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Bundeswehr übt Rettungsaktion Deutscher Bürger aus Krisengebieten im Ausland

  Stadtallendorf: Herrenwaldkaserne | Mit der Großübung „Schneller Adler“, übte die Bundeswehr und im speziellen auch die Division Schnelle Kräfte aus Stadtallendorf, in den letzten Tagen, die Rettung von Deutschen Bürgern aus Krisengebieten im Ausland.

Ich hatte heute die Möglichkeit, ein persönliches Interview mit Herrn Major Kieron Kleinert von der Pressestelle der DSK in der Herrenwaldkaserne zu führen.
„Schneller Adler“ heißt die Übung der Division Schnelle Kräfte (DSK), an der bis zum 14. September rund 1500 Soldatinnen und Soldaten (davon 1000 der DSK (davon alleine 160 Fallschirmspringer) und 500 Soldaten aus Unterstützungsbereichen der Bundeswehr (wie z.B. Militärpolizei, ABC-Abwehreinheiten und Soldaten aus dem Sanitätsdienst), sowie Mitarbeiter von zivilen Behörden wie z.B. aus dem Auswärtigen Amt beteiligt sind.
Die Führung und Unterstützung der Übung wird aus den Bundeswehrstandorten Celle (Niedersachsen) und Stadtallendorf (Hessen) gesteuert.
Das jeweilige Mandat für den Einsatz der DSK kommt ausschließlich von der Bundesregierung nach vorheriger Absegnung durch das Parlament.
Die Zuständigkeit für eine derartige Operation liegt dann zum einen beim Auswärtigen Amt in enger Zusammenarbeit mit der DSK für den Einsatz in Deutschland und dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam, für alle Aktivitäten außerhalb Deutschlands.
Diese Übung fand an verschiedenen Standorten in Nord- und Ostdeutschland statt. Im einzelnen
- Brandenburg
- Mecklenburg-Vorpommern
- Niedersachsen
- Sachsen-Anhalt
- Märsche außerhalb der Übungsplätze: im Raum zw. Stendal, Burg und Börde, Rotenburg (Wümme)
In Rostock wurde die Seeevakuierung durch ein mit Unterstützung eines Landungsschiffes der Niederländischen Marine geübt, in Stendal die schnelle Luftevakuierung mit 4 Transporthubschraubern vom Typ NH 90 und zwei Flugzeugen vom Typ Airbus A400M bzw. Transall, aber auch eine Evakuierung nach einem Chemieunfall wird geprobt und die Evakuierung während der vermeintliche Feind angreift.
Dazu wurde Stendal in das fiktive Krisenland „Aquilanien“ verlegt. Es wurde eine TV-Nachrichtensendung mit Informationen aus dem Krisengebiet gedreht, es sind Gewaltszenen zu sehen mit Vermummten und Hilfesuchenden. Teile der Evakuierungsaktion sind schon enthalten. Social-Media-Kanäle mit Informationen aus der Krisenregion werden beobachtet. Wenn nötig, wird reagiert.
Die Transall dröhnt auf dem Rollfeld, bewaffnete Fallschirmjäger in voller Montur laufen heraus und sichern das Umfeld des Transportflugzeugs.Wenig später sind die ersten Soldaten am Sammelpunkt, wo sich eine Gruppe Deutscher eingefunden hat, um aus diesem Krisengebiet herausgeflogen zu werden. Sie wurden bedroht, beraubt, vielleicht Schlimmeres. Alles was sie wollen, ist nach Hause zu kommen. Das Krisengebiet liegt heute in Stendal, genau genommen an einem Flugplatz nahe der Stadt in der Altmark. An dem sonst so beschaulichen Ort übt die Bundeswehr, wie sie Deutsche im Krisenfall schnell per Flugzeug in Sicherheit bringen kann.
Eineinhalb Tage sei er unterwegs gewesen, sagt ein junger Mann aus einer Gruppe, die am Flugplatz Stendal auf die Evakuierung wartet. Wie bei allen anderen wird seine Identität genau geprüft, ebenso sein Gepäck. Im Notfall nimmt die Division Schnelle Kräfte außer Deutschen auch andere EU-Bürger mit. In seiner Rolle berichtet er, die politische Lage habe sich während seines Urlaubs enorm zugespitzt, aufständische Gruppen seien unterwegs. Er sei froh, es bis zur Sammelstelle geschafft zu haben, die Rettung sei nah. Jeder Darsteller hat auf einem Handzettel Anweisungen, welche Rolle er spielen soll. Die Laiendarsteller bei der Übung sind überwiegend Reservisten der Bundeswehr.
Flexibilität ist gefragt. Die übenden Soldaten werden von den Statisten immer wieder überrascht. Einmal bricht eine Frau zusammen – der Kreislauf. Dann deutet sich eine Panik an: „Was, wir werden beschossen?“, ruft eine Frau, als sie eine Anweisung nicht richtig versteht. Klare Anweisungen, aber auch Einfühlungsvermögen sind nötig, während die Menschen zum Flugzeug gebracht werden. Eine Rollstuhlfahrerin braucht ebenfalls besondere Hilfe. Schließlich – es ist eine gute Stunde vergangen seit der Ankunft der ersten maschinen mit den Fallschirmjägern – sind die Menschen im Flugzeug zum Abflug bereit.

Binnen 24 Stunden ist die Truppe im Ernstfall einsatzbereit und kann in eine Krisenregion fahren, sagt der Kommandeur, Generalmajor Andreas Marlow.

Zu den jüngsten realen großen Einsätzen gehörte 2011 die Evakuierungsoperation „Pegasus“, bei der unter Führung der DSK 262 Menschen aus Libyen herausgeholt wurden, darunter waren 125 Deutsche. Damals hatte es Aufstände in dem nordafrikanischen Land gegeben.

Auch im März des Jahres 1997, gab es schon einmal einen ähnlichen Einsatz in Albanien mit dem Codenamen „Libelle“ wo Bundesbürger aus Tirana ausgeflogen wurden.
Und niemand weiß, wann und wo der nächste Einsatz sein wird. Wir alle können nur hoffen, dass dies nie soweit kommt.

Genau heute findet eine weitere Medienveranstaltung im Einsatzgebiet statt, bei der sich Journalisten und Fernsehsender einen Eindruck über diese Übung machen können und vermutlich in den nächsten Tagen darüber berichten werden.


„Ziel der Übung ist es so realitätsnah wie möglich zu üben und dabei die Koordination aller beteiligten Kräfte sicher zu stellen“, sagte mir Major Kleinert in unserem heutigen Gespräch.

Quellen:Pressestelle DSK und der dpa
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3 Kommentare
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Karl-Heinz Mücke aus Pattensen | 13.09.2018 | 12:14  
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Erich Schmitt aus Stadtallendorf | 13.09.2018 | 13:36  
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Karl-Heinz Mücke aus Pattensen | 13.09.2018 | 14:40  
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