Energiewende: Chancen nutzen

... rund 400 km2 der Landesforsten Niedersachsen wurden Opfer von Trockenheit, Stürmen und Borkenkäfern ...
 
... wie leere Bettlerfäuste strecken sich die toten Nadelbäume zum Himmel ...

Klimaminister Habeck macht Dampf. Zwei Prozent der deutschen Landfläche sollen für Windräder reserviert werden. Das Ziel: Der Anteil der deutschen Stromversorgung aus regenerativen Energien soll bis 2030 von 42 Prozent auf 80 Prozent steigen.


Was bedeutet das? Deutschland hat eine Fläche von 357.588 km2. Zwei Prozent davon wären also rund 7.000 km2. Diese Fläche will Klimaminister Habeck vorrangig mit Windenergieanlagen bestücken. Dafür nimmt er einen Hürdenlauf in Kauf: Hindernisse wie Artenschutz, Naturschutzgebiete, Wälder und Wohngebiete sollen seinem Plan nach beim Ausbau nicht mehr im Wege stehen. Und auch rechtliche Restriktionen bei Standortwahl, Nähe zu Wohnbebauungen und Bürgerwillen will er beseitigen, um auf diese Weise den Ausbau der Regenerativen zu beschleunigen.

Aber darf der Klimaschutz dem Klimaschutzminister den Blick derart versperren, dass er den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht? Pardon, ich meine, dass er die Kahlschläge in deutschen Wäldern als Folge von Trockenheit und Borkenkäfern übersieht? Hier kann der Klimaminister Gutes tun!

Allein in Niedersachsen sind infolge von Schädlingsbefall und Trockenheit in den Wäldern rund 400 km2 Freiflächen vor allem im Harz und im Süden Niedersachsens entstanden. Diese Freiflächen sollen wieder aufgeforstet werden. Aber weniger mit Fichten, sondern vielmehr mit Gehölzen, die robuster sind und Schädlingen und Trockenheit trotzen können.
Die Aufforstung mit alternativen Baumarten einerseits und ihr Wachstum andererseits, ist ein langfristiges Projekt mit hohen Investitionen. Bis die Bäume gewachsen sind und ihr natürliches Höchstalter erreicht haben, werden mehrere Jahrzehnte vergehen. Generationen von Menschen, die etwa den Nationalpark Harz oder den Naturpark Solling besuchen, werden dann Zeuge, wie sich die Freiflächen sukzessive wieder in dichten Wald wandeln.

Aber nicht nur Harz oder Solling sind von den Schäden durch Trockenheit und Insektenbefall betroffen worden, sondern bundesweit melden Landesforste und private Waldbesitzer umfassende Schäden an. Insgesamt müssen dem Waldbericht 2021 zufolge 2.770 km2 Nadelwald wiederaufgeforstet werden.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob Klimaminister Habeck und seine Mitarbeiter die Freiflächen in den Wäldern als potenzielle Standorte für Windenergieanlagen in sein „Windenergiebeschleunigungsprogramm“ mit einbezogen haben. Beispielsweise könnten rund 400 Quadratkilometer Freiflächen im Harz und im Süden Niedersachsens ohne signifikante Eingriffe in die Natur genutzt werden, und machen auf diese Weise zusätzliche Rodungen in intakten Wäldern überflüssig.

Natürlich müssen für ein „Freiflächen-Nutzungsprogramm“ Gesetze modifiziert werden. Unter anderem auch die Paragraphen 24 und 27 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG). Mit Blick auf den Klimawandel dürfte es für Minister Robert Habeck zusammen mit der für den Naturschutz zuständigen Ministerin Steffi Lemke (Grüne) möglich sein, eine einvernehmliche Gesetzesänderung herbeizuführen. Ihm zur Seite steht Energie-Staatssekretär Patrick Graichen, einer der Gründer und ehemaliger Direktor des Thinktanks „Agora Energiewende“. Der „Bild-Zeitung“ zufolge verfasste er im letzten Jahr ein „Sofortprogramm Windenergie.“

Doch Patrick Graichen hat mehr zu bieten. Denn er ist in der Umweltszene gut vernetzt. Seine Schwester Verena Graichen ist stellvertretende Vorsitzende im Bundesvorstand des BUND. Zudem ist sie Senior Researcher für Energie & Klimaschutz beim Öko-Institut in Berlin. Dort ist auch Jakob Graichen, Bruder der beiden, als Senior Researcher für Energie & Klimaschutz tätig. Verena Graichen ist überdies mit Michael Kellner, Bundesgeschäftsführer Bündnis 90 / DIE GRÜNEN, verheiratet. Er ist auch Staatssekretär im Wirtschaftsministerium.

Mit diesem Netzwerk im Rücken dürfte es Minister Habeck leichter fallen, seine ehrgeizigen Pläne umzusetzen. Mit den Kahlschlägen in ganz Deutschland könnte er den Anfang machen. Zunächst aber muss über den Landschafts- und Artenschutz gesprochen werden. Denn Hoch- und Niederwild, Eichhörnchen und Waldkäuze, Spechte und Milane, Fledermäuse und Eichhörnchen haben ihre angestammten Lebens- und Schutzräume für längere Zeit verloren. Vor diesem Hintergrund dürften Gespräche mit Naturschutzverbänden, Gebietskörperschaften und örtlichen Initiativen entspannter verlaufen.

Schließlich: Die Freiflächen müssen erschlossen werden. Straßen für den Materialtransport sind zu bauen. Kräne, Betonmischer, Bagger und Bohrmaschinen müssen vor Ort gebracht werden. Mit der Logistik sind Konstrukteure und Monteure der Windenergieanlagen bestens vertraut, denn die einschlägigen Firmen haben bereits fast 30.000 Windräder hierzulande errichtet. Zugegeben: Die Eingriffe in die „nicht mehr“ intakte Natur der Freiflächen in den Wäldern Deutschlands mögen zwar hart erscheinen. Aber sie können verhindern, dass in gesunden Wäldern Bäume abgeholzt werden, um Platz für Windräder zu schaffen.
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5 Kommentare
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Dieter Elmer aus Bobingen | 26.01.2022 | 18:04  
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Hans-Joachim bartz aus Hattingen | 27.01.2022 | 03:16  
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Hans-Joachim bartz aus Hattingen | 27.01.2022 | 03:18  
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Friedrich Schröder aus Springe | 27.01.2022 | 09:16  
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Dieter Elmer aus Bobingen | 27.01.2022 | 10:36  
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