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Auf Exkursion im Deister unter dem Motto Knigge, Kalk und Kohle

Das Bild zeigt die Wanderer mit Förster Ralf Schickhaus (Zweiter von links) in der Nähe der Bredenbecker Steinbeeke.
Wennigsen (Deister): Kniggesche Forst | Unter der Leitung des Kniggeschen Försters Ralf Schickhaus, der mittlerweile 2500 Hektar Wald einschließlich des Wennigsen-Argestorfer Genossenschaftsforstes und des Interessentenforstes Barsinghausen bewirtschaftet, machten sich 20 Wanderer des Kneippvereins Barsinghausen an einem sonnigen Tag auf den Weg, um sich im Bereich von Bredenbeck die Historie des Bergbaus in diesem Bereich näherbringen zu lassen. Der erste Punkt der Wanderung führte zunächst zum ehemaligen Kalkwerk, das demnächst abgerissen und der Natur durch Aufforstung wieder zurückgegeben wird.

Bis zum Jahre 1928 wurde hier der aus den Kniggeschen Steinbrüchen gebrochene Kalkstein gebrannt, anschließend gemahlen und mit einer Kleinbahn zum Bahnhof Weetzen zur Verladung auf die Waggongs der „Deutschen Reichsbahn“ gebracht. Auch die in diesem Bereich in den Kniggeschen Kohlebergwerken geförderte Kohle wurde von hier mit der Kleinbahn transportiert. Relikte aus dieser Zeit sahen die Wanderer in der Nähe des Schwarzen Weges, der seine Bezeichnung durch die Verwendung der Asche der Glashütte und des Kalkwerkes zu dessen Wegebau bekommen hat. An einem ausgemauerten Luftschacht konnte Förster Schickhaus schon zweimal Wildschweine aus ihrer misslichen Lage befreien, die in diesen ca. fünf Meter tiefen Schacht gestürzt waren. Unweit von dieser Stelle befindet sich das jetzt umzäunte Stumpe-Loch, in das sich eine depressive Frau in den etwa 90 Meter tiefen Schacht des ehemaligen Bergwerks gestürzt hatte, um so ihrem Leben eine Ende zu setzen. Weiter ging es von hier über Stock und Stein quer durch den Wald zum Marienstein. Dieser erhielt seinen Namen durch die Kronprinzessin Marie von Hannover aus dem Hause Sachsen-Altenburg, die spätere Gattin des erblindeten Hannoverschen Königs Georg V., die hier im Jahre 1843 die Aussicht ins Calenberger Land genoss.

Die Wanderung führte nun über den Schratweg Richtung Taternpfahl. An dieser Stelle mussten die Zigeuner drei Tage bleiben, bevor sie von einem berittenen Jäger begleitet in die Stadt Springe durften und nach wiederum drei Tagen weiterziehen mussten. In Höhe des Taternpfahles verläuft auch die Gesteinsgrenze zwischen dem Sandstein mit seinen Wealdenkohleadern und dem Kalkboden aus Muschelkalk und Kalkoolith, der durch viele ehemalige Kalksteinbrüche ausgebeutet wurde. Abseits des Weges konnten die Wanderer in den tiefen Krater eines solchen Steinbruches hinabschauen. Auf einem halb zugewachsenen Bremsberg des Steinbruches glitten die Wanderer über schlammigem Boden und querliegende Äste dem Steinbachtal entgegen, dessen Wasser lustig plätschernd dem Zusammenfluss mit dem Wennigser Mühlenbach in Evestorf entgegeneilten, um sich danach zur Ihme zu vereinigen. Am romantisch gelegenen Freiherr-Kniggeschen Forsthaus am Waldrand verabschiedeten sich die Wanderer vom Förster Schickhaus in dem Bewusstsein, einen lehrreichen Tag in dessen Gefilden verbracht zu haben.

Von Wanderführer Günter Höppner
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