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Die Söhne von Goethe und von seiner Lotte auf dem selben Friedhof in Rom

Das Grab von August von Goethe
 
Der Eingang zum "Protestantischen Friedhof"
In der Ausgabe der Oberhessischen Presse vom 08. August 2009 wurde sehr umfangreich über den Aufenthalt des Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe in Wetzlar berichtet. Angeregt durch diesen Beitrag möchte ich gern über den „Protestantischen Friedhof“ in Rom, dem Cimitero Acattolico di Roma berichten.

Auf diesem Friedhof, der auch als der „Künstlerfriedhof“ bekannt ist, befinden sich Gräber von vielen bekannten Künstlern. Interessant ist, dass sich hier auch die Gräber des Goethesohnes August und das von August Kestner, dem Sohn von Charlotte Kestner geb. Buff, eben Goethes „Lotte“ aus Wetzlar befinden. Es ist einer der Zufälle, die die Geschichte schreibt, dass auf demselben Friedhof diese beiden Söhne von Menschen bestattet sind, die im Leben nicht zusammenkamen.

Schaut man sich den Grabstein von August von Goethe an, so sucht man den Namen des Verstorbenen vergeblich. Selbst hier noch ist er „nur“ Goethes Sohn. Es ist nämlich ohne Nennung des Namens zu lesen: „Goethe filius, patri antevertens, obiit anno XL, MDCCCXXX“, „Goethe, der Sohn, dem Vater vorausgehend, starb mit 40 Jahren 1830“. August von Goethe starb auf einer Italienreise und wurde als „Nichtkatholik - als Acattolico“ auf diesem Friedhof beigesetzt.

G. Chr. August Kestner war Gesandter des Königs von Hannover beim Hl. Stuhl. Er starb am 3. März 1853 und wurde ebenfalls auf dem „Protestantischen Friedhof in Rom beigesetzt. Sein Grab liegt nur wenige Meter von August von Goethes Grab entfernt.

Der „Cimitero Acattolico di Roma“ ist auch aus unserer lokaler Sicht interessant. Hier liegt die Archäologin Maja Sprenger begraben. Sie wurde am 11. September 1944 in Marburg geboren. Sie wäre also in diesem Jahr 65 Jahre alt geworden. Die Mutter von Maja stammte aus Marburg und war, wie ihr Mann, Medizinerin. Während des 2. Weltkriegs und kurz danach hatte das Ehepaar Sprenger eine Praxis in Neustadt bevor die Familie nach Karlsruhe umsiedelte. Sicher wird sich noch so mancher Neustädter an die Ärzte erinnern.

Maja Sprenger galt unter den deutschen und italienischen Archäologen in ihrem Fach als ganz großes Talent mit einer großen Zukunft. Dass dies so war, erlebte ich selbst bei einem Besuch an ihrem Grab. Ich traf einen älteren Herrn, der seinen Enkelkindern hier von dieser jungen Frau erzählte. Er selber war Archäologe und kannte Maja Sprenger aus ihrer Studienzeit. Er bezeichnete sie als die große Hoffnung der deutschen Archäologie. Ihr Fachgebiet war die etruskische Malerei und Plastik. Hier gibt es mehrere Veröffentlichungen von ihr. Sie starb am 06.06.1976 an den Folgen eines schweren Autounfalls, kurz vor dem Erscheinen ihres Buches „Die Etrusker, Kunst und Geschichte“, das sie zusammen mit Gilda Bartolini geschrieben hat. Maja Sprenger hatte noch vor ihrem Tod festgelegt, dass sie im Grab einer Tante mit Namen Berta Cornelius auf dem protestantischen Friedhof in Rom beigesetzt wird.

Bei einem Besuch von Rom lohnt es sich auf jeden Fall, den „Protestantischen Friedhof“ zu besuchen. Hier findet man auf einem herrlichen Stückchen Erde einen Teil der Weltgeschichte auf engstem Raum. Die beigefügten Bilder sollen einen kleinen Eindruck der Schönheit dieses Friedhofs geben. Natürlich kann man sich im Internet umfangreich über den Cimitero Acattolico di Roma informieren.

Um dem Namen Maja Sprenger auch ein Gesicht zugeben, habe ich diesen Beitrag noch einmal überarbeitet, nachdem ich von der jungen Archäologin ein Bild gefunden hatte.
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1 Kommentar
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Hans-Christoph Nahrgang aus Kirchhain | 10.08.2009 | 19:35  
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