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Heute vor einem Jahr ...

28. Februar 2019
 
Entscheidungskriterium Ohren: Links Molly, rechts Fee.

... kam Molly aus Spanien in Neuss an.

Abgemagert und unsicher saß sie in ihrem Transportbehälter ganz hinten im Fahrzeug und ich erkannte sie sofort. Molly hatte während der ganzen etwa 24-stündigen Fahrt noch nicht einmal ein "kleines Geschäftchen" in ihrer Box hinterlassen, wurde mir erzählt.
Da scheinbar niemand der/die Erste sein wollte, bin ich schnell zum Fahrzeug, habe sie schon in ihrer Box begrüßt und sie sofort in Empfang genommen. Anschließend konnte sie dann erst einmal ihre Bedürfnisse befriedigen. Leider warte ich bis heute vergeblich auf die Bilder, die seitens der "Tierschützerin" von deren Organisation ich Molly "gekauft" hatte, gemacht wurden. Auch wenn es bis zur Übernahme reibungslos verlief, war ich trotzdem enttäuscht vom gesamten Verhalten dieser Organisation. Zertifiziert nach §11 heißt so gut wie gar nichts, denn wie kann man Menschlichkeit zertifizieren?!

Aber das soll hier nicht Thema sein und Molly trägt daran ja nun einmal überhaupt keine Schuld. Sie hat sich in allem super entwickelt und ein Verhalten und einen Lernwillen gezeigt, der seinesgleichen sucht. Erst einmal hatte sie alle "Thunfischpralinen" die ich selbst gemacht hatte, restlos aufgefuttert und auf der Heimfahrt sucht sie erst die von mir entfernteste Ecke im Wohnmobil auf, die ihr möglich war. Damit sie mir nicht versehentlich zwischen die Pedale lief, hatte ich sie lang angeleint, so dass sie sich trotzdem bewegen konnte. Sie verhedderte sich allerdings dabei mit den Hinterbeinen so in der Leine, dass sie kaum noch laufen konnte und sie sich dann mühsam zu mir nach vorn bewegte. Sie schaute mich mit fragenden Augen an und ich hatte schon nach einem Haltplatz Ausschau gehalten.
Als ich die Leine entwirrt hatte, ließ sie sich von mir streicheln und schaute mich dabei groß an. Dann ging ein Lächeln über ihr Maul und sie entspannte sich, legte sich neben den Fahrersitz und blieb dort liegen. Sie ließ sich fast die ganze Fahrt über mit einer Hand streicheln, was auf der rechten Spur der Autobahn keine große Ablenkung darstellte. Erst als wir bei Blankenheim die A1 verließen, brauchte ich wieder beide Hände zum Fahren.

In der Wohnung angekommen wurde erst einmal kurz alles inpisziert; anschließend mein Bett für die erste Ruhepause in Beschlag genommen. Die ersten Spaziergänge fanden noch an einer Schleppleine statt. Aber wie das meiste, was mir seitens der Organisation über Molly erzählt wurde, gehörte auch Leinengängigkeit nicht zu dem was Molly beherrschte ... wie so vieles andere auch. Durch Gina und Fee hatte ich aber Erfahrung genug mit dem was sich so Tierschutz nennt und war offen genug, Molly ganz anderes Verhalten zu akzeptieren und mit ihr daran zu arbeiten. Hierbei kam mir auch meine Ausbildung als Hundetrainer zu Gute und die Informationen, die ich über verschiedene Wege gesammelt hatte.
Alles in allem kann ich sagen, es war eine sehr gute Wahl und dies, obwohl ich sie nach äußeren Kriterien getroffen hatte, denn Molly große Podenco-Ohren erinnerten mich sehr an Fee. Aber es war wie es bei einem Hund aus dem Tierschutz so ist, "die Katze im Sack".

Allerdings war mein Hauptaugenmerk auch ihr Alter ... sie war bei ihrer Ankunft bereits über 9 Jahre alt ... denn ältere Hunde finden meist nur schwer einen Platz, während die knuddeligen Welpen natürlich am meisten gefragt sind. Dabei sind ältere Hunde meist schon stubenrein und kennen viele Dinge, die junge Hunde erst noch lernen müssen. Allerdings bringen sie eben ihre Eigenarten mit, die sie in ihrem Leben gelernt haben ... mit denen sie überleben mussten. Dies muss man bereit sein zu akzeptieren und es bedeutet keinesfalls, dass dies so bleiben muss, denn im Gegensatz zu den meisten Menschen die ich ennen gelernt habe, sind Hunde bereit dazu zu lernen ... auch im vorgeschrittenen Alter. Natürlich muss man auch Abstriche machen, denn die Erfahrungen, die ein Hund aus dem Tierschutz mitbringt, haben ihn nun einmal geprägt. Zeit und Toleranz braucht man dazu auf jeden Fall ... aber ich kann bisher nur zu jedem Hund sagen:

Es hat sich gelohnt!

Mir hat es Freude bereitet zu sehen, wie ein Hund sich ins Leben zurück entwickelt, wie seine Augen wieder vor Lebensfreude strahlen und er es mit allem dankt, was er hat.


Das was zurück kam, erhält man von den meisten Menschen nicht zurück: Liebe, Treue, Vertrauen und Ehrlichkeit ... was nicht heißt, dass ich ein Menschenhasser bin und mich auf mein Tier zurück ziehe um den Menschen aus dem Weg zu gehen. Aber wenn ich wählen muss, wem ich vertraue, dann vertraue ich eher einem Hund ... denn schon Mark Twain wusste:

Wenn du einen hungernden Hund aufnimmst und fütterst, wird er dich nicht beißen. Das ist der wesentliche Unterschied zwischen einem Hund und einem Menschen.

Vielen Lesern wird gerade der letzte Teil meines Beitrags wahrscheinlich "gegen den Strich gehen" ... und doch, genau so ist auch meine ganz persönliche Erfahrung.

Gina und Fee habe ich dabei nicht vergessen, denn wie kann man gute Freunde vergessen!

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20 Kommentare
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Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister | 10.03.2019 | 12:46  
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Ralf Springer aus Aschersleben | 10.03.2019 | 13:58  
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Eugen Hermes aus Bochum | 10.03.2019 | 14:00  
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Hannelore Schröder aus Sehnde | 10.03.2019 | 14:22  
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 10.03.2019 | 15:44  
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Sabine Presnitz aus Schwabmünchen | 10.03.2019 | 19:15  
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Peter Müller aus Wallersheim | 10.03.2019 | 20:42  
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Renate Schuparra aus Duisburg | 10.03.2019 | 22:46  
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Romi Romberg aus Berlin | 11.03.2019 | 01:13  
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Nicole Käse aus Wunstorf | 11.03.2019 | 16:09  
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Peter Müller aus Wallersheim | 11.03.2019 | 16:19  
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Gabriele F.-Senger aus Langenhagen | 11.03.2019 | 17:51  
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Peter Müller aus Wallersheim | 11.03.2019 | 19:28  
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Francis Bee aus Hannover-Südstadt | 14.03.2019 | 03:45  
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Peter Müller aus Wallersheim | 14.03.2019 | 09:50  
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Francis Bee aus Hannover-Südstadt | 14.03.2019 | 16:21  
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Peter Müller aus Wallersheim | 14.03.2019 | 17:11  
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Francis Bee aus Hannover-Südstadt | 14.03.2019 | 17:23  
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