Bretterwelt verursacht Gänsehaut

Akrobatisches Vorprogramm von CircO-Hannover.
Im abwechslungsreichen Programm der Woche im Kulturzelt Uetze gaben am Sonntag Abend die Akteure des Theaters Bretterwelt das Stück Die Zoogeschichte (von Edward Albee) zum Besten. Auf einer minimalistisch mit einer einzelnen Parkbank bestückten Bühne versetzten David Dämmer als Jerry und Thomas Stolze als Peter die Zuschauer in den New Yorker Central Park an einem sonnigen Sonntagnachmittag. Eine Unterhaltung zwischen zwei sich zufällig begegneten Fremden beginnt. Die Dialoge zwischen den Beiden plätschern am Anfang recht belanglos, werden aber zunehmend bizarrer. Die Rollen scheinen klar verteilt zu sein, Peter der Normalo mit Frau und Kindern, und Jerry, der immer deutlicher werdende psychopathische Züge annimmt.
In der Mitte des Stückes scheint es fast, als wären aus Fremden Freunde geworden, man duzt sich, lacht zusammen, erzählt einander aus dem jeweiligen Leben. Und von da an kippt die Story, die Rollen kehren sich allmählich um. Peter ist fasziniert und angewidert zugleich von Jerry. Dieser hatte von Anfang an die sprachlichen Zügel übernommen und nutzt nun jede Gelegenheit, Peter zu provozieren. Am Schluss eskaliert die ganze Szene - in einem überraschenden Ende.
Die beiden Schauspieler trugen diesen Einakter nicht nur vor, sie lebten ihre Rollen. Da stimmte jede Mimik, jede Geste, jedes Erheben der Stimme war pure Authentizität und ließ die Zuschauer auf ihren Stühlen zusammenzucken. Der Beifall für dieses großartige Theater? Natürlich stehend.

Im zweiten Teil des Abends wurde Wilhelm Busch lebendig. In der „Wilhelm-Busch-Revue“ schlurfte der Dichter höchst selbst (mit Hut und Pfeife und falschem Bart) in das Kulturzelt und erzählte seine Biografie und so einiges aus seinem Leben. Diese Passagen wechselten mit Diaprojektionen seiner Bildergeschichten, wunderbar gelesen von verschiedenen Schauspielern des Theaters Bretterwelt. In lebenden Bildern machten die Akteure andere Gedichte Buschs zu Kurzgeschichten. Gerahmt, untermalt und unterbrochen wurde die interaktive Revue mit Musik der Uetzer Gruppe „Abigail“. Großartige Schauspieler, stimmige Musik und fähige Techniker (Jochen, Sören und Steffen vom Pavillon) beglückten ein dankbares Publikum.
Dieses war der zweite Streich und der nächste folgt – nicht sogleich, sondern am Dienstag mit „Der bekloppten Republik“ und dem genialen Dietmar Wischmeyer.
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2 Kommentare
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Sonja Trautmann aus Uetze | 08.09.2008 | 22:08  
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Moor Frau aus Uetze | 08.09.2008 | 22:48  
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