sigrid gefiel diese Idee: „Die Frau Holle kann uralt im Job werden und muss nicht wie beispielsweise eine Goldmarie irgendwann aus Altersgründen abdanken.“ Eine Sorge weniger, aber ein Sprung in die Selbständigkeit blieb ausgeschlossen, zu gering sind die Einnahmen an diesem Standort. Wovon sollte man da im Winter existieren? Also lebt das Märchenland bis heute von Fördermitteln und Projekten.
Längst aber finden neben Schulen und Kitas auch Radtouristen und Urlauber, aber auch Familien aus dem Umland den Weg hierher. Letzteren geht es darum, den schönen Garten mit all seinen Stationen anzusehen und zu nutzen, und sich etwas aus dem Märchenland erzählen zu lassen. Die Kinder können Märchen in dieser natürlichen Umgebung mit Hexenhaus und Märchenbrunnen selbst spielen. Dazu gibt es einen Kostümfundus, zum Beispiel Sieben-Zwergen-Mützen oder Kappen und Umhänge für die Sieben Geißlein.
Inzwischen lädt man Sigrid Hollendorf auch schon mal als Symbolfigur „Frau Holle“ zum Märchenfestival nach Schwerin. Im Winter gibt sie Märchenstunden in Schulen oder auch Hotels. Auf Adventsmärkten verkauft sie selbst gebautes Spielzeug, um von dem Erlös das Märchenland über die nicht geförderten Zeiten zu bringen. Nicht einfach und keine Frage, das Unterfangen könnte feste Sponsoren gebrauchen, damit Frau Holle und ihre ehrenamtliche Hexe noch lange im Walde kindliche Fantasien erwecken.

Kontakt: Märchenland „Frau Holle“ des Kulturbundes e. V.
Metzelthin 1, 17268 Metzel¬tin, Telefon: 039885 2164, Mo¬bil: 0174 6087218. Geöffnet von Ostern bis Ende Oktober: Mitt¬woch 9 bis 13 Uhr, Samstag: 9 bis 17 Uhr, Sonntag 9 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.

www.atelier-elsner.de
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1 Kommentar
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Maria Schenk aus Schrobenhausen | 14.01.2013 | 21:31  
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