Heute mal ein Märchen für die Enkelkinder
Lumi Grauso Mähni Teil 8
- hochgeladen von Wolfgang Weiss
Der Morgen begann mit einem lauten Piepsen. Grauso hatte nachts trainiert und war über das Sideboard auf das Fensterbrett geklettert. „Leute! Lumi! Mähni! Kommt schnell! Ich habe eine neue Art von Käse entdeckt! Er ist silbern, fliegt aber nicht!“
Lumi und Mähni seufzten gemütlich und kletterten langsam zu ihm hinauf. Mähni thronte auf der breiten Marmorplatte des Fensterbretts, Lumi und Grauso saßen daneben. Mähni schloss die Augen und genoss die Wärme der Sonne.
„Das ist kein Käse, Grauso“, brummte er und hob eine große Pfote. „Das ist ein Kunstwerk.“
Vor ihnen, genau dort, wo die Sonne am hellsten auf das Marmor fiel, stand eine kleine Schar von Wesen, die ganz anders aussahen als die Wandeidechsen:
Der Glas-Schmetterling: Seine Flügel bestanden aus buntem Glas und feinen Silberdrähten. Er sah aus, als wäre er mitten im Flug versteinert worden.
Die Elefanten-Brüder: Zwei winzige, gealterte Bronzeelefanten, die so aussahen, als wüssten sie alle Geheimnisse der Welt, standen geduldig daneben.
Grauso piepste enttäuscht. „Wenn er nicht essbar ist, wozu ist er dann gut? Lumi, kannst du ihn zum Sprechen bringen?“
Lumi legte eine Pfote an ihr Herz und konzentrierte sich. Sie spürte eine tiefe Traurigkeit, die von dem Schmetterling ausging. „Pst“, flüsterte sie. „Er kann nicht sprechen, weil er nicht fliegen kann. Seine silbernen Beinchen sind fest mit der Metallstange verbunden. Er sehnt sich nach dem Himmel.“
Grauso sprang auf und ab. „Dann befreien wir ihn! Ich hole Mähnis Krallen und...“
„Nein, Grauso!“, rief Mähni streng. „Seine Gestalt ist Teil seiner Magie. Wir müssen einen anderen Weg finden.“
Lumi blickte zum Himmel. „Ich weiß es!“, rief sie verzückt. „Glaube und Licht. Wir können ihn nicht zum Fliegen bringen, aber wir können ihm seinen Traum schenken.“
Sie erklärte den Elefanten ihren Plan, die weise mit den Köpfen nickten. Lumi und Grauso fingen an, kleine, glänzende Gegenstände zu sammeln, die sie auf dem Fensterbrett fanden: ein paar Kieselsteine, einen kleinen Metallknopf und die goldenen Miniatursterne von ihrer letzten Rettungsmission. Sie ordneten diese Schätze in einer Reihe an, die wie ein magischer Laufsteg wirkte.
Dann bat Lumi Mähni, sich genau so zu thronen, dass sein Schatten einen Teil des Lichts abhielt, aber den Schmetterling unberührt ließ. Die beiden weisen Elefanten positionierten sie als Wächter.
Als der Sonnenstrahl genau im richtigen Winkel durch das Glas des Schmetterlings fiel, passierte es: Seine Flügel fingen an zu glühen. Aber sie leuchteten nicht nur – sie begannen, bunte, tanzende Schatten auf den Marmor zu werfen. Es sah aus, als würden tausend winzige, farbige Schmetterlinge über das Fensterbrett flattern.
Lumi schloss die Augen und lächelte. „Siehst du, kleiner Freund? Du fliegst nicht mit deinem Körper. Aber du fliegst mit deinem Licht. Jeder bunte Schatten ist ein Teil deiner Seele, der die Welt berührt.“
Grauso war sprachlos, was selten geschah. Er sah, wie Lumi im Licht der tanzenden Schatten leuchtete. „Das ist... fast so schön wie echter Käse“, hauchte er.
Selbst Mähni schien ein wenig heller zu strahlen. Der Schmetterling war stumm geblieben, aber Lumi fühlte, dass sein Herz nicht mehr schwer war. An diesem Morgen hatten sie gelernt, dass wahre Freiheit nicht immer Flügel braucht, sondern manchmal nur ein wenig Licht und sehr viel Glaube.
Bürgerreporter:in:Wolfgang Weiss aus Untermeitingen |
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