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WANDERUNG in der ehemaligen anhaltinische EXKLAVE TILKERODE im EINETAL

oberer Mühlenweg im Herbst
  Stangerode: Tilkerode | Der Harzklub Ballenstedt hatte zu einer Wanderung ins Einetal eingeladen. Ich möchte den Harzfluss  Eine kurz vorstellen. Sein Quellgebiet liegt in der Nähe des  Erholungsortes Harzgerode. Nach etwa 40 km mündet der Fluss kurz hinter der Stadt Aschersleben, der ältesten Stadt Sachsen - Anhalts, in den Harzfluss Wipper. In die Eine münden auf ihrem Weg bis zur Mündung viele kleine, teils namenlose  Harzbäche. Jahrhundertelang war die Eine auch ein Grenzfluss. Von seiner Quelle bis kurz vor dem Harzort Stangerode trennte er die Grafschaft Anhalt von der  Grafschaft Mansfeld. Ab 1780, nach dem Aussterben der Mansfelder Grafen, kam das Gebiet rechts der Eine zu Kursachsen. Nach dem Wiener Kongress(1815) wurden das Königreich Preussen bzw. nach 1918 der Freistaat Preußen Provinz Sachsen die neuen Eigentümer. Die Eine bildete auch  die östliche und südliche Begrenzung der Exklave Tilkerode. Auf dieser ehemaligen Exklave, sie bestand bis zum Jahre 1942, fand unsere Wanderung statt. Zur besseren Veranschaulichung füge ich  eine Karte der  anhaltinischen Fürstentümer bei.
Von der Schwarzen Brücke, sie liegt zwischen Stangerode und dem ehem. Forsthaus Volkmannrode an der L228, wanderten wir flussaufwärts, auf der rechten Seite der Eine, also auf dem ehemaligen. Mansfelder Gebiet, in Richtung Kreuzwiese. Der Name stammt von einem Steinkreuz, das sich heute auf der anderen Seite der Eine befindet. Auf Höhe der Kreuzwiese wechselten wir auf die linke Seite der Eine. Hier kamen wir auf den unteren Mühlenweg. Gleich hinter dem Kreuzungsbereich befindet sich das umgesetzte Sühnekreuz von 1543. Der Sage nach sollen sich an dieser Stelle zwei Mädchen in den gleichen Jägerbuchen verliebt haben. Im Streit  um ihn haben sie sich mit Sicheln derart verletzt, dass  beide an den Folgen verstarben.

Untermühle Ritzgerode
Nach rund  3 km gelangten wir, immer den Mühlenweg folgend, zur Untermühle. Hier wurden wir schon von den Besitzer der Mühle, Herrn R. Ermisch, erwartet. Er zeigte uns seine einzigarte, noch voll funktionstüchtige Wassermühle. Es war schon ein tolles Erlebnis die Mühle in voller Funktion zu erleben. Da an der Untermühle Tische und Stühle bereit standen, legten wir dort gleich unsere Mittagspause ein. Für die Führung durch seine Mühle möchte ich mich recht herzlichst bei Herrn Ermisch bedanken.

Oberer Mühlenweg und  der Natur- und Bergbaulehrpfad
Nun verließen wir das schöne herbstliche Einetal,  um nach dem Harzort Tilkerode, den Namensgeber der Exklave, zu gelangen. Tilkerode wie auch Abberode liegen auf einer Hochebene. Zwischen Tilkerode und Abberode verlief die Grenze zwischen der Grafschaft Anhalt und der Grafschaft Mansfeld bis 1942. Ein Grenzstein (Nr. 5) zeugt noch heute von der Grenze. Kurz hinter Tilkerode  kamen wir auf der Landstraße  Tilkerode - Stangerode (L228) zum Anfang des oberen Mühlentalwegs. Dort beginnt  auch gleichzeitig der Bergbaulehrpfad des Altbergbaugebiets Tilkerode.Von 1762 mit langen Unterbrechungen (Wassereinbrüche) bis zum Jahre 1936 wurden auf diesem Gebiet ca. 50.000 t Eisenerz gefördert. Es wurde mit Pferdewagen nach Mägdesprung befördert und dort verhüttet. Da das Erz aus einer Exklave stammte, musste es auf dem Weg nach Mägdesprung verzollt werden. Erwähnenswert ist die Tatsache, dass im sogenannten Goldschacht 425 Gramm Gold gefunden wurde. Daraus wurden 116 Goldmünzen geprägt. In Höhe der Dicken Eiche - auch 1.000 - jährige Eiche genannt - verlässt der Lehrpfad in westlicher Richtung den oberen Mühlenweg. Kurz vor dem ehem. Forsthaus Volkmannrode gelangten wir über den oberen Mühlenweg wieder auf die L 228.      .

Klage- und Rügegericht Volkmannrode

Auf der Landstraße wanderten wir weiter bis wir zu dem, auf einen bewaldeten Hügel befindlichen, ehemaligen. Klage- und Rügegericht Volkmannrode gelangten. Hier befand sich die, seit dem 15. Jahrhundert, wüste Dorfstelle Volkmannrode.  Ein bizarr aufragende Teil des Kirchenturms hat sich bis in unsere Gegenwart erhalten. An dieser Stelle wurde, unter freiem Himmel, unter einer Gerichtslinde, von 1489 bis 1874 zweimal jährlich, ein Gericht abgehalten. Die letzte Gerichtslinde von 1860 sowie die, vor 1608 errichtete, Gerichtslaube sind noch heute vorhanden. Volkmannrode ist das einzige in Deutschland erhalten gebliebene Klage - und Rügegericht. Es wurde daher als Flächendenkmal ausgewiesen.  Leider ist es mir im Rahmen meines Wanderberichts nicht möglich, näher auf das Bergbaugebiet Tilkerode, dem Klage- und Rügegericht Volkmannrode und der Untermühle Ritzgerode  einzugehen. Als Anhang habe ich einige Informationstafeln aus dem Bergbaugebiet Tilkerode zugefügt. Nach rund 13. km endete die Wanderung, bei schönen herbstlichen Wetter, wieder an der Schwarzen Brücke.    
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