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Bayern und die Normandie - Thannhausen und die Partnerstadt Mortain/Normandie

  Thannhausen 17.2.2013

Augsburger Allgemeine - Lokalteil - Mittelschwäbische Nachrichten

Dr. Heinrich Lindenmayr berichtet vom Vortrag von Werner Kößler aus Thannhausen - auszugsweise:

"Ein politischer Aschermittwoch war es auch, den der Rotary Club Krumbach im Kreuzgewölbekeller von Schreieggs Post in Thannhausen veranstaltete. Aber statt Parteiengezänk und markiger Worte servierten die Veranstalter die Geschichte der politischen Freundschaft zwischen den beiden Erbfeinden Frankreich und Deutschland. Werner Kößler referierte über die Unterschiede im Lebensgefühl der Bayern und der Bewohner der Normandie und insbesondere über die Städtepartnerschaft Thannhausen-Mortain.

Er ist dafür zum Experten geworden, ist er doch seit 17 Jahren mit Clarisse Bouillaut aus Mortain verheiratet. Ohne die Städtepartnerschaft gäbe es diese Ehe nicht. Die Geschichte begann, als Clarisse Bouillaut bei der Partnerstadt Thannhausen um die Vermittlung einer Praktikumsstelle anfragte. Der damalige Bürgermeister Josef Mayer vermittelte der jungen Französin eine Stelle in Burgau. Dort arbeitete seinerzeit der aus Tafertshofen stammende Werner Kößler. Man traf sich zufällig beim Mittagessen und verliebte sich. Dass die beiden heute in Thannhausen wohnen, ist wiederum dem Zufall zu verdanken.

Die Berge und das Meer, Bier und Calvados, Weißwürste und Austern: In drei Bildserien veranschaulichte Werner Kößler Landschaften, landestypische Spezialitäten und kulturelle Unterschiede. Er zeigte auf, welche Spuren die beiden Städte bei der jeweils anderen hinterlassen haben. Bäume wurden für die Partnerschaft gepflanzt, Plätze gestaltet, Straßen nach dem Partner benannt und Kunstwerke ausgetauscht. In der Kirche von Mortain steht eine Nachbildung der Patrona Bavariae, im Alten Rathaus von Thannhausen die Imitation eines Teils vom Chorgestühl in Mortain.

Wichtiger noch sind die menschlichen Begegnungen, die zu einem unverzichtbaren Teil der Aussöhnung beider Völker geworden sind. Kößler markierte die wesentlichen Stationen auf dem Weg von der Erbfeindschaft zur Freundschaft. 1962 fand die offizielle Versöhnungsfeier beider Nationen in der Kathedrale von Reims statt, wo vormals die französischen Könige gekrönt worden waren. Im Januar des Folgejahres unterzeichneten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle den Élysée-Vertrag. Danach bildeten sich viele Städtepartnerschaften, am 4. April 1981 auch die zwischen Thannhausen und der in der Normandie in der Nähe des Mont Saint-Michel gelegenen Stadt Mortain.

An die Anfänge der Freundschaft wollen die Thannhauser und die Bewohner von Mortain erinnern, wenn sie sich symbolträchtig vom 3. bis 5. Mai 2013, 50 Jahre nach dem Aussöhnungsdatum, auf halbem Weg entgegenkommen und in Reims aufeinandertreffen.

Viele Sympathien für Frankreich ließen die Beiträge dieses ungewöhnlichen Aschermittwochs erkennen. Der Präsident des Rotary Clubs Krumbach, Dr. Rainer Gernet, erklärte, seine Vorfahren stammten aus Frankreich. Deshalb habe er natürlich eine enge Beziehung zu dem Land, seiner Sprache und seiner Kultur."

Einige Bilder aus dem Vortrag hängen dem Bericht an.

Werner Kößler
Den Vortrag endete ich wie folgt:

"Ich habe viel über Heimat und Heimatgefühl nachgedacht und gelesen. Was ist Heimat? Kann man überhaupt 2 Heimaten haben?"

Worte von Pierre Stutz gefielen mir hierzu am

besten:

"Heimat erfahre ich da,
wo ich verstanden werde
und einen anderen Menschen
trotz vieler Verschiedenheiten
verstehen kann".
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