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Die kleinen Schätze auf dem Acker - Damit historische Relikte nicht in privaten Sammlungen verschwinden, versucht das Landesamt die Detektoren-Suche an ehrenamtliche und entsprechend ausgebildete Mita

gefunden auf Aktuelle Nachrichten - OSTSEE-ZEITUNG.DE (Artikel lesen)

Stralsund: Wenn es piept, werden sie meist fündig. Die Detektoren der zertifizierten ?Sondenführer?, wie man sie etwa in Dänemark nennt, reagieren empfindlich auf jedes Metallstück im Erdreich. Doch selten sind es großartige Schätze, die sich im Ackerboden verborgen halten. Aber auch die zahllosen Einzelfunde können im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege für wichtige Erkenntnisse über die Stadt- und Landesgeschichte genutzt werden.Damit solche historischen Relikte nicht in privaten Sammlungen verschwinden, versucht das Landesamt die Detektoren-Suche an ehrenamtliche und entsprechend ausgebildete Mitarbeiter zu delegieren. ?So kommen wir der Leidenschaft vieler passionierter Schatzsucher entgegen?, weiß Michael Schirren vom Dezernat für Archäologie und Denkmalpflege. Da aber das private Aufspüren von Bodendenkmalen illegal ist, können derartige Aktivitäten so besser kanalisiert werden. Das garantiert den engagierten Helfern eine unbehelligte Suche, persönlich vielleicht ein reines Gewissen und den Denkmalpflegern die Abgabe der historisch wertvollen Fundstücke. Wie diese in das Umland der alten Stadt Stralsund gelangten, erklären sich die Archäologen durch die einstige Entsorgung der städtischen Latrinen. Auch schon damals galten die Kloakenreste als nützlicher Dünger. Kleinteile aus Metall wie Münzen, Siegel oder Warenplomben blieben bis heute im Ackerboden erhalten. Einzelne Funde, die von Helfern zuletzt übergeben wurden, erwiesen sich dank gut erhaltener Prägungen als aufschlussreiche Zeitzeugnisse.Obwohl ohne Bezug zu ihrem städtischen Umfeld, geben Jahreszahlen oder namentliche Inschriften oft erstaunliche Einblicke in Herkunft und Nutzung?, betont der Archäologe die Bedeutung solch besonderer Einzelstücke. Darunter ein bronzenes Siegel in Schildform, das auf die adlige Herkunft seines Trägers deutet.Der Name ?Johannes De Lapide? in spiegelbildlicher Gravur - zwischen ca. 1270 bis 1320 geprägt ? gehörte zu einem Ritter, der wohl seinen ursprünglichen Namen ?Von Stein? ins Lateinische übertrug. Ein anderes Bleisiegel mit Namenszug und Hausmarke stammt womöglich von einem Handwerker namens Kersten Ever, datiert um 1350 bis 1400. In Stralsunder Urkunden ist der Name aber bislang nicht nachweisbar. Weniger deutlich ist die Prägung einer weiteren Petschaft aus dem 15. oder 16. Jahrhundert. ?Hermen Bundschuh? ist dort mit Vorbehalt zu lesen. Wertvoll für die Historiker ist die unmittelbare persönliche Zuordnung solch urkundlicher Zeugnisse, die seinerzeit für alle amtlichen Vorgänge als Unterschrift galten. Mit dem Tod des Trägers wurden sie zum Schutz vor Missbrauch zerbrochen und in den Latrinen versenkt. ?Es ist schon faszinierend, wie damit plötzlich eine ganz bestimmte Person aus der Geschichte auftaucht?, sieht Michael Schirren auch in den Einzelstücken ?hochwertige geschichtliche Objekte?. Bisweilen sogar spektakulär, wie die seltene Dienstmarke eines königlich-schwedischen Zollbeamten aus dem späten 18. Jahrhundert, die wohl auf der Kleidung getragen wurde. Zu lesen ist darauf ?königl. swed. Toltköll?, verbunden mit den drei Kronen, die eine amtliche Stellung der Trägerperson betonen. Belegen lässt sich dies aus einem Archiv-Dokument, in dem mit ähnelnder Zeichensymbolik auf die Ausweispflicht handeltreibender Soldaten verwiesen wird. Eine willkommene Parallele, um solchen Funden eine Erklärung geben zu können.So kommen wir der Leidenschaft vieler passionierter Schatzsucher entgegen.? Michael Schirren, Landesamt für Kultur und DenkmalpflegeWer Interesse an der Archäologie hat und Sondenführer werden möchte, kann sich an Michael Schirren (? 29 18 50) wenden.
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4 Kommentare
Mario Petznick
Mario Petznick | 11.01.2011 | 12:38  
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Matthias Möller aus München | 11.01.2011 | 18:43  
Mario Petznick
Mario Petznick | 11.01.2011 | 21:41  
Marcell
Marcell | 11.01.2011 | 21:52  
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