Anzeige

Rundweg am Suerser Berg in Gehrden mit Herrn Temps (26.04.2017)

  Wennigsen (Deister): Kneipp-Verein Wennigsen/Gehrden e.V. | Der Kneipp-Verein Wennigsen/Gehrden e.V. begab sich Ende April unter der Leitung von Helmuth Temps vom Heimatbund Gehrden mit 21 Kneippmitgliedern auf einen Rundgang um den Suerser Berg im Südwesten von Gehrden.
Die Bezeichnung „Suerser Berg“ weist auf die alte Siedlung Suersen hin, die wahrscheinlich in der Ro-dungszeit des 9. Jahrhunderts entstanden ist und im Bereich des heutigen von-Reden-Parks gelegen hat. Es ist anzunehmen, dass die Herren von Suersen diesen Siedlungsplatz in der Mitte des 14. Jahrhunderts aufgegeben haben, um innerhalb der Ortslage von Gehrden ein befestigtes Anwesen zu errichten. Die heu-tige Straßenbezeichnung „Am Castrum“ bezieht sich darauf.
Die Familie von Suersen starb 1608 im Mannesstamme aus. Durch Heirat ging der Besitz auf die Familie von Reden über. Franz Ernst von Reden hat 1650 ein neues Castrum auf dem alten Areal der früheren Siedlung Suersen errichtet und nach ihm „Franzburg“ genannt.

Die ca. 6 km lange Wanderstrecke startete im von-Reden Park. Bis auf wenige Mauerreste erinnert hier im Park nichts mehr an die Franzburg, die 1967 leider abgerissen wurde. 1959 vermachte Ottomar von Reden (1888-1959), zeitweilig auch Bürgermeister von Gehrden, diesen Park als Stiftung dem Landkreis Hanno-ver. Ein weiteres Geschenk an den Landkreis war die „Kuhweide“, wodurch die Standortfrage für das neu zu errichtende Krankenhaus zu Gunsten von Gehrden geklärt werden konnte. Vorbei an diesem 1963 er-richteten KRH-Klinikum Robert Koch, ging es durch den hellgrünen Laubwald, vorbei an dem Quellgebiet der Haferriede und weiter auf die höchste Erhebung des 120 Meter hohen Kniggenbergs oberhalb von Lemmie. Beim Anstieg kam die Gruppe an einem von der Landwirtschaftskammer Hannover betriebenen sogen. „Muttergarten“ vorbei. Hier stehen rd. 4000 kleine Apfelbäume, von denen Edelreiser gewonnen werden, die dann an Baumschulen zur Veredelung abgegeben werden.

Von dieser freien Anhöhe bietet sich zu jeder Jahreszeit ein traumhafter Blick ins Calenberger Land. Bei ganz klarem Wetter steht der Sicht von hier oben aus zum Brocken nichts mehr im Wege. Der kleine An-stieg hatte sich für die Ausflügler mehr als gelohnt. Deutlich wird von hier oben die wirtschaftliche Nutzung des Calenberger Landes. Zeugen des Kali-Bergbaus sind zu erkennen ebenso wie die des Anbaus von Zuckerrüben auf diesem fruchtbaren Boden. Die erste Zuckerfabrik im damaligen Königreich Hannover hat 1859 die Produktion in Gehrden aufgenommen. Während des Aufenthaltes auf dem Kniggenberg erfuhr die Gruppe auch, dass in den 1930er Jahren bei Gehrden Bohrtürme gestanden haben, um nach Erdöl zu suchen, allerdings ohne Erfolg.
Im weiteren Verlauf gelangten die Kneippfreunde zurück zum Hohlweg am südlichen Waldrand des Suerser Bergs und erreichten die Kaffeeküche, einen kleinen Teich. Der Ausdruck „Küche“ wurde abgeleitet von „Kate oder Köte“, was so viel wie „Hütte“ bedeutet. Erläuterungen gab es von hier aus auch zur Deister-S-Bahn-Strecke, die ursprünglich für den Transport der Deisterkohle gebaut wurde. Auf diesem Wege wurden die im 19. Jahrhundert neu entstandenen Industriebetriebe in Linden mit dem erforderlichen Brennstoff für ihre Dampfmaschinen versorgt.

Nach einer weiteren Walddurchquerung öffnete sich jetzt ein Blick von einem anderen Standpunkt aus über die blühenden Rapsfelder bis zum Weserbergland, Steinhuder Meer und Deisterkamm, der zu dieser wun-derbaren Jahreszeit das gesamte Spektrum aller Grüntöne präsentierte. Da es hin und wieder einen kleinen Regenschauer gab, der die Wolkenformation in allen Himmelsrichtungen zum Naturschauspiel erweckte, lud dieser Rundweg immer wieder zum Verweilen ein. Im westlichen Abschnitt des Suerser Bergs ging es vorbei an der Mergelkuhle, deren Abbauprodukte früher zu Düngezwecken genutzt wurden sowie entlang des Berggasthaus Niedersachsen. Bis unterhalb der Terrasse des ehemals märchenhaften Gebäudes mit der historischen Tripschen Parkanlage führte von 1898 bis 1917 sogar eine Nebenstrecke der Straßen-bahnlinie 10 bis zum Gasthaus.
Der Rückweg zum Ausgangspunkt führte die Gruppe unterhalb der Kuppe des Suerser Berges vorbei. Seit letztem Jahr weist dort eine vom Heimatbund Gehrden aufgestellte Tafel auf ein Hügelgrab in einem Stein-kreis mit zehn Metern Durchmesser hin, das in der Zeit um 1000 v. Chr. in der Übergangszeit von der Stein- zur Bronzezeit angelegt worden ist. Hier oben auf der Bergkuppe befindet sich auch das Holle-Denkmal, ein Gedenkstein für den in der Schlacht bei Waterloo gefallenen Carl Ludewig von Holle, geb. 1783, der als Vollwaise auf das Gut Franzburg nach Gehrden kam und dort aufwuchs.

Der naturbelassene Waldweg führte anschließend zurück zum Ausgangspunkt. Dieser Nachmittag hat den Kneippfreunden, dank der umfangreichen Ausführungen durch Herrn Temps, die Heimat ein Stück näher gebracht; und auf dem Gelände der früheren Franzburg, im Gedenkraum des Schützenhauses, der an die Geschichte der Familie Von Reden erinnert, konnten die beeindruckten Ausflügler bei Kaffee und Kuchen noch ein wenig entspannen.
1
Einem Mitglied gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.