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TSV Katensen beim NordseeMan 2018 vertreten

nach dem Wettkampf im Ziel und Wechselbereich - geschafft aber glücklich
 
..ein Eindruck des Wasserstarts..
Ein Erfahrungs- , Trainings- und Wettkampfbericht von Marcus Huber

Marcus, der seit Jahren bei diversen Triathlon, Marathon- und Laufveranstaltungen immer für den TSV Katensen an den Start geht, hat erfolgreich beim 13. NordseeMan über die klassische Mitteldistanz Triathlon Strecke teilgenommen.

Angefangen hat alles im Winter 2017, als die Wettkampfplanungen für das Jahr 2018 anstanden. Nach bereits 4 Jahren in dem Sport und diversen Starts bei Sprint- und olympischen Distanzen (1,5/40/10Km) musste eine neue, und bis dato größte Herausforderung her. Die Wahl fiel auf die Mitteldistanz im August in Wilhelmshaven. Genug Vorbereitungszeit über das gesamte Jahr und den Sommer, flaches Terrain, gute Erreichbarkeit, günstige Startplätze und kleines familiäres Event. Genau der richtige Ort für den ersten Wettkampf über 1,9km schwimmen, 90km Rad fahren und im Anschluss einen Halbmarathon über 21,1km.

Im April startete die intensive Vorbereitung auf den Wettkampf. Eine Leistungsdiagnostik im Olympiastützpunkt Hannover mit kardiologischer Untersuchung und ein „Bikefitting“ beim deutschen Meister über die Langdistanz von 2017, Jan Raphael aus Hannover, gaben den letzten Schliff auf dem Rad und der Laufstrecke. Ein Arbeitskollege, der ehemaliger deutscher Meister auf der Kurzbahn im Freistil ist, stand bei einigen Schwimmeinheiten mit Rat und Tat zur Seite.

Nach über vier Monaten intensiver Vorbereitungszeit, bestehend aus knapp 35 Kilometern Schwimmtraining im Freibad, fast 2000 Kilometern auf dem Rennrad und gut 500 Laufkilometern durch Feld und Flur, aufgeteilt auf ein 18-wöchiges Trainingsprogramm mit bis zu 12 Wochenstunden an 4-6 Tagen in der Woche, ging es mit gepackten Sachen und allerlei Equipment und dem Rad im Kofferraum auf nach Wilhelmshaven.
Am Samstag, dem Vortag des Rennens, galt es erstmal Hotelzimmer beziehen, einrichten, Startnummer abholen sowie Wettkampf- und Wechselzone besichtigen. Bei der obligatorischen Pasta-Party am Vorabend durfte es auch schon mal ein kleines Bier gegen die Aufregung sein.

Bei perfekten Bedingungen mit Temperaturen um die 18 Grad, leicht bewölkt und kaum Wind ging es, mit einer gehörigen Portion Respekt und mulmigen Gefühl im Bauch, aber zum Glück mit Neoprenanzug, in den 23 Grad „warmen“ Ems-Jade-Kanal. Gestartet wurde in mehreren Wellen mit je 40-50 Startern. Gleich beim Wasserstart ein Missgeschick. Beim ins Wasser gleiten zog ich mir an einer Muschel einen kleinen Riss unter dem Fuß zu. Das Salzwasser und Adrenalin taten aber ihr Gutes und ich merkte es im Verlauf kaum noch.
Zu „Hells-Bells“ und einem Böllerschuss ging es dann los. Gewöhnungsbedürftig waren das Salzwasser und diverse Quallenteppiche, durch die die Triathleten schwimmen mussten. An der Wendeboje, nach 950 Metern zeigte die Uhr eine Zwischenzeit von erstaunlichen 16 Minuten, was aber der Tatsache geschuldet war, dass wir mit der Strömung schwommen. Ernüchterung, aber noch voll im Soll beim Ausstieg – die Uhr zeigte 39 Minuten.

Dann in die Wechselzone, Neoprenanzug runter, Mund ausspülen von dem ekeligen Salzwasser, rein in die Radschuhe und bis zur Markierung laufen, ab der man aufsteigen und los fahren darf. Es lief von Anfang an. Der Wind frischte zwar merklich auf und es waren steife Böen dabei aber es lief. Es waren 5 Runden zu absolvieren. Es ging durch Wilhelmshaven nach Norden Richtung Küste zur Wende- und Verpflegungsstation. Herzfrequenz und ein Schnitt von 34Km/h waren voll im Soll. Es waren da aber noch gut 60 Kilometer zu fahren. Nachdem man nun die Strecke kannte und sich an die Beschaffenheit gewöhnt hatte, begann auch das rationale Denken wieder. Hält die Technik? Gibt es eine Panne? Wie reagiert der Magen unter der Belastung auf die Energie-Gels und Getränke die ich dabei hatte? Man kann alles im Training unter wettkampfnahen Bedingungen simulieren und trainieren, aber im Wettkampf über 5-6 Stunden können so viele unvorhersehbare Dinge passieren, dass man mit allem rechnen muss.

Aber auch die Radleistung stimmte an diesem Tag auf den Punkt. Der Km/h-Schnitt konnte gehalten werden und nach einer Splitzeit von 2 Stunden und 38 Minuten konnte ich das Rad in die Wechselzone schieben. Jetzt nur noch die Laufschuhe an, Käppi auf, Gel einstecken und los Richtung Deich – sind ja nur noch 21 Kilometer;-)

Da begann dann der Spaß – der böige Wind frischte zum Mittag mal richtig auf und am Deich wehte eine ordentliche Brise. Auf den vier Runden musste man also gleich mehrmals dagegen ankämpfen. Aber auch daran war ich durch den Wind in den heimischen Gefilden im Training gewöhnt. Und es lief wieder und ich begann das rechnen, „was heute wohl noch so geht“! Knapp 40 Minuten im Wasser – ca. 2:40 auf dem Rad, paar Minuten Wechselzeit – was ich nicht für möglich gehalten habe – es könnte eine Zeit um die 5:30 werden.

Laut Plan und Diagnostik waren, mit etwas Reserve zwischen 5:30 und 6 Stunden geplant. Und da ich bei mittlerweile dreißig Lauf- und Triathlonwettkämpfen nicht einmal ein DNF (did not finish) in den Ergebnislisten stehen hatte, galt auch heute als vorrangiges Ziel – ankommen. Ab Kilometer fünfzehn, sechzehn meldete sich plötzlich der Magen. Bis dato war alles fein. Muskeln, Sehnen, Bänder, alles hielt, keine Krämpfe oder Gehpausen. Aber der Magen war die größte Unbekannte bei fortschreitender Dauer. Wie sich herausstellte verlangte er, nach der letzten festen Mahlzeit morgens um Sieben zum Frühstück, einfach mal wieder nach etwas Festem. Denn in den letzten Stunden waren, Gels, Energie- Isodrinks, sowie Cola und Wasser die Hauptnahrungsquelle. Nach dem Verzehr einer an der Verpflegungsstation gereichten Banane ging es dann auch wieder.

Es lief so gut, dass der Halbmarathon dann in 1:54 zu Ende ging. Überglücklich und geschafft wurde ich, wie viele andere an diesem Tag im Zielbogen mit den Worten „Du bist ein NordseeMan“ empfangen – in dem Moment ein geiles Gefühl – auch wenn man sich schlapp und etwas leer fühlt. Nachdem die müden Geister mit alkoholfreiem Bier, Melone, Banane und allerlei Knabberkram im Zielbereich wieder etwas geweckt waren, galt es die Familie per WhatsApp zu informieren, dass man etwas erschöpft aber gut und wie im Vorfeld vereinbart, pünktlich zum Kaffee im Ziel angekommen ist.

In der Endabrechnung und Ergebnisliste stehen an diesem Tag zu Buche eine Bruttozielzeit von 5:18:58. Was in der Altersklasse Männer 40-45 mit dem 9. Platz von 27 Startern sogar eine Top Ten Platzierung ergibt. In der Gesamtabrechnung macht das den 75. Platz von 208 Startern. Unter den Platzierten, gut eine halbe Stunde vor mir im Ziel u.a. auch der Tagesthemen- und Nachrichtensprecher Thorsten Schröder, der es sich als Ironman-Hawaii Finisher nicht hat nehmen lassen, in der Nähe seiner Heimatstadt Hamburg, in Wilhelmshaven zu starten. Er war im Ziel ein gefragter Interview- und Selfiepartner. Im Rahmen dieses Events wurden auch der Navy Marine Cup sowie die deutsche Meisterschaft der Triathleten mit körperlichen Behinderungen ausgetragen.

Nach der heißen Dusche im Hotel und nachdem alles wieder verstaut war ging es auf den Weg nach Hause. Ein Muss an diesem Tag, bei dem etwas mehr als 5000 Kalorien auf der Strecke geblieben sind, ein kurzer Stopp bei einem beliebten amerikanischen Schnellrestaurant, um die Speicher wieder zu füllen.

Nach dem erfolgreichen Tag und dem guten Abschneiden bei der ersten Mitteldistanz stellt sich die Frage nach der nächsten Saison und nächsten Zielen. Ich lasse es auf mich zukommen. Nachdem die Familie lange hinter dem Training anstehen musste, wird jetzt erstmal viel nachgeholt. Im nächsten Jahr stehen bestimmt spontan ein paar kleinere Wettkämpfe oder Läufe an, alles was sich gut mit der Familie vereinbaren lässt. Eine Langdistanz muss daher bis auf weiteres noch warten. Diese vielleicht eines Tages mal zu „finishen“, läuft mir ja nicht weg!!!
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