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Mutter erinnert sich

Als mein Vater im letzten Krieg an der Ostfront kämpfte, bekamen wir einen russischen Kriegsgefangenen zugeteilt der meiner Mutter bei der Arbeit helfen sollte. Wir hatten eine kleine Landwirtschaft und zwei Pferde für die Feldarbeit.
Früh am Morgen kam er und am Abend wurden er und seine Kameraden irgendwo über Nacht eingesperrt. Die Gefangenen durften auch nicht mit am Tisch essen, aber meine Mutter scherte sich nicht darum. Bei uns aßen alle am Küchentisch mit. Ein ganz besonders köstliches Mittagessen war damals Kartoffelknödel mit Speck und Milchsoße. Ich sehe es noch vor mir als wäre es gestern gewesen. Der Russe aß einen Knödel nach dem anderen, es waren fünfundzwanzig Stück die er verdrückte. Der Schweiß lief ihm über das Gesicht. Da nahm er seinen Teller und verschwand in der kalten Waschküche. Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Als die Amerikaner im April 1945 bei uns im Dorf einmarschierten war der Russe noch da. Die Amis durchsuchten jedes Haus. Als sie bei uns waren, setzte sich der Russe für meine Mutter ein. Er sagte:" Chefa gut, nix böse!" Mein Vater hat in Russland gehungert und gedürstet. Einmal haben sie sogar Pferdeurin getrunken. Für alle war der Russe der Feind. Für meine Mutter nicht. Obwohl sie nicht wusste ob mein Vater wieder nach Hause kam. Es gab Engländer die deutsche Flieger versteckten. Es gab Russen die Deutschen halfen und umgekehrt. Es gab in jedem Land Menschen die nicht vergaßen was Nächstenliebe ist. Als mein Vater zu Fuß über die Tschechei nach Hause lief, halfen ihm Tschechen und gaben ihm Brot und Klamotten. Da bleibt nur eines zu sagen. Danke
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