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“Wo die liebe hinfällt, schlägt sie sich das Knie auf”

Ulm: Roxy Halle 2 | Das Stimmengewirr unter den zahlreich erschienenen Gästen im Ulmer Roxy wurde kurz vor Beginn des Poetry Slams immer lauter. Fans von Lyrik, Lebensgeschichten, Reimen und skurriler Wortakrobatik hatten es sich um kurz vor 20 Uhr in der gemeinnützigen Kultureinrichtung mit Bier und Kaffee gemütlich gemacht, um den Kreationen der sieben Künstler zu lauschen.

“Wo die liebe hinfällt, schlägt sie sich das Knie auf”, leitete die blonde Pauline ihre kritische Weltsicht auf emotionale, zwischenmenschliche Beziehungen ein. Mit ihren kurzen Gedichten wärmte sie schon als zweite Teilnehmerin die Gäste im Roxy auf bewies Saraksmus durch Aussagen wie: “Das nächste Gedicht ist ein Einzeiler und heißt Zukunftsperspektive.” Rat- und Orientierungslosigkeit hatte sich auch der Favorit und Lokalheld aus Ichenhausen, Max, zu Herzen genommen und die Themen zum Mittelpunkt seines Vortrags erkoren. Er selbst stellte sich als perspektivlosen Studenten dar, der erst einmal “grün hinter den Ohren” werden müsse. Nicht allzu selten war er mit Sprüchen konfrontiert, wie: “Der soll erst einmal leben und nich den vom Weltschmerz gepeinigten geben!” Doch gegen Ende kommt die Kehrtwende: Voller Tatendrang, Enthusiasmus und Optimismus schüttelt er jeglichen Zweifel und alle Ängste von sich ab, um Wände ein- und Bäume auszureißen.
Eine ganz andere Art von Begegnung stand bei der jungen Carmen auf dem Programm, die in Hamburg auf einen äußerst nervtötenden Gesellen traf. Dieser inspirierte die Münchnerin gleich zu einem Text, der zu 90 % wahren Tatsachen entsprach und allen Menschen gewidmet war, die das Mädchen verachtet. Dieser entpuppte sich als widerwärtigen Zeitgenossen, der ihre Magensäfte in Wallungen geraten ließ. Der Racheakt folgte nach der nötigen Portion Hochprozentigem, indem sie ihr Mittagessen letztendlich auf ihn ergoss und eine Spagetti-Nudel ironisch hin- und her schwankte.

Doch auch ihre Nachfolger konnten in Sachen Sarkasmus, Witz und brodelnden Gefühlsausbrüchen mithalten. Reisen, Beziehungen, Liebe, Alkohol wurden immer wieder in die Bühnenauftritte eingewebt. Schließlich kann man sich ja manchmal selbst mit den Erfahrungen der Künstler identifizieren und darin liegt auch der Reiz des poetry Slams. Es sind Geshichten von Freaks mit Hang zur klingonischen Sprache oder der Wanderurlaub, der im Zelt mit verschwitztem Schlafsack und nasser Katze endet und die doch, gerade wegen ihrem negativen Verlauf auf die Sympathie der Zuschauer stoßen.
Es handelt sich um alltägliche Beobachtungen oder Erlebnisse, die auf einzigartige Wiese aufgearbeitet werden. Mal tiefsinnig und philosphisch, mal keck und witzig, aber immer kritisch hinterfragten die Teilnehmer ihre Umwelt, die Gesellschaft, die sie umgab und brachten das Ulmer Publikum mit ihren Darbietungen zum Toben. Und das ein oder andere Zitat wird so manchem Besucher als Lebensweisheit in Erinnerung bleiben: “Wenn man der Nase nachläuft, gibt es nur zwei Richtungen: Nach vorne und gerade aus!”
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