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Mit dem ICE 1509 schneller gen Süden - Erweitertes Bahn-Angebot zwischen Stralsund und München für Einheimische und Urlauber ein Gewinn, auch wenn es bis Berlin nur mit gedrosselter Geschwindigkeit ge

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Stralsund: Da steht er. 237 Meter lang und elegant passt er sich in den Hauptbahnhof ein ? der ICE der 3. Generation. Viele Fahrgäste anderer Züge schauen neidisch auf Gleis 3. Einige machen noch ein Foto oder drehen Videos mit ihrem Handy von der ?neuen? Bahn, in der alle Sitzplätze mit Steckdosen ausgestattet sind.Die Königsflotte der Deutschen Bahn hat jetzt auch in Stralsund Einzug gehalten. Nach der Streichung von drei IC-Verbindungen Mitte Dezember 2010 und zahlreichen Protesten , die damit verbunden waren, machte die Bahn ihre Entschädigung für Reisende wahr. Am Sonntagabend traf der erste ICE in der Hansestadt ein. Gestern früh um 7.42 Uhr war dann erste Abfahrt vom Hauptbahnhof.Mit einem herzlichen ?Guten Morgen meine Damen und Herren und willkommen im ICE 1509 auf der Fahrt von Stralsund nach München? begrüßt Zugchef Gerhard Grön (57) seine Fahrgäste auf der Reise. Etwas ungewohnt für diejenigen, die öfter über Greifswald nach Berlin unterwegs sind. Und dann geht die Fahrt los. Die Stoßdämpfer werden auf Herz und Nieren geprüft.Den Platz an der Sonne hat sich der Dresdner Student Gören Unzner genommen. Der 23-Jährige studiert Verkehrsingenieurwesen an der dortigen Technischen Universität. Zwei Wochen war er an der Küste unterwegs und befragte Fahrgäste zwischen Züssow und Stralsund. ?Ich kenne mittlerweile jede Schienenverwerfung auf der Strecke?, sagt er. ?Es gibt jedoch viele Strecken in Deutschland, wo die ICE nur mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometer pro Stunde fahren dürfen. Dieser Zug ist für mich optimal. Ich muss nicht viel umsteigen und bequem ist er obendrein.? Prof. Dr. med. Wolfgang Hoffmann (48) ist mit seinem Kollegen Christoph Havemann (44) von der Universität Greifswald auf dem Weg nach Berlin. ?Für uns ist das ein riesiger Gewinn. Eine Uni muss mit anderen kommunizieren können. Das betrifft Studenten, Mitarbeiter, Professoren und Gäste. Eine gute Zuganbindung ist ein entscheidender Faktor für den Standort einer Universität, die der Motor einer ganzen Region ist. Wir fahren zwei- bis dreimal in der Woche nach Berlin zu Beratungen von Kommissionen und bekommen sehr häufig Gäste aus der Ferne?, erklärt Prof. Hoffmann. Die ICE-Anbindung sei für die beiden also perfekt.Weiter braust der Zug Richtung Süden. Es kommt einem vor wie in einem Porsche in der 30er Zone. Denn so richtig kann der ICE seine Muskeln nicht spielen lassen. Auf der Anzeigetafel erscheint 120 km/h. Eigentlich kann dieser Zug bis zu 230 Kilometer pro Stunde schnell fahren. Sogar die Neigetechnik ist integriert, doch auf der Strecke Stralsund-Berlin sind diese Eigenschaften nicht erforderlich. Felder, Wiesen, Kleingärten, Rehe und Seen rauschen vorbei. An manchen Bahnhöfen stehen Schaulustige, vor allem ältere Herren, und schießen Fotos.Im Kleinkind-Abteil haben es sich der vierjährige Julian und seine Mutter Dana Herzog (32) bequem gemacht. Sie waren überrascht, dass nun ein ICE nach München führt. Die gebürtige Stralsunderin begrüßt die Entscheidung der Bahn. ?Ich denke, dass es im Sommer voller sein wird als jetzt. Der Zug muss erst richtig angenommen werden?, so Dana Herzog. Ihre lange Fahrt führt bis an die Mosel nach Koblenz.Auf dem Weg zur Arbeit ist auch Klaus-Jürgen Melichar aus Putbus. ?Sonst bin ich morgens um 5 Uhr mit dem Regionalexpress nach Berlin gefahren. Jetzt gönne ich mir den Luxus mit einem ICE?, so der Eisenbahner, der selbst zum Unternehmen DB Schenker Rail gehört. Mit großer Freude habe er die Aufnahme des ICE im Fahrplan festgestellt. Das sei ein Fortschritt für die gesamte Region. ?Als Eisenbahner begrüße ich die Entscheidung. Doch wir dürfen nicht nur an uns denken. Für die Urlauber entsteht damit die Möglichkeit, noch leichter an die Ostsee zu fahren?, sagt der 57-Jährige.In Prenzlau und Bernau bei Berlin hält der ICE nicht. Die Bahnsteige sind zu tief, und ein Einstieg ist nicht unbedingt möglich. Zugchef Gerhard Grön: ?Das ist ja auch ein Fernverkehrszug. Wir hoffen, dass er gut frequentiert wird.? Angekommen in der Hauptstadt, kann der Zug endlich richtig Gas geben, denn ab Berlin darf mit 230 km/h weiter Richtung Halle, Nürnberg und München gefahren werden.
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