Tausende von Besuchern bei „Mühlen um die Ecke“

Gottesdienst bei Holländermühle "Paula" in Steinhude | Foto: Rüdiger Hagen
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Der Pfingstmontag als Deutscher Mühlentag ist seit 1994 ein Feiertag der Müllerinnen und Müller. Im Bereich der Wassermühlen liegen über 1000 Jahre Mühlengeschichte hinter uns, bei den Windmühlen sind es etwa 800 Jahre. An diesem Tag wird verwiesen auf die Tradition dieser ersten Kraftmaschinen, die die menschliche Kultur und Existenz geprägt und ermöglicht haben. Dieser Tag ist leider auch ein Gedenk- und Erinnerungstag an das staatlich verordneten Sterben historischer Mühlen ab 1952 und erfreulicherweise an die Restaurationsphase der noch übriggebliebenen Kulturdenkmäler von den 80er Jahren an.
Im Bereich der Region Hannover und des nördlichen Landkreises Hildesheim gab es 2016 bei den Wasser- und Windmühlen, die noch existieren und nicht zu Wohnmühlen umgewandelt wurden, etwas Traditionelles, nämlich die Mühlen präsentierten sich als Symbole historischen Mühlenwesens und Zentrum von Volksfesten in ihrem – meist - dörflichen Umfeld von Gehrden, Bennigsen, Wichtringhausen, Machtsum, Asel, Wettmar, Burgdorf/Sorgensen, Laderholz, Vesbeck, Steinhude, Dudensen und Stadt Hannover/Lönspark,.
Neben dem traditionellen - seit Jahrzehnten verankerten Festcharakter gab es 2016 noch etwas Neues: Als Ausdruck historischer und neuer gegenwärtiger Gemeinsamkeit zwischen den Müllern lag ein neu geschaffenes Informations-Faltblatt („Flyer“) vor, in dem die o.g. Mühlenorte mit ihren historischen Kulturdenkmälern verzeichnet sind.
Mühlenbesucher können jetzt erstmalig nach dem Besuch der Mühle in XY mit Hilfe dieses Blättchens feststellen, dass es auch noch andere sehenswerte Objekte in erreichbarer Nähe – nämlich „um die Ecke“ gibt: Eine Besucherin in Wettmar: „Ich wusste gar nicht, dass in Sorgensen (10 km entfernt, RTB) auch noch eine Mühle ist.“ Jetzt hat sie eine Hilfe.
Nach den verschiedenen Rückmeldungen aus den einzelnen Orten kristallisiert sich heraus, dass der Flyer – mehr als voraus geahnt – eine wichtige Informationslücke schließt und gleichzeitig die Bestätigung liefert, wie notwendig die regelmäßige Kommunikation für die einzelnen MüllerInnen und Mühlenvereine in dem dahinter stehenden Gesprächskreis ist.
Und wie war es nun am Deutschen Mühlentag 2016 tatsächlich?
Neben den traditionellen Mühlenführungen, Geräteausstellungen, Freiluftgottesdiensten, Informationsständen, Kinderunterhaltungen, Verkaufsständen, Musikgruppen, Tortenbuffets, Würstchen-, Pizza-, Bierständen war das ganze Volksfest-Konsum-Programm vorhanden, aber: anders als beim Weihnachtsmarkt-Business in Hannover: Eigenhändig hergestellt, mit Liebe und Engagement angeboten! Und der Erlös für die Restauration der Mühlen zusammen getragen.
Dass auch hier der Amtsschimmel gewaltig dazwischen wiehert, ist z.B. in der Stadt Barsinghausen zu hören, die von dem Mühlenverein Wichtringhausen an der B 65 eine Halteverbots- und 30 km-Zone verlangt und damit erreicht, dass dafür 600 €, der Großteil des Tageserlöses, gezahlt werden müssen, die für die Renovierung der Mühlenböden eingeplant waren!
Abgesehen von solchen amtlichen „Fördermaßnahmen“ eines technischen Denkmals kann insgesamt wieder ein Besuchererfolg festgestellt werden. In Wichtringhausen waren 600 Rostbratwürstchen und der ganze selbstgebackene Kuchen bereits am Nachmittag verbraucht. In Wettmar und anderswo war es kuchenmäßig ähnlich. Bei den Wassermühlen wie z.B. in Laderholz oder Vesbeck hängen die Mahlmöglichkeiten immer von den jeweiligen Wasserrechten ab, die wie in der lange zurück liegenden Vergangenheit regeln, ob gestaut und das Wasser zum Antrieb beim Mahlen verwendet werden darf, was dem Festcharakter keinen Abbruch tut. Die Windmühlen haben es leichter, sie brauchen solche Rechte nicht zu beachten. Sie hatten am Mühlentag gute westliche oder südwestliche Winde in Stärke 4-5, manchmal böig und manchmal gegen 1-2 Beaufort Windstille strebend. Ja, hätte man z.B. in Wettmar nur mehr Dinkelgetreide auf Vorrat gehalten, dann hätte man den interessierten Besuchern mehr Dinkelmehl überlassen können.
Aber Wind und Wetter sind launisch: Der lange, warme, konstante Ostwind vor Pfingsten hatte die Mühlen und ihr hölzernes Räderwerk so ausgetrocknet, dass die Befestigungskeile reihenweise aus den Kammräder flogen und wieder eingesetzt werden mussten. In Wichtringhausen machte die Windrose in letzter Stunde eine Reparatur notwendig, in Machtsum hätte eine Windböe fast das aufgebaute Festzelt zerstört.
Doch war es ein sich wiederholender Erfolgstag: Geschätzt kamen zwischen 8000 bis 10 000 Besucher zu den vierzehn Standorten! „Glück zu“ bis zum nächsten Jahr!

700 Jahre Windmühlen-Technik!
430 Jahre Windkraft-Nutzung in Wettmar!

www.bockwindmuehle-wettmar.eu

Bürgerreporter:in:

Reinhard Tegtmeier-Blanck aus Wedemark

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