Gemeinsam gegen Corona

Kloster Marienrode bei Hildesheim
 
Innenhof der Klosteranlage Marienrode
Wer wurde nicht von Corona überrascht? Wer hat nicht nach Wochen und Monaten alle Lebensbereiche tangierende politisch und medizinisch verordnete Abstinenz körperlich und geistig gespürt? Wer hat nicht an Corona, an Gott und die Welt, an der medizinischen Weisheit, an Statistikern und vor allem an der Politik gezweifelt, über alle Restriktionen gewettert oder sie gar verurteilt? War es der Verlust der Freiheit, nicht mehr das tun zu dürfen, was man möglicherweise ohnehin nicht tun beabsichtigte?

Corona schleuderte auch mich aus meinem „Hamsterkäfig“. Plötzlich bekamen die Worte „du musst“ eine neue Bedeutung. Eine Pharmafirma bewirbt ein Kürbispräparat mit dem Slogan: „Weniger müssen müssen“. Obwohl klar ist, was die damit meinen, trifft bei mir der Slogan weniger auf mein Befinden unterhalb des Bauchnabels zu, sondern vielmehr auf meinen Kopf, von dem aus mein grundsätzliches Verhalten ge-steuert wird. Es ist doch ein schönes Gefühl, plötzlich nicht mehr müssen zu müssen. Und zum Friseur muss ich auch nicht, da die Salons je nach Inzidenzwert und Politik nur temporär öffnen dürfen. Und so wächst mein Resthaar in Überlänge – nicht mehr lange, dann kann ich mir einen Zopf flechten.

Aber muss ich nun gelähmt sein ob der physischen Einschränkungen und damit einhergehenden psychischen Belastungen? Natürlich kann der Tag nicht nur für einen Rentner im Lock Down lang werden. Sehr lang. Und manch einer greift aus Langeweile zur Flasche. Zeitungsberichten zufolge soll der Alkoholkonsum während der Pandemie erschreckend zugenommen haben. Aber ist die Pandemie Grund genug, mehr als üblich über den Durst zu trinken? Ich kann und will das nicht beurteilen. Dafür gibt es Fachleute. Aber worum geht es eigentlich? Geht es uns so schlecht, dass wir mit dem Schicksal hadern müssen? Seien wir doch ehrlich! Ja, wir können zurzeit nicht mehr machen was wir wollen. Von Urlaub über Shoppen, Disko- oder Kneipenbesuchen oder großen Feten einmal abgesehen – auf was müssen wir wirklich verzichten?

Es ist bitter, wenn Corona-betroffene Familien stark unter Kontaktbeschränkungen leiden. Es ist bitter, wenn man Verstorbene nur im engsten Kreis bestatten darf. Und es ist insbesondere für Kinder und deren Eltern eine Herausforderung, den Alltag ohne „Hauen und Stechen“ zu bestehen. Ich möchte nicht in der Haut der Eltern und Lehrer stecken und schon gar nicht in der von Altenpflegern, Krankenschwestern oder Ärzten. Sie verdienen höchste Anerkennung und Beachtung. Aber jene, die sich entgegen allen aus der Not heraus geborenen gesellschaftlichen Auflagen durch Protest und Verantwortungslosigkeit gegenüber ihren Mitmenschen entziehen, ihnen kann man nur mit Verachtung begegnen.

Wie anders wollen jene Politiker, die ständig herumnörgeln, kritisieren und besserwissende Kommentare abgeben, denn die Pandemie bewältigen, wenn nicht auf Basis der in den letzten Monaten gewonnenen Erfahrungen. Sie brauchen diese Lernkurve nicht mehr zu nehmen. Aber sie werden dazu verdammt sein, Fehler zu machen. Schwamm darüber. Man hätte sicherlich einiges anders organisieren können. Aber so von Null auf Hundert den Krieg gegen unbekannte Viren zu gewinnen, verlangt andere Maßnahmen und Konzepte als die Sturmflut 1962 oder die Oderflut 1997. Helmut Schmidt und Gerhard Schröder wurden für ihr Krisenmanagement gefeiert. Und wer dankt unseren Wissenschaftlern und Politikern, die Tag für Tag buchstäblich den Kopf für uns hinhalten?

Nur gemeinsam sind wir stark, nur gemeinsam können wir den Krieg gegen die Viren gewinnen, indem wir aufeinander achten und einander zuhören. Dass wir hinhören, wenn wir zu Zurückhaltung aufgefordert werden und Ruhe gewahren, wenn angeblich erlösende Formeln von Politikern, die nicht in der Verantwortung stehen, oder reißerische Schlagzeilen in Boulevardzeitungen den Königsweg aus der Pandemie beschwören.     

Schlussendlich einige Worte zur Freiheit: Mit Corona bis zur erlösenden Impfung zu leben, ist ganz sicher eine gleichsam nerventötende Zeit. Meine Frau und ich haben unsere Nische gefunden. Seit Weihnachten besuchen wir Klöster im Calenberger Land, in Nordrhein-Westfalen und im Bistum Hildesheim. Die Kirchen der Klöster sind geöffnet. Sie sind keineswegs Ersatz für entgangene Museumsbesuche, sondern sie bieten die Gelegenheit, sich mit dem Wesen der Klöster auseinanderzusetzen. Dies ist nur ein Beispiel, Freiheit und Freizeit sinnvoll zu nutzen. 
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2 Kommentare
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Holger Finck aus Langenhagen | 22.03.2021 | 20:49  
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Wolfgang Wirtz aus Duisburg | 23.03.2021 | 00:53  
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