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Franz Dingelstedt in Wien (1867 bis 1881)

Portrait von Freiherr Franz von Dingelstedt
 
Das alte Kärntnerthortheater in Wien um 1900 (Foto: Carl Wenzel Zajicek (Wikipedia))
 
Ankündigung der ersten Vorstellung in der neuen Staatsoper (Foto: Wikipedia)
Wien (Österreich): Staatstheater |

Die Wiener Staatsoper feiert in diesen Tagen ihren 150. Geburtstag. Der gebürtige Halsdorfer Franz Dingelstedt war damals Direktor der Hofoper und an der Eröffnung des neuen Prachtbaus „am Ring“ maßgeblich beteiligt.

Am Ende seiner Zeit in Weimar (1857 – 1867) pflegte Dingelstedt bereits Kontakte zu Friedrich Halm, dem damaligen Generalintendant der Hofoper und des Hofburgtheaters und hoffte auf einen Wechsel nach Wien. Überliefert ist sein Ausspruch: „Wien ist der einzige Ort, wo man lieben und leben kann“. Die Zusammenarbeit mit Franz Liszt in Weimar hatte sich im Laufe der Zeit sehr verschlechtert, weil Dingelstedt für Liszts Geschmack zu sehr das Schauspiel bevorzugte und die Oper vernachlässigte. Was Dingelstedt auch offen zugab indem er einmal sagte: "Theater sind ein notwendiges Übel, Konzerte ein unnötiges." Nach einigen Intrigen von Seiten Dingelstedts kam es schließlich zum Zerwürfnis.

Am 1. Oktober 1867 konnte Dingelstedt dann die Stelle des Direktors der Hofoper in Wien antreten. Zu dieser Zeit galt er als größter deutscher Regisseur. Einfach hatte er es hier zunächst nicht, denn die Journalisten mochten den Deutschen nicht und das Wiener Publikum mochte ihn sehr bald auch nicht. Charakterisiert wird er von der schreibenden Zunft als "ironisch überlegen“ oder auch „boshaft elegant". Allerdings auch als ein „künstlerischer Kavalier“. Neben seiner Arbeit als Direktor der alten Hofoper, hatte er die wichtige Aufgabe, die Übersiedlung in das seit 1861 im Bau befindliche und noch nicht ganz fertiggestellte neue Haus in der Ringstraße zu organisieren sowie einen Spielplan für diese neue Staatsoper aufzubauen. Was ihm allerdings nur wenig Mühe machte.

Zur Eröffnung des neuen Hauses am 25. Mai 1869 hatte Dingelstedt Mozarts „Don Juan“ auf den Spielplan gesetzt, was dann bei den ersten Proben im neuen Haus unerwartete Schwierigkeiten bereitete. Für den „feinen Mozartklang“ war es einfach zu überdimensioniert. Die Wiener waren an die kleine, familiäre Räumlichkeit des alten Kärtnertortheaters gewöhnt und mussten erst lernen, mit diesen neuen Klangwelten umzugehen. Es mussten Veränderungen bei Orchester und Chor vorgenommen werden und Dingelstedt stellte die Sänger näher zum Publikum.

Nach mehreren gut besuchten Proben nahte bald der große Tag der Eröffnung. Natürlich wollte man aber auch organisatorisch nichts dem Zufall überlassen. Hierzu kann man in der Chronik der Wiener Oper auf deren Internetseite (www.operinwien.at) u.a. folgendes lesen: "Es war bei einer der letzten Proben zum "Don Juan", da hieß es, daß sich das gesammte Personale des Theaters zu dieser Probe einzufinden habe. Zu diesem Zwecke hatten sie sich Eintrittskarten abzuholen. Wie es bei solchen Gelegenheiten oft der Fall ist, wurde der Kartenausgeber mit Bitten bestürmt, für die Angehörigen gleichfalls Eintrittskarten zu bewilligen und mit einer überraschenden Bereitwilligkeit wurden alle diese Wünsche erfüllt. Eintrittskarten für alle Plätze wurden in Hülle und Fülle ausgegeben und als der Abend kam, war der Zuschauerraum gehörig besetzt. Neugierig harrten die Gratiszuschauer der Dinge, die da kommen werden und als das Glöckchen auf der Bühne erschallte, ging ein allgemeines "Ah" durch das Haus. Dieses "Ah" verwandelte sich in ein "O und Weh", als plötzlich der Regisseur vortrat und den Befehl der Direktion verkündigte, daß die Anwesenden den Schauplatz zu räumen haben. Da eine große Anzahl der Gäste Bedienstete des Theaters waren, so sahen sie sich gezwungen, diesem Befehle nachzukommen und auch die von ihnen Mitgenommenen mußten, wollten sie ihren Angehörigen keine Unannehmlichkeiten bereiten, mit ihnen den Rückzug antreten. Verdutzt fragten sie, draußen angekommen, zu welchem Zwecke man sie eigentlich in das Theater befohlen und dann wieder zur Räumung des Zuschauerraumes angewiesen habe und erhielten von einem der tonangebenden Beamten des Hauses die sie zwar nicht befriedigende, aber diese Maßregel immerhin rechtfertigende Aufklärung, daß es sich um eine Generalprobe für die - Kartenverkäufer - gehandelt habe, welche sich nach dieser Probe ihres Amtes gewachsen erwiesen haben“.

Die offizielle Eröffnung der Staatsoper erfolgte dann vom 25. bis 27. Mai 1869. Unter den Gästen des Hauses war auch der damalige Direktor der großen Pariser Oper, Herr Perrin, der „im Anschluss an die Vorstellung ein Lob für die Sänger und das Ballett ausgab“. Und es gab auch ein Lob für die organisatorische Großtat des Kollegen Dingelstedt: "Das ist eine gewaltige Campagne und der Director, der sie so glücklich durchgemacht, Herr von Dingelstedt, verdient berechtigte Anerkennung."

Doch die insgesamt drei Eröffnungs-Vorstellungen von „Don Juan“ waren bei weitem nicht ausverkauft. Lediglich zur ersten, bei der das Kaiserpaar Franz-Joseph und Elisabeth (Sissi) anwesend war, wurden alle Karten verkauft. Ein weiterer Grund waren die sehr hohen Eintrittspreise.

Dingelstedt hatte sich in der neuen geräumigen Staatsoper inzwischen gut eingerichtet, als der bisherige Generalintendant des Burgtheaters im Jahre 1870 aus gesundheitlichen Gründen um die Enthebung aus seinem Amt ersuchte. Und so ernannte Kaiser Franz Joseph mit Dekret vom 19. Dezember 1870 Dingelstedt nun auch zum Direktor des alten Hofburgtheaters am Michaelerplatz.

Neben der Intendanz des Burgtheaters war es eine wichtige Aufgabe von Dingelstedt, über die bauliche Zukunft des in die Jahre gekommenen Bauwerkes nachzudenken. Als Möglichkeiten standen eine grundlegende Sanierung des bestehenden Theaters mit einem vorübergehenden Umzug in das alte Kärnterthortheater oder aber ein Neubau zur Diskussion. Am 5. Februar 1871 wurde ein Komitee eingesetzt zur Prüfung dieser beiden Ideen. Den Vorsitz führte Dingelstedt. Weitere Mitglieder waren zwei Hofsekretäre, der Burghauptmann sowie die wichtigsten Regisseure des Theaters und ein Architekt. Im Mai 1871 fasste man schließlich den Entschluss, „dass man die Idee einer Übersiedlung in das alte Kärnterthortheater fallen lassen müsse und dass das Burgtheater unbedingt ein neues, schönes, allen Anforderungen der Gegenwart vollkommen entsprechendes Haus bekommen müsse“. Und der Bau dieses Hauses, so versprach Kaiser Franz Joseph, sollte auch sofort in Angriff genommen werden. Die Eröffnung des neuen Burgtheaters am 14. Oktober 1888 erlebte Dingelstedt leider nicht mehr.

Besonders durch sein Wirken in Wien gilt Franz Dingelstedt als ein bedeutender Theaterleiter des späten 19. Jahrhunderts. Seine Vorstellung von dekorativer Bühnengestaltung kam dem aktuellen Publikumsgeschmack sehr entgegen. Während seine Vorgänger im Amt des Burgtheaterdirektors den Text ins Zentrum stellten und an der Sprache der Schauspieler arbeiteten und jeglichen Überfluss auf der Bühne als „Tapezierer-Dramaturgie“ bezeichneten, hatte das Bühnenbild für Dingelstedt unbedingte Priorität. Großzügige Ausstattung und Bühnentechnik waren ihm äußerst wichtig.

Als ein besonderer Meilenstein der Arbeit Franz Dingelstedts am Burgtheater ist die Shakespeare-Woche vom 17. bis 23. April 1875 zu erwähnen. Hier ließ er zum ersten Mal unter besonderer Betonung des Bühnenbildes und unter Einbeziehung von Musik und Tanz die Königsdramen Shakespeares in einem Zyklus aufführen. Dieser Königsdramen-Zyklus war ein sehr großer Erfolg und blieb über mehrere Jahre ein beständiger Teil des Spielplans.

Im Jahre 1876 erhob ihn der Österreichische Kaiser Franz Joseph aufgrund seiner großen Verdienste als Generalintendant in den Freiherrenstand.

Als er 1880 erkrankte und bettlägerig wurde, leitete er die Direktionsgeschäfte noch einige Monate lang von seinem Krankenlager aus. „Die Raben flattern aus, aber zu früh“, sagte Franz Dingelstedt auf seinem schmerzensreichen Krankenbette, als zahlreiche Anfragen über sein Befinden einliefen.

Freiherr Franz von Dingelstedt starb in den frühen Morgenstunden des 15. Mai 1881 in Wien.


(Quellen: www.operinwien.at; Zeitschrift "Heimatblätter)



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