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Kann Jagd "Naturschutz" oder sogar "Sport" sein?!

  Am Samstag Morgen ging ich meine übliche Runde mit Molly und fand direkt am Waldrand auf einem unbefestigten Weg unliebsame Fundstücke. Zuerst fiel mir nur die zerbrochene Bierflasche auf, die dort auf dem Weg lag; daneben ein Zigarettenstummel. Molly konnte ich noch rechtzeitig vorbeilotsen und damit sich kein anderes Tier verletzt, hob ich die Scherben auf und sammelte sie in einer Tüte die ich meist dabei habe ein. Zuerst dachte ich an die üblichen Umweltverschandler denen ohnehin fast alles egal ist.

Als ich mit allerdings hinbückte sah ich außerdem ein paar leere Patronenhülsen und zu meiner Überraschung auch zwei scharfe Patronen, die wahrscheinlich der offiziellen Bezeichnung ".22 lfb" zu zu ordnen sind. Hier bei "Wikipedia" nachzulesen (bitte anklicken).
Dabei handelt es sich um Bleigeschosse, wie ich schon der Farbe nach vermutet hatte, wobei bei einer Patrone offenbar die Spitze abgefeilt wurde. Blei ist ein umweltschädliches Schwer- aber auch sogenanntes Weichmetall, das heißt, es verformt sich oder zersplittert, wenn es auf Widerstand trifft. Das durchschlagende Projektil verformt sich also wenn es im Körper auf Widerstand (zum Beispil Knochen) trifft und zerreißt das Tier innerlich, so dass es auf jeden Fall verblutet, auch wenn es angeschossen noch flüchten kann. Wie ein Austrittsloch aussehen kann, kann man hier bei "jagderleben" anschauen (bitte anklicken).

Aus "humanitären" Gründen wurden solche Dum-Dum- oder auch Teilmantelgeschosse im Krieg verboten. Der Name Dum-Dum-Geschoss leitet sich von dem indischen Ort Dum-Dum ab, in dem eine Munitionsfabrik für die Briten eben diese Geschosse herstellte, mit der im zweiten 19. Jahrhundert auf afghanische  Bergvölker geschossen wurde; die aber von den Briten auch in Afrika eingesetzt wurde. Hier bei "Spiegel.de" in einer älteren Ausgabe nachzulesen (bitte anklicken).

Zwischenzeitlich werden die Geschosse nicht nur in den USA sondern auch in Deutschland wieder in einer "aufbereiteten" Form zur "Verbrechens- und Terrorbekämpfung eingesetzt". Was aber ein Thema für sich wäre. Hier bei "Wikipedia" nachzulesen.

Als Tierfreund war ich aus verschiedenen Gründen ein ganzes Stück weit entsetzt über diesen Fund, der auch schlechten Schützen den "Erfolg" bei der Jagd weitgehend sichert und ein Tier regelrecht innerlich zerfetzen kann; vor allem wenn es nur darum, geht eine Jagdtrophähe zu "sichern".
Aber auch die Tatsache, dass es sich wahrscheinlich um einen angetrunkenen oder gar volltrunkenen Jäger gehandelt hat der diese Gegenstände dort verloren und liegen gelassen hat, gibt ja mehr als zu denken. Muss ich also zukünftig tatsächlich Angst vor einem hier in der Gegend auftauchenden Wolf haben oder mehr vor der Tatsache von einem alkoholisierten Jäger an- oder gar erschossen zu werden.

Da die Fundstelle abseits jeder Durchgangsstraße liegt, liegt auch die Vermutung nahe, dass sich derjenige in diesem Zustand mit seinem Fahrzeug vom Ort des Geschens entfernte. Auch der tote Dachs den ich kurz darauf fand, lag nur eine kurze Strecke entfernt auf dem Weg ins nächste Dorf.

Das war übrigens nicht meine erste Begegnung mit Betrunkenen "Jagdgenossen". So traf ich einmal eine komplette Jagdgesellschaft in teuren Fahrzeugen der Mercedes-Klasse unter Begleitung mehrerer Hostessen, die mich mit schon etwas schwerer Zunge aufforderten, dort nicht weiter spazieren zu gehen, weil da gleich die Kugel fliegen würden. Da ich nicht lebensmüde bin, bin ich der Aufforderung nachgekommen ... wütend aber auch ohnmächtig, weil dieser Spaß am Töten offenbar in dieser Gesellschaft absolut gesellschaftsfähig ist. Für mich steht er weder mit Naturschutz und schon gar nicht mit Sport in irgendeinem Zusammenhang.
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9 Kommentare
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Wolfgang Fabisiak aus Hemmingen | 08.07.2019 | 22:01  
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Eugen Hermes aus Bochum | 08.07.2019 | 22:16  
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Peter Müller aus Wallersheim | 08.07.2019 | 22:41  
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Romi Romberg aus Berlin | 08.07.2019 | 22:42  
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Jürgen Daum aus Duisburg | 08.07.2019 | 22:55  
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Ulrich Schuppe aus Breidenbach | 09.07.2019 | 08:03  
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Peter Müller aus Wallersheim | 09.07.2019 | 20:10  
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Wolfgang Wirtz aus Duisburg | 09.07.2019 | 23:34  
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Peter Müller aus Wallersheim | 11.07.2019 | 12:10  
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