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In Lettland unterwegs mit Einars Alpe – von der Konfirmation in Balvi bis zu Gemeindebesuchen in der Diözese Daugavpils

Die Konfirmandin und ihr Konfirmator
 
Im Gemeindehaus ist noch viel zu tun...
Die diesjährige Gruppenfahrt der Marien-Petri-Gemeinde Wennigsen nach Lettland musste leider auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. So bin ich in diesem Jahr in der Pfingstzeit allein nach Riga und von dort aus nach Balvi gefahren.

Der erste Höhepunkt dieser Reise ist die Einladung zur Konfirmation von Estere Alpe. Neben dem Ortspastor Martins Vaickovskis gestalten Bischof Einars Alpe, einige Kirchenvorsteher, Dr. Rainer Stahl (Generalsekretär des „Martin-Luther-Bundes“), eine Violinsolistin aus der Gemeinde und der Organist den festlichen Gottesdienst. Glücklicherweise haben die lettischen Choräle dieselben Melodien wie unsere Kirchenlieder: so wird „Ein feste Burg ist unser Gott....“ auch auf Lettisch aus vollem Herzen mitgesungen. Und in Vaterunser und Glaubensbekenntnis stimmen die deutschen Gäste in ihrer Muttersprache ein. Der pfingstliche Geist macht`s möglich. Die festlich gekleideten Konfirmanden, ob 17 oder 61 Jahre alt, hören mit konzentriertem Ernst den Predigten, Ansprachen und auch dem Grußwort aus der fernen Calenberger Christenheit zu.

Bei der anschließenden Feier, zu der sich zwei Familien in einer Holzhütte mit Grillplatz an einem idyllisch gelegenen See treffen, frage ich Estere, welche Erfahrungen sie in einer Gruppe gemacht habe, in der sowohl 17- als auch 60-jährige sich gemeinsam auf die Konfirmation vorbereiten. Ihrer Antwort entnehme ich, dass sie vieles von den älteren gelernt und einiges aus der Sowjetzeit erfahren habe, in der die religiöse Dimension des Lebens für viele Menschen völlig ausgeblendet gewesen sei.

Und Martins Vaickovskis, Pastor und Konfirmator der Gruppe, erzählt, wie in fast jedem Konfirmationsjahrgang ein Großvater oder eine Großmutter durch die Gespräche mit der Enkelin zur inneren Beschäftigung mit dem christlichen Glauben komme und dann am Konfirmationsunterricht teilnehme. Meistens sei es aber umgekehrt: die Großmütter haben dafür gesorgt, dass die Frömmigkeit in Lettland während der Zeit des verordneten Atheismus nicht ausgestorben sei.

Während der nächsten Tage begleite ich Bischof Einars Alpe und Dr. Rainer Stahl auf ihrer Reise durch die Diözese Daugavpils. Einars Alpe hat den Generalsekretär des Martin-Luther-Bundes eingeladen, damit dieser sich ein Bild machen kann von den kirchlichen Verhältnissen in der lettischen Provinz Letgallen.

Sie besuchen Kirchenvorstände, Gemeinderäte, Bürgermeister, treffen den röm.-
kath. Bischof in Rezekne, sind zum Tee eingeladen beim russischen Generalkonsul in Daugavpils und bei der Bürgermeisterin dieser zweitgrößten lettischen Stadt.

In den Gesprächen mit politisch Verantwortlichen geht es um die Zusammenarbeit auf sozialer und diakonischer und auch auf kultureller Ebene. Immer wieder wird gesagt, wie sehr man die Arbeit der Kirche schätzt.. In der „postsowjetischen“ und der nun von der Krise des Materialismus geprägten Zeit brauche die Gesellschaft Werte, die ihr zu mehr Menschlichkeit und Zusammenhalt verhelfen.

Der Bürgermeister in Balvi betont wie wichtig es ihm sei, dass nicht nur Straßen und Parks in seiner Stadt gebaut, sondern eben auch die „christlichen Werte“ repräsentiert werden.


Die Kirchenvorstände und Pastoren der Gemeinden, die wir besuchen, setzen ihre Hoffnung auf den „Martin-Luther-Bund“. Der begleitet und unterstützt lutherische Gemeinden und kirchliche Werke in der Diaspora z.B. in Chile, Brasilien, Russland, Kasachstan und eben auch in den baltischen Ländern. Bei der Finanzierung einiger Projekte in der Diözese Letgallen würde der Martin-Luther-Bund erstmalig helfen. Dr. Rainer Stahl verspricht als Generalsekretär des Bundes eine sorgfältige Prüfung der an ihn heran getragenen Wünsche.

In Balvi ist das Gemeindehaus fast fertig. Freunde und Mitglieder der Gemeinde haben gemauert, getischlert, gezimmert, sie haben Leitungen verlegt, Zeit und Geld geopfert. Nun muss innen weiter gearbeitet und für die Inneneinrichtung gesorgt werden. Nicht nur für die lutherischen Christen ist das Gemeindehaus ein wichtiger Treffpunkt geworden. Gläubige wie auch Zweifelnde, orthodoxe, katholische wie auch einige Atheisten fühlten sich durch die gemeinsame Arbeit verbunden.

Die Gemeinde will einladende Kirche auch für die sein, die nicht zu ihr gehören. Die Stadt Balvi würde gerne finanziell helfen, ist dazu aber nicht in der Lage, weil sie sich gegenüber den drei christlichen Konfessionen, die in ihr vertreten sind, neutral verhalten muss.

In Karsava hat die kleine Gemeinde ihr Kirchengebäude nach und nach wieder zu einem sakralen Raum umgestaltet. Während der Sowjetzeit wurde die Kirche als Kino genutzt. Jetzt möchte man die einsturzgefährdete, marode Sakristei in einen Raum für Gespräche und Andachten umbauen. Kirchen in anderen Orten waren in der sowjetischen Zeit Boxarenen, Lagerstätten für Schrott oder eben Traumfabriken bzw. Kinosäle.

Unter den Kirchenvorstehern, die uns mit lettischem Brot, Butter, Kuchen, Speck und Honig bewirten, treffen wir hin und wieder „Babuschkas“, die in den Dörfern während der Zeit des militanten Atheismus in ihre Häuser einluden, Gemeinschaft im Gebet pflegten, das Brot teilten und einander beistanden wie zur Zeit der Apostelgeschichte.

In der zweiten Septemberhälfte plant Bischof Einars Alpe einen Besuch in Deutschland. Wir hoffen, ihn auch wieder in Wennigsen begrüßen zu können.
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Heike L. aus Springe | 24.08.2012 | 21:05  
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