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Wenig Fans aber viel Begeisterung - Gunter Gabriel überzeugt im Müller's mit Schlager, Country und Rock'n Roll

Ein Kerl, ein ganzer Mann
 
Gunter Gabriel
Bennigsen (ram). Nur knapp 90 Musikfreunde wollten am Sonnabend den Auftritt von Country- und Schlagersänger Gunter Gabriel zur Biergartensaisoneröffnung im Müller’s erleben. Dabei kam der 66-jährige Songschreiber und Komponist nicht nur mit zahlreichen stimmungsvollen Liedern und Sprüchen nach Bennigsen, sondern hatte auch den Schwung eines Vierzigjährigen unter seinem Hemd.
„Ich bin 66 und ich habe Spaß am Leben“, erklärte Gabriel überzeugend. Gemütliche Kneipenkonzerte seien für ihn genauso schön, wie Auftritte vor tausenden Zuschauern. Bis 21 Uhr mussten sich seine Fans gedulden, bis er aus seinem roten Touren-Bully stieg. Bis dahin gab der „unkaputtbare Rebell“ denkwürdige Einblicke in sein umtriebiges Leben: „Ich habe keinen festen Wohnsitz – bin gerne heimatlos“, erklärte Gabriel, der auf einem 250 Quadratmeter großen Hausboot im Hamburger Hafen lebt, wenn er nicht gerade mit seinem Bus unterwegs ist. „Wahrscheinlich liegt das daran, dass mein Vater bei der Bahn war und wir auch früher viel umziehen mussten“, glaubt er. So haben die Caspelherrs, so der bürgerliche Name des gelernten Schlossers, unter anderem fünf Jahre lang in Unsen bei Hameln gewohnt. Mit seinem Fahrrad erkundete der damals 14-Jährige den Süntel und den Deister und „kam dabei auch schon mal am Wisentgehege vorbei“. Heute hat der Musikproduzent vier Kinder aus vier geschiedenen Ehen und vor allem leere Taschen. Sein Traum: „Einmal in Paris wohnen, wo meine jüngste Tochter gerade studiert“. Bis dahin möchte Gabriel aber noch für jeweils 1000 Euro bei vielen familiären Feiern dabei sein: „Die Idee, die in einem Gespräch beim NDR mit Eva Herman entstand, war meine bislang beste Erfindung“, freut er sich. Rund 350 private Arrangements seit 2007 hätten bereits einen Großteil seiner Verbindlichkeiten getilgt, die bereits Ende dieses Jahres der Vergangenheit angehören sollen. Dass er heute noch so viele Fans hat, die seinen Liedern „nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit ihrer Zunge“ begleiten, macht ihm Mut: „Die Anerkennung zeigt mir, dass ich in meinem Leben mal was richtig gemacht habe“, schmunzelt Gabriel. Und so glaubte ihm jeder Besucher im Müller’s, als er schließlich mit seiner dreiköpfigen Band und dem Song „Ich bin ein Kerl, ein ganzer Mann“ loslegte und in den folgenden zweieinhalb Stunden mit Schlagern, Countrysongs und Rock’n Roll überzeugte. Von „Komm unter meine Decke“ über „Take me home countryroads“ bis „Tutti Frutti“ hatte der „ehemalige Freund von Johnny Cash“ für jeden etwas dabei. Er suchte das Gespräch mit seinem Publikum und riss mit seiner Musik auch den letzten Tanzmuffel vom Hocker. Obwohl der Kneipier und Veranstalter Jörg Müller begeistert mitfeierte, bleibt für ihn ein bitterer Nachgeschmack: „Mit so einem besonderen Programm habe ich mir viel mehr Gäste versprochen“, zeigt sich der 45-Jährige enttäuscht über das Minusgeschäft. Schließlich trete Gunter Gabriel bei öffentlichen Events nicht für einen Tausender auf. Von seiner Strategie, auf bekannte Künstler zu setzen, möchte Müller allerdings vorerst nicht abweichen: „2009 gibt es einen längeren Vorlauf und hoffentlich viel positive Mundpropaganda“, zeigt er sich kämpferisch.
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