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Hatzbachtalwanderung an Christi Himmelfahrt führt über alte Landesgrenze

Wann? 09.05.2013 07:00 Uhr bis 09.05.2013 13:30 Uhr

Wo? Bürgerhaus, Am Ziegelgarten, 35260 Stadtallendorf DEauf Karte anzeigen
Einer von vielen Grenzsteinen aus dem Jahre 1756 an denen die Wanderstrecken vorbeiführen.
 
Dort wo heute die Gemarkungsgrenzen von Wolferode, Momberg und Mengsberg zusammentreffen, war von 1567 bis 1602 ein Dreiländereck, an dem die Grenzen der Landgrafschaften Hessen-Kassel und Hessen-Marburg und des Kurfürstentums Mainz aufeinanderstießen.
 
Das Dreiländereck von 1567 bis 1602 war durch einen dreieckigen Erdhügel markiert. Dieser Erdhügel wird in einer Grenzbeschreibung von 1572 als "dreyeckechten Uffworf" erwähnt. Der Aufwurf ist etwas abgeflacht, aber auch heute noch gut erkennbar.
 
Hatzbach und das Waldgebiet auf einer Karte zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Nördlich des Wetzsteins ist ein als Nadelöhr bezeichneter unten geteilter Baum zu sehen. Die rote Linie war die frühere Grenze der Landgrafschaft Hessen-Marburg. Auf ihr führt die Wanderung ein großes Stück entlang.
 
Die Wanderung führt über die Rhein-Weser-Wasserscheide auch an der Stelle vorbei, an der Landgraf Karl von Hessen-Kassel nach einem Plan von 1710 einen Kanal vom Rhein an die Weser bauen wollte.
Stadtallendorf: Bürgerhaus | Die Wanderfreunde Hatzbachtal richten am 9. Mai 2013 bereits zum 30. Mal eine Int. Hatzbachtalwanderung aus. Besonderen Wert wird dabei -wie in jedem Jahr- auf die Qualität der Wanderstrecke gelegt. Im Vordergrund steht das Naturerlebnis. Verkehrswege werden völlig vermieden. Fern von Verkehrslärm und Autoabgasen kann der Wanderer die Natur genießen. Die Wanderstrecken mit 5, 11 und 20 km Länge führen durch das Waldgebiet des südlichen Teils der Gilserberger Höhen an der Wasserscheide zwischen Rhein und Weser. Das noch frische Grün der Bäume ist immer ein besonderes Erlebnis.
Alle Wanderstrecken führen zum sogenannten Nadelöhr, einem früheren germanischen Heiligtum. Die 11 und 20 km langen Wanderwege führen außerdem über einen uralten Kammweg und entlang der Rhein-Weser-Wasserscheide an die Stelle, an der Landgraf Karl von Hessen-Kassel nach einer Planung aus dem Jahre 1710 über die Wasserscheide einen Kanal von der Weser zum Rhein bauen wollte. Außerdem führen die beiden Wanderwege auf über 3 km Länge auf der historischen Grenze der früheren Landgrafschaft Hessen-Kassel zur Landgrafschaft Hessen-Marburg und dem Kurfürstentum Mainz entlang. Dabei wird auch ein uraltes Dreiländereck erwandert, an dem noch heute ein dreieckiger Erdhügel als Grenzmarkierung aus dem 16. Jahrhundert erhalten ist. Am Wanderweg markieren zahlreiche Grenzsteine aus dem Jahre 1756 noch heute die frühere Grenze zwischen Hessen-Kassel und Kurmainz und machen die Wanderung zu einem besonderen Erlebnis.

Vom Bürgerhaus Hatzbach führen die 5 und 11 km langen Wanderstrecken aus dem Ort und oberhalb des reizvollen Wildbachtales in Richtung Wald bergauf. Im Wald führt der Wanderweg zunächst zum Nadelöhr, wo die Wanderer sich an einer Pausenstelle mit Getränken und einem Imbiss stärken können. Hier befand sich früher ein germanisches Heiligtum. Als Nadelöhr bezeichnete man früher solche Bäume, bei denen der Stamm am Erdboden gespaltenen ist, so dass man hindurchkriechen kann. Der Baum ist dabei die mit der Spitze nach oben gestellte Nadel, die Öffnung das Ohr oder Öhr. Das Durchkriechen oder Durchziehen kranker Menschen sollte Zauber abhalten und heilend wirken. Man glaubte, dass beim Durchkriechen der Zauber oder die Krankheit abgestreift wird und auf den Baum übergeht. Dass nördlich von Hatzbach ein solches Nadelöhr war, geht eindeutig aus der Schleenstein’schen Karte vom Beginn des 18. Jahrhunderts hervor. Dort ist an der Stelle des Nadelöhrs neben der Bezeichnung Nadelöhr ein unten gespaltener Baum eingezeichnet.
In fränkischer Zeit verlief hier die Grenze zwischen dem Hessengau und dem Lahngau. Am Nadelöhr war auch die frühere Grenze zwischen den Landgrafschaften Hessen-Kassel und Hessen-Marburg, die hier von 1567 bis 1602 auf einen uralten „Rennweg“ genannten Kammweg nach Norden verlief. Es war dies zuvor die Grenze zwischen den hessischen Ämtern Rauschenberg und Schönstein. Die Grenze entstand 1567, als nach dem Tod Landgraf Philipps von Hessen das Land gemäß dem Testament unter den vier Söhnen aus erster Ehe geteilt wurde. Es entstanden die vier Landgrafschaften Hessen-Kassel, Hessen-Marburg, Hessen-Rheinfels und Hessen-Darmstadt. Philipps ältester Sohn Wilhelm IV. von Hessen-Kassel erhielt Niederhessen und sein zweitgeborener Sohn Ludwig IV. erhielt die Landgrafschaft Hessen-Marburg mit Oberhessen. Das Amt Schönstein kam zu Hessen-Kassel und das Amt Rauschenberg zu Hessen-Marburg. Aus der Amtsgrenze wurde eine Landesgrenze. In 1602 tauschte dann der Landgraf Moritz von Hessen Kassel mit Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg seine vier Dörfer Moischeid, Winterscheid, Lischeid und Heimbach mit den Waldgebieten am Wanderweg gegen ein Drittel an Haus, Stadt und Amt Braubach. Die Landesgrenze verschob sich entsprechend nach Nordosten Richtung Mengsberg, das zu Hessen-Kassel gehörte. Nach dem Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg 1604 kinderlos starb, wurde sein Land zwischen den Landgrafen von Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt aufgeteilt. Das Land am Wanderweg kam 1604 und dann endgültig ab 1648 zu Hessen-Kassel.
Die 5 km lange Wanderstrecke führt vom Nadelöhr entlang einer Waldwiese zum historischen Butterweg und auf diesem dann nach Hatzbach zurück. Auf dem Butterweg brachten nach alter mündlicher Überlieferung die Bauern aus Hatzbach und Erksdorf mit der Karre Butter, Eier, Wildbret und Geflügel in das 70 km entfernte Kassel. Auf dem historischen Weg geht es nach Hatzbach zurück. Beim Verlassen des Waldes hat man einen schönen Ausblick auf Hatzbach und die umliegenden Orte. Weiter entfernt sieht man die aus dem Ohmtal ragende Amöneburg, die Teufelshege mit der Mardorfer Kuppe und den Hohen Berg bei Homberg (Ohm).
Die 11 und 20 km langen Wanderwege führen auf dem „Rennweg“ entlang der früheren Grenze der Landgrafschaften Hessen-Kassel und Hessen-Marburg bis an die Rhein-Weser-Wasserscheide. „Rennweg“ ist eine alte Bezeichnung für Fernwege, die für den schnellen Verkehr geeignet waren. Der Rennweg ist uralt und war schon in der vorgeschichtlichen Zeit der erste Verbindungsweg durch den Wald. Er führte von Speckswinkel über das Nadelöhr und das „Kreuz“ zwischen Mengsberg und Lischeid zur Kalten Hainbuche. Beim Mooshäuschen wird der Rennweg verlassen und der Wanderweg führt auf der Wasserscheide entlang der früheren Grenze zu der Stelle, an der Landgraf Karl von Hessen-Kassel nach einer Planung aus dem Jahre 1710 über die Wasserscheide einen Kanal von der Weser zum Rhein bauen wollte.
Der Kanal sollte von Kassel die Fulda aufwärts, dann die Eder, Schwalm und Wiera hinauf führen. Um das Mainzer Gebiet bei Momberg zu umgehen, sollte der Kanal von der Wiera nicht direkt über die Wasserscheide zwischen Momberg und Speckswinkel geführt werden, sondern über Mengsberg einem Bachlauf entlang zur Wasserscheide. Nach Überwindung der Wasserscheide sollte der Hatzbach zum Kanal ausgebaut werden. Über den Hatzbach sollte der Kanal über die Wohra, Ohm und Lahn zum Rhein führen. Die einzige Möglichkeit, den Kanal in Richtung Hatzbach zu führen, wäre gewesen, hier am Wanderweg einen künstlichen Einschnitt in den Höhenzug oder einen Kanaltunnel zu bauen. Der Einschnitt hätte an der tiefsten Stelle ungefähr 25 Meter tief sein müssen und insgesamt 750 Meter lang, wobei er nur auf ca. 250 Meter Länge tiefer als 20 Meter hätten sein müssen. Wenn man auf diese Weise die Wasserscheide überwunden hätte, hätte man auch die Gewässer von Winterscheid und Bellnhausen für diese Trasse verwenden können, was die Planung ausdrücklich vorsah. Technisch war dies durchaus machbar. Es fehlten allerdings die finanziellen Mittel um dieses ehrgeizige Projekt zu verwirklichen. Mit dem Tod des Landgrafen Karl 1730 wurden die Pläne endgültig aufgegeben.
Wenige Meter nach der geplanten Kanaltrasse erreicht man auf dem Martinsberg die Stelle, an der von 1567 bis 1602 die Grenzen der Landgrafschaften Hessen-Kassel und Hessen-Marburg sowie des Kurfürstentums Mainz aufeinanderstießen. Das Dreiländereck war durch einen Erdhügel mit drei dreieckigen Seitenflächen, die auf der Spitze zusammenliefen, markiert. Er wird bereits in einer alten Urkunde aus dem Jahr 1572 als „drey Eckechten Uffworf“ erwähnt. Dieser Erdhügel ist heute zwar etwas abgeflacht, aber die nach drei Seiten führenden Flächen sind noch gut erkennbar. Es ist eine Besonderheit, dass der Erdhügel überhaupt noch erhalten ist. Die in früheren Zeiten übliche Markierung von Grenzen durch Erdaufwürfe wurde durch das Setzen von Grenzsteinen ersetzt, so dass die Aufwürfe ihre Bedeutung verloren und im Laufe der Jahrhunderte verfielen.
Dieses frühere Dreiländereck liegt nur rund einen Meter westlich eines Grenzsteins aus dem Jahr 1756, der die Grenze zwischen dem Kurfürstentum Mainz und der Landgrafschaft Kassel markierte und heute als „Dreimärker“ Grenzstein für die Gemarkungen Mengsberg, Momberg und Wolferode ist. Der Grenzstein wurde aufgestellt, nachdem im Vertrag von Schröck in 1756 jahrhundertelange Grenzstreitigkeiten zwischen Kurmainz und Hessen-Kassel beigelegt worden sind. Die im Vertrag festgelegte Grenze wurde mit über 1.400 nummerierten Grenzsteinen markiert. Die wichtigsten Grenzsteine zeigten auf der Mainzer Seite das Mainzer Rad und auf der Hessischen Seiten den hessischen Löwen. Der „Dreimärker“ ist ein solcher Wappenstein.
Ursprünglich gehörte das Gebiet hier auf beiden Seiten zur Grafschaft Ziegenhain. Die Grenze entstand 1294, als der Graf von Ziegenhain das Amt Neustadt an Mainz verkaufte, während das Amt Rauschenberg bei der Grafschaft Ziegenhain verblieb. Mit dem Aussterben der Grafen von Ziegenhain fiel das Amt Rauschenberg 1450 mit der gesamten Grafschaft an Hessen. 1803 kamen dann die mainzischen Gebiete zu Hessen-Kassel und die Grenze gehörte der Vergangenheit an.
Vom früheren Dreiländereck folgt der Wanderweg einem alten Grenzweg entlang der früheren Grenze zwischen Hessen-Kassel und Kurmainz, die weiter auf der Rhein-Weser-Wasserscheide verläuft und durch Grenzsteine aus dem Jahre 1756 markiert ist, die entlang des Wanderweges zu sehen sind. Darunter sind noch einige Wappensteine, aber auch einfache Steine mit der Jahreszahl 1756 und der Nummer.
Kurz hinter dem sogenannten Schwälmerstock, einer früheren Zollstelle die ebenfalls auf der Schleensteinschen Karte eingezeichnet ist, verlässt der Wanderweg die frühere Grenze und führt auf einem befestigten Weg bergab ins Hatzbachtal. Nach kurzer Zeit erreicht man eine weitere Pausenstelle, bei der man sich stärken kann, ehe es weiter bergab zum sogenannten Blockkistengrund im Hatzbachtal geht. Hier wird der Hatzbach überquert und es geht auf dem Blockkistenweg bergauf. Dort befand sich links vom Wanderweg im 18. Jahrhundert bis mindestens Anfang des 19. Jahrhundert zur Gemeinde Hatzbach gehörendes Wiesen- und Ackerland. Der Wald rechts des Weges war zu dieser Zeit zum Dorf Speckswinkel gehörendes Wiesenland. Wann dieses Land aufgeforstet wurde ist nicht bekannt. 1875 gehörte es jedenfalls nicht mehr zur Hatzbacher Gemarkung. Nach dem Aufstieg stößt der Wanderweg auf den Butterweg. Von hier führt die Wanderstrecke gemeinsam mit dem 5 km langen Wanderweg (siehe Beschreibung oben) nach Hatzbach zurück.
Die 20 km lange Wanderstrecke führt schon vom Bürgerhaus Hatzbach aus auf einer separaten Route am Hang des Ledersberges zunächst in Richtung Wolferode. Am Ledersberg wurde in vorgeschichtlicher Zeit Eisen verhüttet. Von hier hat man einen schönen Blick auf die Sumpfwiesen des Hatzbachtales und die 1592 erbaute Kammermühle. Von der Kammermühle geht es durch ein Wäldchen zur Wüstung Krummelbach. Hier in den Wiesen beim Hatzbach lag früher das Dorf Krummelbach. Es wird nur einmal in einer Urkunde vom 3. Mai 1369 erwähnt, als es schön wüst lag. Von dort geht es entlang des Krummelbaches in den Wald bergauf. Nach einer Weile erreicht man die sogenannten Keilwiesen. Wiesen gibt es hier aber keine. Der Name erinnert daran, dass das gesamte Bachtal früher zu Hatzbach gehörendes Wiesenland war. Die Keilwiesen wurden noch bis zur Verkoppelung 1911 von Hatzbacher Bauern bewirtschaftet. Während der Verkoppelung wurden sie mit dem Forst ausgetauscht. Dieser trat ein an die Hatzbacher Gemarkung grenzendes Waldstück vom „Walderoth“ an Hatzbach ab und forstete die Wiesen auf. Oberhalb des Bachtales wird bei der Pfaffenheide eine alte Forsthütte erreicht, an der eine Pausenstelle eingerichtet ist. Von dort geht es auf einem geteerten Weg zum Kohlberg, der fast ganz umrundet wird. Der Kohlberg ist mit 371 Metern der höchste Berg Stadtallendorfs. Sein Name erinnert daran, dass hier früher Holzkohle gewonnen wurde. Vom Nordhang des Kolberges geht es bergab ins Josbacher Feld und von dort entlang des Josbacher Weges beim „Dreimärker“ der Dörfer Wolferode, Mengsberg und Lischeid wieder in den Wald. Im Wald geht es dann weiter zum Nadelöhr. Ab dem Nadelöhr verläuft dann der Wanderweg zusammen mit dem 11 km langen Wanderweg weiter.

Im Bürgerhaus Hatzbach kann man sich nach der Wanderung bei Speisen und Getränken zu günstigen Preisen stärken. Außerdem wird eine Ausstellung mit alten Grenzkarten gezeigt. Jeder Wanderer erhält den Nachdruck einer alten Postkarte aus der Zeit um 1900 als Erinnerung geschenkt.

Weitere Informationen gibt es im Internet auf der Seite http://www.wanderfreundehatzbachtal.de
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