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Kilometerlange Schläuche und Drohnen statt Biergarten

Florian Rieblingen 47/1 bei der großen Einsatzübung in Geratshofen. Im Hintergrund das Fahrzeug und Schnelleinsatzzelt der UG-ÖEL aus Dillingen.
 
Großeinsatzübung bei der Firma Wagner in Geratshofen für die Feuerwehren aus Bliensbach, Bocksberg, Gottmannshofen, Laugna, Prettelshofen, Rieblingen, Roggden-Hettlingen und Wertingen sowie der UG-ÖEL aus Dillingen.

Feuerwehrübung - Großeinsatz im Gewerbegebiet Geratshofen

Brand einer Lagerhalle in einem Betrieb, der mit Brennstoffen (Heizöl, Pellets und Benzin) handelt – so lautete der Alarmierungsbefehl für die Freiwilligen Feuerwehren aus Bocksberg, Gottmannshofen, Laugna, und Wertingen.

Um 19 Uhr am Freitagabend heulten in den besagten Orten die Sirenen und die Feuerwehrleute machten sich eiligst auf den Weg zur Firma Wagner in der Gewerbestraße. In der Halle am westlichen Rand des Betriebsgeländes sei ein Feuer ausgebrochen und es befänden sich noch Personen darin – dieses Szenario hatte Einsatzleiter und Kreisbrandmeister Thomas Schuhwerk ausgearbeitet, der Termin und die Örtlichkeit waren nur wenigen eingeweihten Führungskräften im Vorfeld bekannt. Schon während der Anfahrt wurden weitere Feuerwehren nachgefordert, wegen der großen (imaginären) Rauchentwicklung. So kam es, dass um 19:07 Uhr auch noch die Wehren aus Bliensbach, Prettelshofen, Rieblingen und Roggden-Hettlingen alarmiert wurden.

Da im westlichen Wertinger Industriegebiet die öffentliche Löschwasserversorgung vom Hydrantennetz für die Bekämpfung eines Großbrands nicht ausreichend ist, lag ein großer Schwerpunkt der Übung für die damit betrauten Feuerwehren darin, weiteres Löschwasser aus der Zusam an die Einsatzstelle zu fördern. Ortskundige wissen sofort: Dafür sind viele Schläuche und mehrere Feuerwehrpumpen notwendig - es gilt eine nicht unerhebliche Strecke zu überwinden, zudem steigt das Gelände vom Fluss her stetig an. Hier waren die Maschinisten an den Pumpen stark gefordert, um die Balance beim Wasserdruck zu halten. Im Vergleich zu früher können moderne Feuerlöschkreiselpumpen zwar deutlich mehr Wasser fördern. Doch auch die gestiegene Menge des abgegebenen Wassers über zahlreiche Hochleistungslöschgeräte wirkt sich auf den Druck aus. Für den ersten Löschangriff mussten mehrere hundert Meter Schlauch verlegt werden, um zwei Hydranten in der Hettlinger Straße anzapfen zu können. Hierbei wird das Limit eher von der Wasserleitung gesetzt, welche die technisch mögliche Wassermenge unter Umständen gar nicht bereitstellen kann.

Aus Dillingen war schon von Anfang die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL) von der Leitstelle nach Geratshofen disponiert worden. Wie der Name sagt, hilft diese Gruppe bei großen Einsätzen den lokalen Führungskräften bei der Koordination des Einsatzes. Dazu nutzt die UG ein Fahrzeug mit umfangreicher Kommunikations- und Computerausstattung und ein Schnelleinsatzzelt, welches sich in wenigen Minuten praktisch selbst aufstellt – Druckluft macht es möglich. Ein neues Einsatzgerät hatte der Leiter der Unterstützungsgruppe, Christian Strohmeyr bei der Übung im Gepäck: Einen ferngesteuerten Quadrocopter (üblicherweise als Drohne bezeichnet), dessen Kamera gestochen scharfe Live-Bilder direkt an den Beamer im Besprechungszelt sendet. So kann sich die Einsatzleitung im Wortsinne einen noch besseren Überblick verschaffen und die verfügbaren Einsatzkräfte zielgerichtet dirigieren.

Insgesamt waren bei der Großübung 128 Einsatzkräfte angerückt. Neben den Feuerwehren waren noch die First Responder und das Rote Kreuz vor Ort – sie kümmerten sich um die geretteten „Verletzten“. Diese große Anzahl lobte neben Thomas Schuhwerk und Kreisbrandinspektor Uwe Neidlinger insbesondere Firmeninhaber Stefan Wagner. Es beruhige ihn sehr, so eine starke, engagierte Truppe für den Ernstfall im Rücken zu wissen. Er habe damit als Unternehmer eine große Sorge weniger. Wagner war auf Kreisbrandmeister Schuhwerk mit dem Wunsch nach einer Einsatzübung auf seinem Firmengelände zugekommen. Nur rund drei Wochen später stand der Termin bereits fest. Uwe Neidlinger zeigte sich ob des ehrenamtlichen Engagements begeistert – zu einer Zeit, wo andere Menschen entspannt im Biergarten säßen, verbrächten die Feuerwehrleute ihre Freizeit mit einer schweißtreibenden Großübung.

Nach so einer Materialschlacht gibt es je eine unvermeidbare und eine erfreuliche Tätigkeit: Aufräumen - sämtliche verlegten Schläuche mussten entleert, abgekuppelt und aufgerollt werden, um sie abtransportieren zu können. Auch alle anderen Gerätschaften mussten wieder aufgeräumt werden. Sehr viel erfreulicher hingegen war die von Familie Wagner spendierte Ladung Wurstsemmeln und ein großer Stapel mit erfrischenden Getränken - so bekamen die Feuerwehrleute doch noch ein bisschen Biergarten-Feeling am Freitagabend.

Artikel vom 2. Juni 2017
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