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HR4-Tour 2009 - erster Tag: Auf den Spuren der DDR-Grenze

Sammelhalt in Oberstoppel
 
In Neukirchen warten die Einwohner an einer Stelle, wo die HR4-Tour gar nicht vorbeikommt.
 
Hinter Neukirchen im Wald wartet eine große Steigung auf die Radfahrer.
 
Der HR4-Chef ist auch dabei.
Der erste Tag der HR4-Radtour 2009 führte von Bad Hersfeld über das Grenzgebiet zwischen Hessen und Thüringen nach Bebra. Das Wetter war an diesem Tage jedoch nicht sehr fahrradfreundlich.

Anreise von Stadtallendorf
Eigentlich wollte ich morgens um 5:30 zur Tour aufbrechen. Um nach Bad Hersfeld zu gelangen, wollte ich zunächst nach Alsfeld radeln und von dort aus mit der Bahn nach Bad Hersfeld fahren. Leider war gerade auch ein Gewitter bei Stadtallendorf unterwegs. Ich bin zunächst losgeradelt in der Hoffnung, dass es gerade aufhört, kehrte aber nach einem Kilometer wieder um, weil es doch zu feucht war und das Gewitter sich noch nicht verzogen hatte.
Um 6:10 wagte ich einen zweiten Start: Anfangs regnete es noch leicht, später hörte es auf, und ich kam rechtzeitig nach Alsfeld, um den um 7:40 Uhr abfahrenden Triebwagen nach Fulda zu benutzen. Um diese Zeit kam auch noch ein Regenschauer in Alsfeld vorbei, und ich war froh, nicht mehr in der Bahn zu sitzen.
In Fulda hatte ich etwas Zeit bis zur Abfahrt der nächsten Cantus-Bahn Richtung Bad Hersfeld um 9:00 Uhr. Ich nutzte die Zeit, um nach interessenaten Zügen zu schauen.
Im Cantus-Zug testete ich den an Bord befindlichen Fahrkartenautomaten, bei dem ich eine Anschlusskarten nach Bad Hersfeld hätte kaufen können. Richtig funktioniert hat der Automat aber nicht, da er nach dem Halt in der früheren Hessentagsstadt Hünfeld immer noch der Meinung war, der Zug sei in Fulda.
Da ich mit den benutzten Zug aber erst eine Viertelstunde nach dem geplanten Start in Bad Hersfeld sein würde, fuhr ich mit der Bahn nur bis Burghaun und radelte von dort der HR4-Tour entgegen. Dabei traf ich sogar den ICE Marburg, der mir schon vor zwei Wochen in dieser Gegend begegnet ist.
In Neukirchen (Haunetal) wurde gerade eine Begrüßung von der Tour organisiert. Die Leute standen an der Straße nach Oberstoppel. Allerdings war die Route so ausgeschildert worden, dass die Radler erst ein Stück oberhalb dieser Stelle auf diese Straße kommen und damit die Begrüßung verpassen würden.
Da aber noch keine Radfahrer in Sicht waren, fuhr ich noch ein paar Kilometer weiter Richtung Bad Hersfeld, bis ich hinter Müsenbach auf die Radfahrer stieß. Das Wetter war immer noch sehr trübe, und ein kurzer Regenschauer sorgte dafür, dass die Mehrzahl der Radfahrer wieder Regenkleidung anlegte.

Von Neukirchen (Haune) nach Point Alpha
In Neukirchen hatten sich die zur Begrüßung gekommende Bevölkerung inzwischen an die Straßenkreuzung begeben, wo die Radfahrer auf die Hauptstraße fuhren. Nun erwartete die Radfahrer die erste Belastungsprobe: Der drei Kilometer lange Anstieg bis Oberstoppel. Um im vorderen Feld zu bleiben, musste man schon kräftig in die Pedalen treten. So fit war aber nur der kleinere Teil der Radfahrer. In Oberstoppel wurde deswegen ein Halt eingelegt, damit auch die weniger belastbaren Teilnehmer wieder Anschluss bekommen.
Erst einmal recht eben ging es nach Dittlofrod. Zum Glück ließ sich die große Straßenbaustelle im Ort über einen geteerten Wirtschaftsweg umfahren.
In Eiterfeld gab es die nächste organisierte Tourbegrüßung. Leider wartete dort auch die nächste Steigung, welche aber nicht so schwer zu überwinden war wie die nach Oberstoppel. Zwischen Leibolz und Großentaft ging es wieder etwas bergab, und etwa die Hälfte der Strecke wurde auf dem Milseburg-Radweg zurückgelegt. Dabei handelte es sich um eine frühere Bahntrasse. Nach Westen führte diese Bahn bis zur Hauptstrecke in Hünfeld. Nach Osten war sie einmal an ein verzweigtes Nebenbahnnetz angeschlossen, welches durch die Teilung Deutschlands zwischen Großentaft und Wenigentaft zerschnitten wurde.
Nach Großentaft ging es zunächst etwas aufwärts, dann erst einmal ordentlich bergab bis nach Rasdorf. Wer genau hinschaute, konnte über Rasdorf schon das Grenzmuseum nahe Point Alpha erkennen. In Rasdorf gab es aber vorher noch einmal einen Zwischenstop zur Getränkeversorgung. In dem hübschen Örtchen befindet sich ein größerer Platz mit einer anschließenden Dorfwiese, wo auch größere Gruppen sehr schön rasten können.
Schon in Rasdorf ging es wieder bergauf. Vom Rastplatz bis Point Alpha war es aber nicht mehr weit. Die Fahrt ging ein Stück über die Straße, welche direkt zum Grenzmuseum führt und inzwischen einen neuen Belag erhalten hat - zwei Wochen früher war es dort etwas holpriger gewesen.

Zwischenstation in Point Alpha
Point Alpha war ein früherer Militärstützpunkt an der DDR-Grenze, von wo aus amerikanische Soldaten die Vorgänge hinter der Grenze beobachten konnten. Inzwischen dient das kleine Militärgelände als Museum. Ein früherer Unterstand für Fahrzeuge kann nun für Veranstaltungen wie etwa die Verpflegung von mehreren hunderten Radfahrern genutzt werden. Im Freien stehen einige Fahrzeuge und Fluggeräte, und es gibt es einen Ausstellungsraum in einer Militärbaracke. Interessant für Besucher ist auch der Aussichtsturm, von welchem man nach Thüringen schauen kann.
Außerhalb des eingezäunten Geländes gibt es noch mehr zu sehen: Auf einer Freifläche an der Grenze können Grenzzäune aus verschiedenen Jahren sowie andere Elemente zur Grenzsicherung besichtigt werden, die allerdings keinen richtigen Eindruck von der einstmals gewaltigen Grenzanlage vermitteln können. Folgt man dem Weg entlang der Zäune, so kommt man schließlich zum Grenzmuseum, wo eine Ausstellung über das Leben an der Grenze informiert und dem Thema Freiheit ein Multimediaraum gewidmet ist.
In Point Alpha fand die Mittagspause statt. Außerdem wurden Führungen angeboten. Wer sich etwas zu dem Gelände erzählen lassen wollte, musste erst einmal auf eine Mittagsmahlzeit verzichten. Die Führungen fanden in Gruppen von etwa zwanzig Leuten statt, wobei sie bei den verschiedenen Führern recht unterschiedlich ausfielen. Eine Führerin schickte ihre Gruppe zu eine Kurzbesichtigung in die Ausstellungsbaracke in Point Alpha und bevorzugte im Grenzmuseum den Multimedia-Raum, in dem verschiedene Originalnachrichten zu hören waren und dazu Bilder gezeigt wurden. Andere erzählten lieber etwas direkt bei den Ausstellungsstücken. Mit der Führung und einer Tour durchs Grenzmuseum war die Mittagspause in Point Alpha auch schon vorbei.

Von Point Alpha nach Philippsthal
Wer sich zu gründlich in Point Alpha umgesehen hatte, musste aufpassen, dass er die Abfahrt nicht verpasste. Zunächst ging es abwärts durch den Wald, dann weiter auf der Straße nach Buttlar. Auf diesem Streckenabschnitt gab es eine von den Radfahrern unbemerkte Premiere: Zum ersten Male fuhr die HR-4-Tour über die hessische Grenze und gelangte ins frühere Ausland.
Nachdem das thüringische Buttlar durchquert war, folgte die Tour dem Ulstertalradweg. Leider begann dort auch die nächste Regenphase. Bei einem kurzen Stop nahe Pferdsdorf stellten sich einige Radler in dem Festzelt neben dem Radweg unter, wo gerade für die Pferdsdorfer Kirmes aufgebaut wurde. An dem Radweg steht übrigens auch ein Haus, das einmal der Bahnhof von Pferdsdorf war. Die zugehörige Bahnstrecke gibt es jedoch schon lange mehr, da sie wegen ihrer Lage im Grenzgebiet nach der Teilung Deutschlands aufgegeben worden war. Der Nachbarort Unterbreizbach hingegen besitzt einen Eisenbahnanschluss, der für Kali-Transporte genutzt wird. Dabei ist das letzte Stück nach der Wiedervereinigung Deutschlands neu aufgebaut worden.
Mehr oder weniger feucht wurde ins hessische Philippsthal geradelt, wo am Schloss die nächste Pause vorgesehen war. In Philippsthal wurde nicht nur ein Unterhaltungsprogramm geboten, sondern man konnte auch ein kleines Grenzmuseum besuchen, in dem verschiedene Ausstellungsstücke zu sehen waren und ein Film über die Entwicklung der DDR-Grenze gezeigt wurde.

Von Philippsthal nach Bebra
Die letzte Etappe fing recht unerfreulich an: Schon kurz nach dem Start begann es ausgiebig zu regnen. Die Route der HR4-Tour führte durch das hessische Werratal, um hinter Widdershausen noch einmal für ein kurzes Stück durchs ehemalige DDR-Gebiet zu verlaufen. Inzwischen war die Gruppe weit auseinandergezogen, und die Schlussfahrzeuge des Konvois waren irgendwie davongefahren. Der eine oder andere Radfahrer war nicht erfreut, den Anschluss verloren zu haben. Ein Wiedersehen gab es erst wieder in Dankmarshausen, wo zum Sammeln und zur Getränkeversorgung gehalten wurde.
Auf der Straße ging es weiter nach Hessen und über die Autobahn A4 hinweg. Dann wurde noch der Radweg neben der Eisenbahnstrecke Bebra - Eisenach benutzt. Dieser Radweg hat die unangenehme Eigenschaft, dass er regelmäßig auf Unterführungen, welche unter der Bahnstrecke hindurchführen, trifft. Bei den Unterführungen geht es zunächst recht steil bergab und dann gleich wieder ebenso steil bergauf. In der Regel muss man bei der Abwärtsfahrt bremsen, um nicht zu schnell zu werden, und hat dann nicht genug Schwung, um die nachfolgende Steigung ohne große Mühen zu schaffen.
Der Radweg wurde beim Dorf Ronshausen verlassen, wo sich etliche Einwohner an der Strecke versammelt hatten, um die Tour zu begrüßen. Kurz nach dem Durchqueren des Dorfs gab es einen letzten Stop zum Sammeln, bevor zum Endspurt auf der Straße gestartet wurde.

Abreise nach Stadtallendorf
Für meine Rückfahrt gab es eine besonders günstige Reisemöglichkeit, da der Nordhessische Verkehrsverbund gerade an diesem Wochenende unter dem Namen Entdeckerticket einen Sondertarif anbot. Mit einer Fahrkarte für 3,80 Euro konnte man am Freitag ab 16 Uhr und am Samstag das ganze NVV-Verbundgebiet bereisen. Günstiger kommt man kaum von Bebra bis zur Grenze des Landkreises Marburg-Biedenkopf, und für den Rest der Strecke hatte ich meine RMV-Zeitkarte. Zunächst wollte ich die Karte an dem Fahrkartenautomaten kaufen, welcher am Eingang vom Bahnhof steht. Da jedoch noch andere Leute mit Kartenkauf beschäftigt waren, entschloss ich mich zu einem Kauf im Zug - schließlich kann man bei den auf der Strecke verkehrenden Cantus-Zügen auch Fahrkarten unterwegs kaufen. Das funktionierte dann aber doch nicht: Als ich vor dem Automat im Zug stand, wollte der sich weder Scheine noch Münzen hereinstecken lassen. Ich ging noch zu dem zweiten Automaten im Zug, aber der zeigte das gleiche Verhalten. Da üblicherweise in den meisten Triebfahrzeugen kein Schaffner mehr ist und ich auch nicht wußte, wie ich den Fahrer des Zuges, welcher hinter einer undurchsichtigen Tür saß, die schon ein ganzes Stück vor dem Führerraum war, kontaktieren sollte, fuhr ich erst einmal ohne Karte. Ein gutes Gefühl hatte ich dabei nicht, denn es hätte ja auch ein Kontrollör auftauchen können, welcher größere Bemühungen beim Fahrkartenkauf erwartete.
Am Kasseler Hauptbahnhof bekam ich schließlich mein Entdecker-Ticket und fuhr mit dem RegionalExpress um 20:23 ab. Kurz vor dem Ziel kam der Schaffner im Zug vorbei und fragte andere Fahrgäste, ob sie in Stadtallendorf aussteigen wollen. Ich dachte erst einmal, er wollte den Leuten erklären, dass der Zug am Behelfsbahnsteig hält sie von dort wegen der Baustellen nur auf Umwegen in die Stadt kommen. Als der Zug dann ankam, zeigte sich der wahre Grund: Der Zug war zu lang für den Behelfsbahnsteig, und ich musste mit meinem Rad bis auf den Boden heruntersteigen. Anschließend hebte ich es am Bahnsteigende auf den Bahnsteig, um micht nicht irgendwie durch die Baustelle durchschlagen zu müssen. Noch etwa zwei Kilometer auf dem Fahrrad, und ich war zu Hause.

Links
Alle Bilder vom ersten Tag der Tour
HR4-Tour angeradelt - mit Bildern von der Strecke zwischen Bad Hersfeld und Point Alpha
Zweiter Tag
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