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Freud und Leid: Landeswettkampf und Einsatz in Duisburg zwei Extreme - Ehrenamtliche Retter der Johanniter resümieren 2010

A-Mannschaft vor dem Theorietest auf dem Landeswettkampf- gute Laune und Motivation pur
 
Einrückende Kräfte der Johanniter in Wunstorf nach einem Einsatz (Foto: Christopher Jonck JUH)
 
Fahrzeuge des Ehrenamtes vor der Dienststelle (Foto: Christopher Jonck JUH)
So langsam neigt sich das Jahr 2010 dem Ende entgegen, ein guter Grund für die ehrenamtlichen Mitglieder der Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) auf die vergangenen Einsätze und Veranstaltungen zurückzublicken.

Auch wenn längst noch nicht alle Einsätze für dieses Jahr abgearbeitet sind, kann doch schon ein kleiner Rückblick gewagt werden. Das Jahr 2010 hatte viele freudige Ereignisse für die Helferinnen und Helfer parat. Leider gab es aber auch das Unglück bei der Loveparade in Duisburg, bei dem Wunstorfer Helferinnen und Helfer eingesetzt waren. Dieser Einsatz mit seinen schrecklichen Bildern wird noch lange in Erinnerung bleiben.

Zu den Highlights auf der fröhlichen Seite gehörten das Wunstorfer Osterfeuer, das durch die Helferinnen und Helfer nun schon seit über zehn Jahren veranstaltet wird und viele Dienste und Einsätze, die zum festen Jahresprogramm gehören. Immer wieder freuen sich die Einsatzkräfte auf die Einsätze in Steinhude zum Festlichen Wochenende oder die Stadtfeste in der Umgebung, die von den ehrenamtlichen Rettern seit Jahren betreut werden. Das größte Highlight fand aber im August in Salzgitter statt. Es stand wieder der Landeswettkampf der Johanniter im Landesverband Niedersachsen/Bremen auf dem Plan. Dieser interne Leistungsvergleich findet alle zwei Jahre an wechselnden Orten statt. Mehrmals waren die Wunstorfer schon auf den vorderen Plätzen gelandet, der erste Platz qualifiziert zur Teilnahme am Bundeswettkampf im Folgejahr. Das große Ziel, das sich die Helferinnen und Helfer gesteckt hatten, war die Verteidigung der Titel aus dem Wettkampf 2008 in Otterndorf. Das ganze Jahr über bereiteten sich die Wettkampfgruppen in Theorie und Praxis vor. Als dann nach einem spannenden Wettkampftag in Salzgitter die Siegerehrung nahte, war die Spannung nahezu greifbar. Jedem weiteren Platz wurde entgegengefiebert und die über 100 angereisten Wunstorfer Johanniter bildeten eine große Traube in der Eissporthalle von Salzgitter. Den Anfang machten die C-Mannschaften mit guten Plätzen im Mittelfeld und einer deutlichen Verbesserung zu den Vorjahren, es folgte die B-Mannschaft die ihren Erfolg aus dem Jahr 2008 wiederholte. Großer Jubel und Freude brach in der Wunstorfer Gruppe aus. In der folgenden Kategorie der A-Mannschaften hatten die Wunstorfer noch nie Plätze auf dem Siegertreppchen verbuchen können. Das wollten die Wettkämpfer in diesem Jahr ändern und verfolgten besonders hartnäckig die Übungsabende und Übungsdienste. Am Ende der Siegerehrung kam erstmalig ein Platz auf dem Podium dabei heraus und die Wettkämpfer konnten sich über den 3.Platz freuen. Alte Hasen sind die Mitglieder der S-Mannschaft, die aus ehrenamtlichen Rettungssanitätern und Rettungsassistenten besteht. Bereits in den Jahren 2006 und 2008 konnten sie mit dem Titel nach Hause fahren. In diesem Jahr stand also der Hattrick auf dem Plan, und es gelang! Am Ende des Abends konnten die Wunstorfer zwei Landessieger und einen dritten Platz, sowie viele weitere gute Platzierungen von weiteren Mannschaften verbuchen. Das wurde dann natürlich bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Jetzt richten sich die Blicke der Siegermannschaften nach Dortmund. Dort wird im nächsten Jahr der Bundeswettkampf stattfinden. Auch da wollen die Wunstorfer wieder um die Plätze auf dem Podium kämpfen.

Ganz das Gegenteil hatten sieben Helferinnen und Helfer knapp einen Monat vor dem Landeswettkampf in Duisburg erlebt. Sie waren einer Einsatzanfrage der Johanniter aus dem Ruhrgebiet gefolgt und zur Unterstützung mit drei Rettungswagen zur Loveparade nach Duisburg gefahren. Während der Veranstaltung kam es zu einem tragischen Zwischenfall. 21 Personen wurden bei einer Massenpanik getötet und über 500 Menschen verletzt. Die Wunstorfer Kräfte waren die ersten Fahrzeuge am Unfallort und erlebten eine bisher unvorstellbare Situation. Die Helferinnen und Helfer waren mitten im Ort des Geschehens und halfen, wo sie nur konnten. Für viele der Opfer kam aber jede Hilfe zu spät und sie verstarben noch an der Einsatzstelle. Viele Stunden dauerte der Einsatz und führte die eingesetzten Kräfte an die eigenen Grenzen.
In der Wunstorfer Dienststelle versammelten sich viele weitere Helfer um das Geschehen im Fernseher gemeinsam zu verfolgen. Nähere Informationen gab es aber noch nicht, da das Mobilfunknetz komplett überlastet war. Als sie dann die Fahrzeuge der eigenen Einheit in der Menge sahen, war es Gewissheit: „Unsere Kolleginnen und Kollegen sind mittendrin“. Im Laufe des Einsatzes kamen dann die ersten Informationen in Wunstorf über verschiedene Quellen an. Nach über zwei Stunden konnten die Daheimgebliebenen aufatmen, alle Wunstorfer Helferinnen und Helfer waren körperlich unversehrt aus dem Einsatz zurückgekehrt. Der Dienst in Duisburg dauerte aber noch an und die eingesetzten Kräfte aus Wunstorf leisteten ihren Dienst bis zum Ende der Veranstaltung gegen 2 Uhr ab.

Direkt nach dem Dienst traten sie die Heimreise an und wurden in Wunstorf schon von vielen erwartet. Ein Einsatznachsorge-Team stand bereit und nahm die Einsatzkräfte in Empfang, weitere Helfer der Wunstorfer Einheit versetzten die Fahrzeuge wieder in einen einsatzbereiten Zustand.

Diese Anteilnahme und der Zusammenhalt der Gruppe war für die sechs direkt am Einsatz Beteiligten eine riesige Hilfe.

Auch die Anteilnahme von Firmen und Organisationen überraschte die Wunstorfer, in vielfältiger Form wurde Hilfe und Unterstützung angeboten, ob finanziell oder durch Worte oder auch weiteren Angeboten.
Das Angebot einer Wunstorfer Institution die Kosten für den im Chaos gestohlenen Notfallrucksack zu übernehmen, nahmen die Johanniter zwar nicht an, da die Kosten durch eine Versicherung abgedeckt wurden, aber es zeigte den HelferInnen , dass nicht nur sie für die Bevölkerung von Wunstorf da sind, sondern auch viele Wunstorfer und Firmen sich den Johannitern verbunden fühlen und im Notfall auch für die Helfer da sind. Gerade diese Gewissheit ist für viele eine Bestätigung ihres Engagements.
„Es tut gut, wenn man nicht nur selber Gutes tut, sondern wenn es auch einem selbst widerfährt“, fasste Timo Brüning, Einsatzleiter der Wunstorfer Johanniter, für seine Kollegen zusammen.

Am 10. Dezember werden Lorena Lorz und Timo Brüning dann stellvertretend für die eingesetzten Wunstorfer beim Bundespräsidenten in Berlin empfangen und erhalten eine Ehrung.

Für die letzten Tage im Jahr 2010 stehen jetzt noch einige Ausbildungen und Kurse an. Vier Helferinnen und Helfer besuchen die Johanniter Akademie in Hannover um den Abschluss des Rettungshelfers zu erlangen, zwei weitere werden an der Akademie in Münster in der Einsatznachsorge ausgebildet. Gerade am letzten Wochenende wurden fast 20 Helferinnen und Helfer erfolgreich für den Feuerwehrführerschein geschult.

Jetzt schalten die Helfer zur Weihnachtszeit mal einen Gang runter und genießen die friedliche Weihnachtszeit. Auch in dieser Zeit steht wieder ein Highlight an, auf das sich alle freuen. Die Weihnachtsfeier des Ortverbandes ist in jedem Jahr eine sehr gut besuchte interne Veranstaltung, an der alle Mitarbeiter, haupt- oder ehrenamtlich, gerne teilnehmen. Auch dieses Jahr wird es wieder eine besondere Aktion geben, diese wird aber bis zur Feier geheim gehalten. Trotz oder gerade während der Weihnachtszeit sind die Kräfte weiterhin einsatzbereit, jederzeit sind die Wunstorfer auch über die Weihnachtsfeiertage für Einsätze in Alarmbereitschaft.

Die Johanniter wünschen allen Wunstorfern eine frohe und besinnliche Advents- und Weihnachtszeit im Kreise der Familien.
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.myheimat-Magazin Wunstorf | Erschienen am 06.12.2010
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