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Scheinbar lautlose Jäger auf NABU Gut Sunder

Vollkommen lautlos kommen sie in der Dämmerung über unseren Köpfen geflattert, jeder guckt verwundert auf. So plötzlich sie gekommen sind, so schnell sind sie meist verschwunden, und jeder fragt sich, ob da überhaupt was war. Wie die meisten fliegenden Nachtjäger bewegen sich Fledermäuse fast lautlos. Das gilt zumindest für das menschliche Ohr, und das der meisten ihrer Beutetiere, was in erster Linie Insekten wie Mücken und Motten sind. Tatsächlich machen Fledermäuse bei ihren Flugmanövern ziemlich viel Krach, wenn sie ihre Ortungsrufe mit über 100 dB Lautstärke abgeben, immerhin so laut wie ein Presslufthammer in einigen Metern Entfernung. Doch zu unserem Glück, wollen wir die abendliche Ruhe doch genießen, können wir von all dem nichts hören, da Fledermäuse hierbei Frequenzen benutzen, die weit über unserer Hörschwelle liegen.

Fledermausohren sind auf solch hohe Frequenzen geeicht, lauschen sie doch auf die zurückkehrenden Echos, um sich in vollkommener Dunkelheit ein Bild ihrer Umgebung zu machen. Die hohen Frequenzen sind notwendig, um auch noch kleinste Objekte zu erfassen. So kann einem Draht von nur 0,1 mm Dicke in vollem Flug ausgewichen werden.

Von und über Fledermäusen zu hören gab es am letzten Wochenende auf dem NABU Gut Sunder bei Meißendorf. Knapp 20 Teilnehmer kamen zum Fledermausseminar und übten sich unter anderem in der akustischen Bestimmung dieser fliegenden Säugetiere. Möglich wird das durch ein kleines elektronisches Gerät, den so genannten Bat-Detector, der die hohen Frequenzen in für den Menschen hörbare Schallwellen wandelt. Und da jede Fledermausart ihre eigene Tonlage hat – man will sich ja nicht in die Quere kommen, hilft der Bat-Detector bei der Arterkennung. Diese Woche waren das immerhin sieben verschiedene, vom Großen Abendsegler bis zur Wasserfledermaus. Solche Artenvielfalt ermöglicht die reich strukturierte Landschaft um das historische Teichgut von Sunder.

Durch Aufklärungsarbeit über die faszinierende Welt der Fledermäuse, die unserer alltäglichen Erfahrung so fremd sind, wurde in den vergangenen Jahren ein Imagewechsel erzeugt, wie Rüdiger Wohlers betont, Pressesprecher des Projekt Wildtiernis auf NABU Gut Sunder. "Fledermäuse werden von der Bevölkerung ganz überwiegend positiv wahrgenommen, im Gegensatz zu früherer Verklärung mit Schauergeschichten. Zahlreiche Menschen fragen bei uns an, wie sie Fledermäusen im eigenen Wirkungsbereich am Garten und im Haus helfen können." Gebraucht werden vor allem geeignete Nistquartiere, in denen Fledermäuse den Tag verbringen und ihre Jungen in der so genannten Wochenstube großziehen können. Ob die Fledermäuse darin den ganzen Tag verschlafen, das kann man ab kommendem Frühjahr im neu gebauten Tierfilmzentrum „Wildtiernis“ auf NABU Gut Sunder live verfolgen. Und wer nicht so lange warten möchte, um mehr vom geheimen Leben dieser Nachttiere zu erfahren, der kann an einer der zahlreichen geführten Fledermauswanderung teilnehmen. Eine gute Gelegenheit bietet die 13. Europäische Fledermausnacht vom 29. auf den 30. August 2009, bei der in 32 Ländern Europas Veranstaltungen zu Fledermäusen angeboten werden. Weitere Infos unter www.nabu.de oder www.nabu-wildtiernis.de
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Gertraude König aus Lehrte | 25.08.2009 | 15:45  
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