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Eine Rezension über „Die Hinrichtungsstätte des Amtes Meinersen“

Umschlagbild, mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Für die Leser von myHeimat und der Beilage „Anzeiger für Uetze...“ in der Hannoverschen Presse: Auszüge des Buches sind vorab bereits gedruckt und als Artikel im „Anzeiger“ veröffentlicht worden. Wer die ganze Wahrheit über Criminal-Geschichte(n) des Amtes Meinersen (zu der auch die Vogtei Uetze gehörte) lesen möchte, dem sei dieses Werk ans Herz - oder unter den Weihnachtsbaum - gelegt.

Der Autor des Werkes, Matthias Blazek, hat inzwischen Erfahrung in der Verarbeitung historischer Schriften. Diese Quellensammlung nun, wie es im Untertitel bescheiden heißt, behandelt die drastische Geschichte der Justiz im Bezirk des Amtes Meinersen. Die Justiz selbst sei ein dunkles Kapitel der (deutschen) Geschichte, urteilt der Verfasser in seinem Eingangstext. Die Beweise bleibt er nicht schuldig und hat auf 150 Seiten haarsträubende Tatsachen und Berichte zusammengefasst und detailliert beschrieben.

Das Werk ist spannend wie ein fiktionaler Text, so recht zum Gruseln beim Lesen. Doch der wohlige Schauer, der normalerweise Leser bei Kriminalromanen erfasst, ist hier ein bleibender, gruselerzeugender Eindruck, denn das im Buch Beschriebene ist wahrhaftig passiert. Schauplatz ist die Gegend der zum ehemaligen Amt Meinersen gehörenden Ortschaften und Gerichtsbarkeiten über einen Zeitraum von einigen hundert Jahren.

Matthias Blazek führt explizit Taten und Strafen auf, eingehend recherchiert bis ins letzte Detail, teilweise in Originalauszügen wiedergegeben. Dabei gerät der an sich trockene Stoff trotz der vielen Vermerke, Verweise und Zitate nie langweilig sondern gewinnt durch die sachlich beschreibenden Rahmentexte und zeitentsprechenden Formulierungen des kundigen Autors.

Die Zurückhaltung tut dem Werk gut, die eigene Vorstellungskraft des Lesers wird so gefordert - und teilweise sogar überfordert, wenn die grausamen Praktiken und Quälereien der vergangenen Zeit vor dem geistigen Auge lebendig werden. Die Fantasie des Lesers wird durch Abbildungen, Fotos und Kopien zusätzlich angeregt.

Nach dem Genuss dieser Lektüre kann der Begriff der Guten Alten Zeit nur noch als absurd empfunden werden. Schwache Gemüter seien gewarnt, die Beschreibungen des Autors über die vergangenen Kriminalfälle, grausame Folter und unmenschliche Strafen gehen sehr zu Herzen. Allein Blazeks sachlicher Umgang mit dem Thema - sein Ton gerät nie zu voyeuristisch, noch versucht er, durch überzogene Vokabeln die Fälle zu kommentieren - zieht die Leser in den Bann und macht Lust auf dieses Kapitel der (Kriminal-)Geschichte.


Die Hinrichtungsstätte des Amtes Meinersen
von Matthias Blazek, Oktober 2008
Ibidem-Verlag, 150 Seiten, ISBN 978-3898219570, 19,90 Euro.
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1 Kommentar
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Markus Christian Maiwald aus Augsburg | 21.01.2009 | 22:28  
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