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Uneins über Antibiotikaeinsatz! - Gut besuchte Diskussion der GRÜNEN im Springer Ortsteil Alvesrode

Podiumsteilnehmer
 
Zahlreiche Besucher

Hoher Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung führt zu kontroverser Diskussion

Der Ortsverband der GRÜNEN hatte im Springer Ortsteil Alvesrode zur Podiums-Diskussion über den hohen Antibiotikaeinsatz in der Tiermast eingeladen.
Ziel war, mit Landwirtschaftsvertretern ins Gespräch zu kommen.
Es ergaben sich dabei sehr unterschiedliche Sichtweisen.

Auf dem Podium hatten Platz genommen:

Aus der Landwirtschaft:
* Dipl. Ing. Henning Pieper; Berater für Tierhaltung von Geflügel und Schweinen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen
* Volker Hahn; Landwirt und stellvertr. Vorsitzender des Landvolkkreisverbandes Hannover

Für die Bürgerinititive Groß-Munzel:
* Michael Hettwer

Für BÜNDNIS 90 DIE GRÜNEN:
* Christian Meyer; stellvertr. Fraktionsvorsitzender im Landtag und Sprecher für Landwirtschaftspolitik, Verbraucherschutz, Natur- und Tierschutz
* Ulrich Schmersow; umweltpolitischer Sprecher im Regionsparlament

Moderation:
* Elke Thielmann-Dittert; Landtagskandidatin im Wahlkreis 35, Mitglied der Regionsversammlung und im Stadtrat Springe

In der Diskussion versicherten die Befürworter der heutzutage verbreitetsten Tierhaltung, daß ausschließlich kranke Tiere Antibiotika erhalten. Wer anders handele, verstoße gegen das Tierschutzgesetz.
Weiterhin argumentierten sie, daß durch optimale Haltungsbedingungen wie: ausreichend Bewegungsmöglichkeiten, gute Trinkwasser- und Futterversorgung , ausreichende Belüftung , Tageslichteinfall und Einhaltung der strengen Hygienevorschriften selten Tiere erkranken und somit eine Antibiotikagabe nur in wenigen Fällen nötig wäre.
Herr Bartels, der einen Bioland-Betrieb bewirtschaftet, sagte er isoliere kranke Tiere, so daß die Ansteckungsgefahr minimiert wird. Dadurch könne er in den allermeisten Fällen auf Medikamente verzichten.

Ob eine solche restriktive Antibiotikagabe auch in bereits bestehenden und vielfach in Bau und Planung befindlichen Mastställen mit bis zu 40.000 Hähnchen möglich ist, muss bezweifelt werden.

• * Auch die allgemeine medizinische Erkenntnis: Je größer die Häufung von Lebewesen auf engem Raum, desto größer auch die allgemeine Ansteckungsgefahr, bleibt dabei auf der Strecke.
• -Ferner konnte der Verbleib der kürzlich bekanntgegebenen Menge von 1734 Tonnen Antibiotika an Tierärzte (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit für 2011) nicht glaubhaft erklärt werden.

• * Eine weitere logische Erklärung für den stark gestiegenen Antibiotikaverbrauch dürfte sein , daß Veterinäre sowohl Medikamente verordnen, als auch an deren Verkauf verdienen. Auch die von der Pharmaindustrie zusätzlich gewährten Mengenrabatte, dürften den Verbrauch steigern.

• * Ein weiteres dunkles Kapitel besteht darin, daß zwar in Stallbüchern der Medikamenten-verbrauch zu dokumentieren ist, dieser jedoch nicht flächendeckend von den Veterinärämtern erfasst wird. Eine entsprechende Änderung im Arzneimittelgesetz befindet sich erst in der parlamentarischen Beratung.

• * Beklagt wurde, daß beim Fleischkauf im Supermarkt dessen Herkunft nicht erkennbar ist.
• * Die von der Lebensmittelindustrie in der Werbung praktizierte Methode mit der Verwendung unzutreffender Begriffe und Bilder suggerieren dem Verbraucher unzutreffende Vorstellungen. Beispiel „Wiesenhof“ - Hat weder mit „Wiese“ noch etwas mit „Hof“ zu tun.
* In großem Umfang auf dem Fleisch gefundene MRSA-Keime erzeugen Resistenzen gegen Antibiotika. Bei Erkrankungen von Menschen mit diesen resistenten Keimen ist u.U. keine Antibiotika-Behandlung mehr möglich.

Fazit:
Eine gelungene und gut besuchte Veranstaltung.
Insgesamt schwache Argumente für die momentan überwiegend betriebene Fleischproduktion und deren Vermarktung.

Erhebliche und berechtigte Kritik daran, sowie dringender Handlungsbedarf für eine andere Agrarpolitik und erforderliche Änderungen im Baurecht.

Wünschenswert wäre darüberhinaus, wenn Verbraucher mit Ihrem Einkaufsverhalten notwendige Änderungen unterstützten.

Zur ergänzenden Information: Stellungnahme der GRÜNEN Bundestagsfraktion zur Tierhaltung
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