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Hessentag 2010: Das Landschafts-Diorama in der Sonderschau "Natur auf der Spur"

Landschafts-Diorama beim Hessentag in Homberg/Efze (07.06.2008)
 
Entwurf des Landschaftsdioramas im Heinz Lang-Park (U. Dreyer) (Foto: Herr u. Dreyer)
 
Im Diorama wird die lebensgroße Plastik von Mammut "Manni" zum Blickfang
Am 27.02.2010 fand in der Stadtallendorfer Stadthalle die zweite Informationsveranstaltung zu Sonderaustellung „Natur auf der Spur“ statt. Bei dieser vorrangig an die Aussteller gerichteten Veranstaltung wurden die Entwürfe für das Landschafts-Diorama und kleinere Ausstellungen teilnehmender Betriebe, Fachbehörden und Verbände präsentiert. Außerdem wurde ein erster Entwurf für die Belegung der Veranstaltungsflächen im Heinz-Lang-Park und an der Pfarrkirche St. Michael vorgestellt.
Die Sonderausstellung „Der Natur auf der Spur“ war bei den bisherigen Hessentagen ein Besuchermagnet. Bei dem Hessentag in Langenselbold haben rund 300.000 Besucher diese Ausstellung besucht. Auch an der bevorstehenden Veranstaltung in Stadtallendorf besteht mit 60 Anmeldungen regionaler Vereine und Betriebe ein großes Interesse. Die Sonderschau stellt die Nutzung unserer Natur und Umwelt zu unserer Ernährung, zur Rohstoffsicherung oder Erholung, aber auch ihren Schutz durch den Menschen unter Einbeziehung vielfältiger Aspekte vor.

Aufbau der Sonderschau
Im Heinz-Lang-Park beginnt am 12.04.2010 der Aufbau des Landschafts-Dioramas. Interessierte Bürger können die Arbeiten besichtigen und bei den Arbeiten mithelfen. Nach Auskunft des Aufbau-Teams von Hessen-Forst sind auch die Landschaftsbauarbeiten besonders interessant. Bei den früheren Hessentagen hat es bereits an den Wochenenden vor dem Landesfest wahre Völkerwanderungen zu dem im Aufbau befindlichen Diorama gegeben.

Landschafts-Diorama im Heinz-Lang-Park
Seit dem ersten Informationstermin im September 2009 ist mit verschiedenen Ausstellern ein Konzept für das Landschafts-Diorama erarbeitet worden. Was jetzt nur als Skizze existiert, muss in den Wochen vor dem Landesfest in zum Teil aufwändiger Handarbeit umgesetzt werden.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen der Herrenwald mit seinen naturnahen Waldbeständen und das Schweinsberger Moor mit seiner Pflanzen- und Tierwelt. Das 43 Hektar große Niedermoor im Stadtteil Schweinsberg ist eine regionale Besonderheit. Das Feuchtgebiet beherbergt das größte zusammenhängende Schilfgebiet Mittel- und Nordhessens und ist ein bedeutendes Brut- und Rastgebiet für zahlreiche Vogelarten. Die Umsetzung des Schweinsberger Moores im Diorama stellt für das Aufbauteam von Hessen-Forst eine besondere Herausforderung dar, da bei den früheren Hessentagen keine vergleichbaren Lebensräume gezeigt worden sind.
Der östlich Stadtallendorf gelegene Herrenwald ist durch das mit mindestens 13.000 Tieren größte zusammenhängende Vorkommen des Kammmolches in Hessen bundesweit bekannt geworden. Wegen der Kammmolch-Bestände auf dem Standortübungsplatz Kirtorf musste die Herrenwald-Trasse der geplanten Autobahn 49 verworfen werden. Bei der Ausstellung wird auch der - bei Straßenplanern und Ministerpräsidenten besonders unbeliebte – „Wasserdrache“ vorgestellt. Einen „Urwald“ hat der Herrenwald ebenfalls zu bieten: Im Hundsrück an der B454 zwischen Neustadt und Stadtallendorf ist 2003 eine fast 21 Hektar große Waldfläche mit mehr als 200 Jahre alten Rotbuchen und Trauben-Eichen als Bannwald ausgewiesen worden. Diese Waldfläche bleibt als "Urwald von Morgen" ihrer natürlichen Entwicklung überlassen.
Im Themenbereich Herrenwald wird mit dem Nachbau mehrerer Bunker der Allendorfer Sprengstoffwerke eine weitere lokale Besonderheit gezeigt. Bei der Präsentation soll in einem der Gebäude ein Eindruck Sprengstoffproduktion während des Zweiten Weltkrieges vermittelt werden. Die unter unmenschlichen Bedingungen und dem Einsatz von Zwangsarbeitern produzierte Munition hat die größte bewohnte Rüstungsaltlast Europas hinterlassen. Die Sanierung des Umweltschadens am Standort einer für Mittelhessen bedeutsamen Wasserwerkes ist am 21.03.2006 offiziell abgeschlossen worden und hat mehr als 143 Millionen Euro gekostet. Letzte Arbeiten wie die Sanierung des Münchbaches sind erst im vergangenen Jahr abgeschlossen worden. In einem weiteren Gebäude wird die Bedeutung ehemaliger Militäreinrichtungen als Quartier für Fledermäuse präsentiert. Im DAG-Gelände sind bereits mehrere Sprengstoffbunker zu Fledermaus-Quartieren umgebaut worden.
In einem weiteren Ausstellungsteil wird das Leben in den Bächen und Flüssen wie der Ohm mit ihren Pflanzen, Fischen und Kleinstlebewesen vorgestellt. In einem kleinen Gewässerabschnitt können diese auch angefasst und erforscht werden.
Das Landesamt für Denkmalpflege und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst stellen das Leben von „Menschen und Mammuts“ in der Eiszeit und eine Chatten-Siedlung vor.
Der Themenbereich „Eiszeit“ wartet mit einem besonderen Blickfang auf: Auf der Ausstellungsfläche werden als „Besuchermagnete“ die lebensgroßen Plastiken eines Mammuts und eines Wollnashorns aufgestellt. Auf der zugehörigen Aktionsfläche Archäologie / Paläontologie präsentieren Mitarbeiter des Mobilen Landschaftsmuseums die Lebensbedingungen der Eiszeit (Feuer machen, Herstellung von Schmuck etc.). In einer Schaupräparation wird die Freilegung eiszeitlicher Funde gezeigt und ein Elfenbeinschnitzer aus Erbach präsentiert die Schmuckherstellung aus Mammut-Elfenbein.
In Oberhessen gibt es mehrere bedeutende Fundstellen mit Steingeräten aus dem Eiszeitalter. In den nur wenige Kilometer von Stadtallendorf entfernen Orten Wahlen und Arnshain sind Steinwerkzeuge aus der Zeit des Neandertalers (Altsteinzeit, Mittelpaläolithikum) gefunden worden. Die eiszeitlichen Jäger haben auf der Hochfläche die für die Werkzeuge benötigten Rohstoffe (Quarzit) gefunden und wahrscheinlich auch von dem weiträumigen Überblick über ihr Jagdgebiet profitiert.
Zu der im Konzept angedeuteten Chatten-Siedlung (Eisenzeit) ist bei der Informationsveranstaltung noch kein detailliertes Konzept präsentiert worden. Der germanische Volksstamm der Chatten ist der Namensgeber des modernen Hessen. Der Siedlungsschwerpunkt dieses Stammes lag im heutigen Nieder- und Oberhessen (den heutigen Regierungsbezirken Mittel- und Nordhessen). Die Chatten gehörten auch zu den Volksstämmen, die an der Rebellion des Arminius gegen den römischen Statthalter Varus beteiligt waren. Die Folgen sind bekannt: Nach der verheerenden römischen Niederlage in der Varusschlacht im Jahr 9 nach Chr. wurden die Eroberung Großgermaniens und die im Bau befindliche „Trabantenstadt“ mit Verwaltungszentrum in Waldgirmes bei Wetzlar (Hessentagsstadt 2012) aufgegeben.
Auch im Bereich der Kernstadt Stadtallendorf hat es bereits in der Eisenzeit eine Siedlung gegeben. Das im Jahr 782 erstmals in einer Schenkungsurkunde erwähnte „Berinscozo“ (Bärenschuss) ist eine alte chattische Ansiedlung.

Auf dem Freigelände vor dem Zelt werden auf einer Streuobstwiese Kleintiere wie Schafe und Ziegen ausgestellt. Auf der Fläche nördlich der Wiesenlichtung und an der Lichtung am See befinden sich der Bauernmarkt und die Stände weiterer Institutionen und Vereine.

Austellungsfläche oberhalb St. Michael
Auf der Ausstellungsfläche oberhalb der Kirche werden die Themenbereiche Land- und Forstwirtschaft und Erneuerbare Energien vorgestellt. In diesem Bereich befindet sich auch ein Tiergehege und ein Streichelzoo, in dem Schafe, Ziegen, Esel, Lamas und Geflügel präsentiert werden. Bei der Landtechnik werden sowohl aktuelle Geräte als auch historische Schlepper und Maschinen vorgeführt. In einer Ausstellungshalle werden wechselnde Ausstellungen zu den Themen- Land- und Forstwirtschaft gezeigt.

Verlängerte Öffnungszeiten
Am verlängerte Wochenende vom 03.06.2010 bis zum 05.06.2010 wird die Öffnungszeit der Soderausstellung bis 20 Uhr verlängert, da bei den vorangegangenen Hessentagen bei schöner Witterung ein besonders starker Besucherandrang in den Abendstunden festgestellt wurde.


Weiterführende Informationen:
Sieglinde und Lothar Nitsche; 2009: Naturschutzgebiete in Hessen, Band 5: Landkreis Marburg-Biedenkopf, Lahn-Dill-Kreis, Landkreis Gießen.
Regierungspräsidium Giessen PM 18/03 - 27. Februar 2003: Der "Hundsrück" zwischen Stadtallendorf und Neustadt soll sich zum Urwald entwickeln.
NABU stellt Hessens umstrittenste Tierart vor: Der Kammmolch - Wirtschaftshindernis oder faszinierender Wasserdrache ?
Informationen zur Rüstungsaltlast Stadtallendorf
Homepage des Mobilen Landschaftsmuseum : http://www.mobileslandschaftsmuseum.de
Herrmann, F.-R.; Jockenhövel, A.; 1990: Die Vorgeschichte Hessens, Stuttgart
Wolff, H.-J. 1989: Die Allendorfer Sprengstoffwerke DAG und WASAG; Stadtallendorf
Lautenschläger: Land fördert Bodensanierung in Stadtallendorf mit 160 Millionen Euro; Pressemitteilung des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 16.04.2010 (http://www.hmuelv.hessen.de/)

Weitere Informationen zu Schutzgebieten
Naturschutzgebiet Schweinsberger Moor
FFH-Gebiet Herrenwald östlich Stadtallendorf


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